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26. November 2002, 13:43 Uhr

Akademikerjob Reiseleiter

Paris, mon amour

Bei Anbietern von Studienreisen haben Akademiker als Reiseleiter beste Chancen. Schließlich verlangt der Job neben Ortskenntnissen auch eine Menge Fachwissen. Björn Stüben zum Beispiel führt kulturhungrige Touristen durch das Paris abseits der Trampelpfade.

Paris hautnah: Am frühen Morgen holt Reiseleiter Björn Stüben seine Gäste - sechs Paare zwischen Mitte 20 und Mitte 70 und eine einzelne Dame - zur Stadterkundung ab. Die erste Etappe führt zum Arc de Triomphe, den Napoleon zu seinem Ruhm errichten ließ.

Triumphbogen: Erste Station bei der Stadterkundung
DPA

Triumphbogen: Erste Station bei der Stadterkundung

Erklären wird Björn Stüben nicht nur Historisches zum Invalidendom, sondern auch beispielsweise die Situation auf dem Pariser Wohnungsmarkt. Er erzählt Anekdoten aus dem französischen Alltagsleben und führt seine Gäste in pittoreske Restaurants, abseits von touristischen Trampelpfaden.

Nicht selten sind es junge Akademiker, die kulturinteressierte Städtereisende durch Museen und Kirchen leiten. Die Anforderungen an die Reiseführer sind vielfältig. So hat der Anbieter Studiosus Reisen sein Konzept umgemodelt: Vermittelt werden soll nun nicht mehr nur Fachwissen aus Kunstgeschichte, Architektur, Archäologie, sondern auch verstärkt Landeskundliches aus dem Alltag fremder Länder.

Von ihren Reiseführern verlangt Studiosus Fachkenntnis und Berufserfahrungen bei der Reiseleitung. Sie müssen sich einem strengen Auswahlverfahren in München unterziehen und einen einwöchigen Einführungskurs absolvieren. Dabei geht es ebenso um Organsiation wie um Rechtsfragen und auch um Erste-Hilfe-Kenntnisse.

Viel Freiraum für die Reiseleiter

Auch Björn Stüben arbeitet nun beim Marktführer der Branche - und das gefällt ihm ungemein. "Ich habe mir gedacht, das wäre doch die Möglichkeit, um das Wohnen in Frankreich damit zu verbinden, das Wissen von der Uni anzubringen", sagt er.

Taxi in Paris: Touristen können sich auch mit dem Tandem transportieren lassen
AP

Taxi in Paris: Touristen können sich auch mit dem Tandem transportieren lassen

Björn hat sein Studium in Deutschland absolviert: Kunstgeschichte, Archäologie, Italienisch. Schon damals jobbte er als Reiseleiter. Mittlerweile lebt der 38-jährige mit Frau und zwei kleinen Kindern in Paris. Der bürokratische Hürdenlauf schreckte ihn davon ab, eine Karriere an einer deutschen Uni zu versuchen. Und für die Anstellung in einem französischen Museum müsste er die französische Staatsangehörigkeit haben.

Für ihn sind die Teilnehmer an der Studienreise keine Kunden, sondern Gäste. Dass sein Arbeitgeber viel von ihm verlangt, stört Björn nicht. Im Gegenteil: "Der Spaß ist, dass man selber bestimmen kann, welche Wege man macht, wie man das Ganze näher bringt", sagt er, "da kann man machen, was man will."

Die Gefahr, dass sein Job zur Routine wird, sieht der Reiseleiter schon. Aber dann, da ist er sicher, würde er seinen Job an den Nagel hängen.

Campus & Karriere / Deutschlandfunk

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