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Arbeitsrecht Veganer verklagt Arbeitgeber wegen Diskriminierung

Ist Veganismus eine Glaubensrichtung? Muss er geschützt werden? Ein gefeuerter Brite sieht das so. Und zerrt seinen Arbeitgeber vor Gericht.
Jordi Casamitjana empfindet seinen Veganismus als Glaubensrichtung

Jordi Casamitjana empfindet seinen Veganismus als Glaubensrichtung

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Alamy / Avpics/ mauritius images

Ein britisches Arbeitsgericht sieht sich im neuen Jahr mit moralischen Fragen konfrontiert: Ein Arbeitnehmer fordert, dass ethischer Veganismus als philosophische Glaubensrichtung anerkannt wird. Damit wären ethische Veganer gesetzlich vor Diskriminierung geschützt. Das berichtet der britische "Guardian" .

Der Fall, der ab dem 2. Januar die Richter beschäftigt, wurde von Jordi Casamitjana und dessen Anwälten eingereicht. Der Kläger ist ethischer Veganer und arbeitete bis April 2018 in einer Führungsposition für die League Against Cruel Sports , einer Tierschutzorganisation, die sich gegen die Ausbeutung von Tieren im Sport einsetzt. Sie organisiert etwa Kampagnen gegen Stierkämpfe, gegen die Jagd auf Füchse mit Hundemeuten und Hasenhetzen.

Casamitjana wurde im April 2018 entlassen - nach eigenen Angaben aufgrund seiner Bedenken gegen den Pensionsfonds seines Arbeitgebers. Dieser habe Geld in Firmen investiert, die mit Tierversuchen arbeiteten, so der Veganer. Er habe seinen Kollegen geraten, ihr Geld anders anzulegen, dies habe ihm aber das Management untersagt, so ein früherer Bericht im "Guardian" .

Anders als beim diätetischen Veganismus, einer Ernährungsform, die aus gesundheitlichen Gründen auf Tierprodukte verzichtet, liegen bei ethischen Veganern moralische Überlegungen zugrunde. Sie achten zum Beispiel auch darauf, keine Kleidung aus Wolle oder Leder zu tragen und keine Produkte zu verwenden, die mit Tierversuchen hergestellt wurden.

Verzicht auf Linienbus und Papiergeld

Über ein Crowdfunding finanzierte Casamitjana eine Klage  gegen die League Against Cruel Sports. Auf seiner Crowdfunding-Seite erklärte er: "Meine Überzeugungen beeinflussen mein tägliches Leben, inklusive meiner Karriere". Dem "Guardian" sagte Casamitjana, dass er versuche, nicht mit dem Linienbus zu fahren, um Kollisionen mit Insekten zu vermeiden. Er verzichte außerdem auf Feigen, weil es eine Wespenart gebe, die in Symbiose mit der Feigenfrucht lebe und man nie wissen könne, ob man beim Verzehr eine Larve töte. Er benutze zum Bezahlen kein Papiergeld, weil bei der Herstellung von Geldscheinen Tierprodukte verwendet würden.

Casamitjanas Anwälte argumentieren nun, dass dieser ethische Veganismus eine übergreifende Weltsicht darstelle. Im Zentrum stehe ein moralischer Imperativ, nämlich die Anerkennung nichtmenschlicher Lebewesen als gleichberechtigt mit Menschen. Casamitjanas Veganismus leite ihn bei jeder Entscheidung, die er treffe.

Als er seine Arbeit aufnahm, habe die Tierschutzorganisation in andere Fonds investiert. Er habe es als seine Pflicht gesehen, seine Kollegen darüber zu informieren, wie sie ihr Geld moralischer anlegen könnten, so Casamitjana.

Sein früherer Arbeitgeber sieht das anders: Die Geschäftsführung habe alle Mitarbeiter informiert, dass nicht weiter ausschließlich in ethisch vertretbare Fonds investiert würde. Casamitjana sei aus anderen Gründen entlassen worden, zitierte der "Guardian" einen Manager.

Eine Sprecherin der Organisation sagte zu der bevorstehenden Entscheidung: "Wir sind ein integrativer Arbeitgeber. Da es sich jetzt um eine Anhörung handelt, in der entschieden wird, ob Veganismus ein geschützter Status sein soll - was wir nicht bestreiten - halten wir es für unangemessen, uns weiter dazu zu äußern."

cpa
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