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OECD-Studie: Wo die Chancen von Migranten am schlechtesten sind

Ausländerkinder in Deutschland Bestens gebildet - trotzdem arbeitslos

Selbst hochqualifizierte Einwandererkinder haben in Deutschland viel schlechtere Jobchancen als Einheimische. Das zeigt eine neue alarmierende OECD-Studie - die Integration der zweiten Generation gelingt vielen anderen Industriestaaten deutlich besser.

Berlin - Selbst bei gleichem Bildungsniveau haben Kinder von Migranten in Deutschland schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Besonders stark ausgeprägt ist der Unterschied ausgerechnet bei Hochqualifizierten. Das geht aus einer Studie hervor, die am Donnerstag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgestellt wurde. Demnach haben in Deutschland 90 Prozent der 20- bis 29-jährigen hochqualifizierten Männer ohne Migrationshintergrund einen Arbeitsplatz, während es in der Gruppe der jungen Männer mit Migrationshintergrund nur 81 Prozent sind.

Verglichen wurde für die Studie die Situation von in Deutschland aufgewachsenen Kindern von Migranten mit derjenigen von jungen Menschen, die zumindest einen im Inland geborenen Elternteil haben. Dieser Vergleich ist laut OECD ein wichtiger Indikator für den Integrationserfolg, da sowohl die Nachkommen von Migranten als auch die Gruppe von Deutschen ihre gesamte Sozialisation und Ausbildung im gleichen Land erfahren haben. Die OECD analysierte die Integration von Einwandererkindern in 16 OECD-Ländern.

Die Untersuchung zeigte mit Blick auf die Ausbildung von Einwanderern ein ähnliches Bild wie die Pisa-Schulstudien: Unter den 20- bis 29-Jährigen aus Einwandererfamilien ist der Anteil der Geringqualifizierten ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie in der gleichen Altersgruppe von Deutschen.

Integration der "zweiten Generation" in der Schweiz besser

Irritiert zeigten sich OECD-Experten vor allem darüber, dass Nachkommen von Migranten auch bei gleichem Bildungsstand schlechtere Chancen haben. Dieser Befund überrasche, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben hätten, erklärte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Eine Erklärung könnte seiner Ansicht nach sein, dass auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrsche, dass Migranten und deren Nachkommen eher gering qualifiziert seien. Deren Bildungserfolge würden noch nicht ausreichend honoriert, kritisierte Liebig.

In Österreich dagegen gehen laut OECD große schulische Defizite einher mit noch größeren Defiziten bei der Berufsausbildung. Auch in Luxemburg, Dänemark, den Niederlanden und Belgien zeigt sich ein ähnliches Bild. Ganz anders in der Schweiz: Dort gelingt die Eingliederung der "zweiten Generation" vergleichsweise gut. Trotz schulischer Defizite liegt bei jungen Erwachsenen aus Ausländerfamilien der Anteil der Geringqualifizierten auf dem gleichen niedrigen Niveau wie bei der Vergleichsgruppe.

Für Kinder türkischstämmiger Eltern machte die OECD auch einen Vergleich zwischen Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Danach haben Kinder türkischer Einwanderer in Belgien und Österreich die größten Beschäftigungsdefizite. Auch in Deutschland sind die Unterschiede beträchtlich, in der Schweiz dagegen gering.

ffr/AFP/AP