Au-pairs in Deutschland Was will das Kind nur von mir?

Haeley Williamson aus Texas konnte kein Deutsch, als sie die Betreuung von vier Kindern übernahm. Nun mag sie sich das Leben ohne die Kleinen nicht mehr vorstellen. Eine Fotoserie über Au-pairs in Deutschland.

Michael Galian

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Wie ist es, mehrere Monate in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten? Bei Fremden zu wohnen, die nicht die eigene Muttersprache sprechen und Kinder zu betreuen, die nicht die eigenen sind? Tausende junge Menschen aus aller Welt suchen jedes Jahr eine Stelle als Au-pair in Deutschland.

Sie helfen im Haushalt mit, kümmern sich um die Kinder und bekommen dafür Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld - laut Bundesagentur für Arbeit 260 Euro im Monat plus 50 Euro Zuschuss für Sprachkurse. Sie sollten maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten, mindestens vier freie Abende und einen freien Tag pro Woche haben. Und sie haben einen Anspruch auf vier Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr.

Der Fotograf Michael Galian hat fünf junge Frauen getroffen, die in Deutschland als Au-pair arbeiten oder gearbeitet haben. Dass natürlich auch Männer von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, zeigt der Fotograf selbst: Nachdem er 2013 bei einer Aufnahmeprüfung an einer Fachhochschule durchgefallen war, lebte der gebürtige Russe mehrere Monate bei einer Familie in Heidelberg und passte auf zwei Jungen auf.

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15  Bilder
Sprache lernen, Kinder betreuen: Au-pairs in Deutschland

Während seines späteren Studiums der Fotografie in Hannover kam Galian auf die Idee für eine Fotoserie zu dem Thema. Die größte Herausforderung sei es gewesen, geeignete Protagonisten zu finden, sagt er. Die junge Frauen, die er getroffen hat, lernte er über soziale Medien und eine Website für Au-pair-Vermittlung kennen. Er besuchte sie in ihren Gastfamilien und begleitete sie beim Spielen, Kochen oder Toben mit den Kindern, aber auch in ihrer Freizeit. Sofiko Lekischwili aus Georgien sagt: "Es ist eine große Verantwortung, mit den Kindern zusammen zu sein und sich um sie zu kümmern. Du bist ein Vorbild für sie."

Nicht alle hatten vor ihrem Job als Au-pair schon mit Kindern gearbeitet oder Deutsch gelernt. Haeley Williamson aus Texas konnte kein Wort Deutsch, als sie in der Nähe von Diepholz bei Bremen die Betreuung von vier Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren übernahm. Sie hatte mit Heimweh zu kämpfen. Nun sagt sie: "Die Kinder sind fantastisch und so liebevoll, und ich werde sie wirklich vermissen, wenn ich gehe."

Wirklich schlechte Erfahrungen hat keine der vier Porträtierten gemacht. Galian will an seiner Serie weiterarbeiten, aber nun auch die negativen Aspekte des Programms in den Fokus nehmen. Denn manche Au-pairs werden von den Gasteltern schikaniert oder ausgebeutet. "Im Großen und Ganzen ist das Au-pair Programm gut und bietet wunderbare Möglichkeiten für junge Leute aus aller Welt - das heißt aber nicht, dass da alles immer rosig ist."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Au Pairs bekämen mindestens 260 Euro Taschengeld. Die Höhe des Taschengelds ist zurzeit jedoch auf genau 260 Euro festgelegt. Wir haben die Passage geändert.

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