Arbeiten im Energiesektor Sonnige Plätzchen für Ingenieure

Krise? Wo denn? Die Branche der grünen Energie wächst und wächst, es entstehen Zehntausende von Arbeitsplätzen. Kleine wie große Firmen brauchen mehr Ingenieure, als der Arbeitsmarkt hergibt. Wer sich mit Erneuerbaren Energien auskennt, hat einen nahezu krisenfesten Job.

Von Kirstin von Elm


Fotostrecke

8  Bilder
Erfolgreiche Einsteiger: Gut im Geschäft mit Sonne, Erdwärme, Fusion
Sonnencreme gehört für Anne Schlierbach zur Arbeitsausrüstung. Die 28-jährige Energietechnikerin aus Hessen arbeitet in Guadix im spanischen Andalusien - keine Autostunde von den beliebten Badeorten der Costa del Sol entfernt. Zum Strandausflug kommt die Deutsche allerdings kaum. Sie ist Inbetriebnahme-Ingenieurin für Solarkraftwerke und hat derzeit alle Hände voll zu tun.

Auf der sonnensicheren südspanischen Hochebene errichtet ihr Arbeitgeber, die Erlanger Solar Millennium AG, seit 2006 die drei ersten Parabolrinnen-Kraftwerke Europas. Andasol 1, 2 und 3 sollen jeweils bis zu 200.000 Menschen mit umweltfreundlichem Strom aus Sonnenenergie versorgen.

Anders als bei Photovoltaik-Anlagen, die Sonnenlicht unmittelbar in elektrische Energie umwandeln, fangen in den andalusischen Kraftwerken bewegliche Sonnenkollektoren die Strahlung ein, um Wasser zu Dampf zu erhitzen. Über klassische Dampfturbinen und Generatoren wird dann Strom erzeugt. Anne Schlierbach muss sämtliche Kollektoren vor Ihrem Einsatz umfangreichen Funktionstests unterziehen. Ein Job, der die junge Ingenieurin ordentlich auf Trab hält: Mit einer Kollektorfläche von jeweils 510.000 Quadratmetern, das entspricht rund 70 Fußballfeldern, sind die Andasol-Anlagen die größten Parabolrinnen-Kraftwerke der Welt.

Die Branche trotzt der Krise und boomt im vierten Jahr

Für Andasol2 hat Schlierbach in den letzten Monaten 624 Elemente gedreht und geschwenkt, um zu überprüfen, ob sich auch alle reibungslos vom zentralen Kommandostand aus elektronisch steuern lassen. Bis zum Start von Andasol 3 im Jahr 2011 will Anne Schlierbach mindestens in Spanien bleiben. Der auslands- und berufserfahrenen, jungen Solar-Expertin stünden derzeit aber auch viele andere Türen offen, denn die Branche der Erneuerbaren Energien boomt.

Während Fahrzeug- oder Maschinenbauunternehmen Kurzarbeit machen oder sogar Stellen abbauen, haben die Hersteller von Solar-, Wind- oder Wassertechnologie in diesem Jahr kräftig eingestellt. Alleine im ersten Quartal wurden fast 1600 Stellen ausgeschrieben. Das sind rund doppelt so viele wie im ersten Quartal 2007 ( siehe Fotostrecke). Nach Angaben des Wissenschaftsladens Bonn, der den Arbeitsmarkt für Erneuerbare Energien im Auftrag des Bundesumweltministeriums regelmäßig untersucht, setzt sich der Aufwärtstrend damit seit vier Jahren in Folge ungebrochen fort.

"Während die Gesamtwirtschaft in ihrer tiefsten Krise steckt, ist die Branche der Erneuerbaren Energien weiterhin ein verlässlicher Jobmotor", bestätigt Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) in Berlin. Bis 2020 rechnet der BEE für Deutschland mit 500.000 Arbeitsplätzen in der Branche - das wären 220.000 mehr als heute.

