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Nach der Plagiatsaffäre Was wurde eigentlich aus... Annette Schavan?

Doktortitel und Ministeramt hat Annette Schavan verloren, jetzt vertritt sie Deutschland als Botschafterin im Vatikan. Doch ihr Fall bewegt noch immer die Wissenschaft, wie ein vertrauliches Papier aus ihrer Uni zeigt.
Schavan auf dem Weg zu Merkels Geburtstagsfeier: "Schlechte Verliererin"

Schavan auf dem Weg zu Merkels Geburtstagsfeier: "Schlechte Verliererin"

Foto: Britta Pedersen/ dpa

Annette Schavan ist eine Ehemalige in vielerlei Hinsicht: ehemalige Bundestagsabgeordnete, Wissenschaftspolitikerin, stellvertretende Parteivorsitzende, Ministerin, Honorarprofessorin, Doktorin. Nun soll eine "neue Lebensphase" beginnen, wie sie in einem Interview sagt.

Noch steht zwar das Wort "designiert" auf der Website vor ihrer neuen Amtsbezeichnung "Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl". Sie ist aber seit Anfang Juli offiziell im Dienst, wie das Auswärtige Amt bestätigt. Die ersten Termine hat Schavan in Rom bereits wahrgenommen, hat Vertreter der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio getroffen und mit ihnen in der Kirche Santa Maria in Trastevere gebetet.

Doch jetzt macht ihre Vergangenheit noch einmal Schlagzeilen. Ursache ist ein vertraulicher Bericht von der Universität Düsseldorf, an der Schavan vor mehr als 30 Jahren promoviert wurde und die ihr vor anderthalb Jahren den Doktortitel wieder nahm. Das Papier wird einige Aufregung unter hochrangigen Wissenschaftsfunktionären auslösen. Denn es ist mehr als die Aufarbeitung einer Affäre, es erlaubt einen Blick auf die Funktionsweise von Karrierenetzwerken.

"Verbale Entgleisungen", "massive Interventionen"

In dem Bericht, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, zeichnet der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, nach, wie er und seine Kollegen während des Plagiatsverfahrens gegen Annette Schavan unter Druck gesetzt werden sollten. Von "massiven Interventionen" ist die Rede, von "Kampagnen" und "verbalen Entgleisungen".

Bleckmann war damals für das Plagiatsverfahren zuständig, bei dem Schavans Doktorarbeit "Person und Gewissen" in monatelanger Kleinarbeit durchleuchtet wurde. Ihm und der Fakultät hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf mittlerweile bescheinigt, sauber und rechtlich einwandfrei gehandelt zu haben. Schavan hingegen attestierte das Gericht, in ihrer Doktorarbeit in 60 Fällen getäuscht und das geistige Eigentum Dritter als ihres ausgegeben zu haben. Dabei habe Schavan "mindestens bedingt vorsätzlich" gehandelt, angesichts der Fülle entsprechender Fundstellen in dem Text "konnte nicht von einem Versehen ausgegangen werden". Für Schavan war es der K.o., sie musste sich schließlich mit dem Entzug des Doktorgrades abfinden.

Dekan Bleckmann bezeichnet Schavan jetzt in seinem Bericht als "schlechte Verliererin", die sich unfähig gezeigt habe zur Einsicht. Sie und ihre Unterstützer würden noch immer den Eindruck erwecken, das Uni-Verfahren sei fehlerhaft gewesen. "Von keiner dieser Personen, die der Fakultät extremen Dilettantismus oder auch Ärgeres vorgeworfen haben, ist in irgendeiner Weise eine Entschuldigung zu vernehmen gewesen."

"Spielball politischer Interessen"

Der Bericht ist eine Abrechnung voller Wut, die sich liest wie ein Who-is-Who der deutschen Wissenschaftsszene, denn viele namhafte Funktionäre sprangen Schavan damals bei. Erhellend ist vor allem der Anhang, in dem Briefwechsel, Gutachten und öffentliche Äußerungen dokumentiert werden.

Da schrieb Peter Gruss, damals Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, an Dekan Bleckmann und den Fakultätsrat, die Beteiligten müssten alles tun, um "nicht zum Spielball politischer Interessen" zu werden. Der Umgang mit den Plagiatsvorwürfen erfülle ihn mit Sorge. Gruss deutete an, Schavan würde falsch und zu streng behandelt. Beispielhaft finden sich in seinem Brief fast alle Argumente der Schavan-Unterstützer, etwa dass die Zitationskultur und die Arbeitsweise in den Achtzigerjahren andere gewesen seien.

Auch ein vertraulicher Brief von Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, ist dokumentiert. Darin fordert er den Dekan und seinen Uni-Präsidenten auf, die "Reichweite der anstehenden Entscheidung" zu bedenken. Das verstand nicht nur Bleckmann als Aufforderung, Schavan mit Nachsicht zu behandeln.

Als "Höhepunkt der sachfremden Intervention gegen die Wissenschaftsfreiheit" bezeichnet Bleckmann eine Erklärung der führenden Wissenschaftsorganisationen: Sie kritisierten die Uni-Prüfer in einer öffentlichen Erklärung damals scharf, wenn auch verklausuliert.

Die Uni Düsseldorf wiederum hat sich nun zu ihrer harten Haltung beglückwünscht: Sie zeichnete Bleckmann und seinen Kollegen Stefan Rohrbacher, der damals die Doktorarbeit überprüft hatte, mit einer Medaille aus, um "ihre beispielhafte akademische Zivilcourage" zu ehren.

Annette Schavan feierte einige Tage zuvor, sie kam zur Geburtstagsfeier von Angela Merkel. Einen Doktortitel darf sie auch wieder führen, allerdings einen Ehrendoktortitel: Den hatte ihr im April die Universität Lübeck verliehen.

Nachtrag: Das Papier aus der Uni Düsseldorf hat unter anderem das Blog "Causa Schavan" verlinkt .

Chronologie einer Affäre: So verlor Schavan Titel und Amt
Foto: Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa

Sofort nach dem Entzug ihres Doktortitels kündigte Annette Schavan (CDU) ihre Klage an - und erklärte wenig später ihren Rücktritt als Bildungsministerin. Eine Chronologie der Plagiatsaffäre. mehr... 

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