Dieses Wachstum ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch politisch gewollt. Denn die Bundesregierung hat den raschen Ausbau grüner Energien zum Ziel erklärt. Fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas sollen durch Sonne, Wind oder Wasserkraft langfristig ersetzt werden. Auch Zukunftstechnologien wie beispielsweise Fluss- und Gezeitenkraftwerke oder Geothermieanlagen, die Hitze aus den Tiefen der Erde nutzen, sollen ausgebaut werden. Der BEE hält bis 2020 einen Ausbau der Erneuerbaren am gesamten Energiemix von heute rund zehn auf knapp 30 Prozent für machbar.

Kleine Firmen wachsen rasant

Sogar große Energieversorger wie Eon, RWE oder Vattenfall haben das Thema grüne Energie inzwischen auf ihre Agenda gesetzt, denn viele technisch und ökologisch überholte Anlagen müssen dringend modernisiert werden. So geht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren etwa 40.000 Megawatt an Kraftwerksleistung ersetzt werden müssen. Das entspricht über 40 Großkraftwerken. Bis 2020 wollen die im BDEW organisierten deutschen Energieversorger deshalb 40 Milliarden Euro in neue, klimafreundlichere Kraftwerke investieren.

Aber auch im Ausland ist grüne Energietechnologie "made in Germany" gefragt. Bei Wind- und Solarenergie gelten die deutschen Hersteller auf vielen Gebieten weltweit als Technologieführer. So liegt die Exportquote der Windtechnologiebranche nach Branchenangaben bei 80 Prozent. Und auch das Auslandsgeschäft der deutschen Sonnenspezialisten zieht offenbar weiter an, denn der Bundesverband Solarwirtschaft mit Sitz in Berlin erwartet für 2010 einen Anstieg des Auslandsanteils am gesamten Branchenumsatz von derzeit 46 auf 56 Prozent.

Entsprechend gefragt sind Ingenieure, die sich mit regenerativen Energien auskennen. In der mittelständisch geprägten Solarbranche zum Beispiel: Seit 2004 hat sich die Zahl der Beschäftigten bei den rund 15.000 deutschen Solarunternehmen auf 75.000 verdreifacht. 40 Prozent aller Stellenangebote rund um die grüne Energie richteten sich Anfang 2009 an Sonnen-Profis wie Anne Schlierbach.

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
n+x, 28.12.2009
1. kein Wunder!
Kein Wunder bei den Subventionen. Das würde bei jeder anderen Branche ebenso funktionieren. Streicht man die Solarsubventionen und fördert stattdessen den Kohleabbau bekommt man sogar doppelt so viele Arbeitsplätze fürs gleiche Geld. Die Beschäftigten der Solarbranche auf Stromverbrauchers Kosten nach Malle in den Dauerurlaub zu schicken wäre wahrscheinlich ebenfalls noch billiger. Wo anders fehlt das Geld natürlich, wodurch auch Arbeitsplätze verloren gehen. In Zeiten der Krise sind EE auch eine gute Geldanlage: durch Abnahmegarantie zu festen Preisen garantierte Rendite.
altruist 28.12.2009
2. Atomkraft in D kaputt
Die deutsche Nuklearindustrie hat man politisch zerstört,die erfahrenen Ingenieure in den Vorruhestand geschickt und den Rest an die Franzosen verkauft. Jetzt wundert man sich,dass nichts mehr klappt(Termin und Kostenüberschreitung) und sogar schon die Koreaner der Areva die Aufträge wegschnappen,weil sie zu teuer sind. Jeder vernünftig denkende Ingenieurstudent wird doch nicht mehr in der Kernkraft arbeiten wollen,wenn die Franzosen sich vielleicht aus Deutschland zurückziehen, die Kernkraft nicht zukunftssicher ist und die Betreiber ihre Anlangen spätestens in 20 Jahren alle abstellen,weil das Ende der Lebensdauer solcher Anlagen erreicht ist-also sie kein Ingenieursleben mehr betrieben werden. Um Ingenieure für die Kernkraft fit zu machen, benötigen sie 10 jahre Erfahrung on the job!das gibt es aber nicht mehr. Fossile und alternative Energien haben eine Chance.Kernkraft ist- wie weiland die Dampfmaschine- out. Von einer Renaissance sprechen nur die Berufsoptimisten!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.