Berufsbild Professor Ein Typ für alle Fälle

Ein Professor soll heute alles sein: Manager, Top-Wissenschaftler, Lieblingslehrer, Medienprofi. Für die Zukunft taugt dieses Profil jedoch nicht mehr. Die Wissenschaftselite sollte sich auf ihre Stärken besinnen. Doch die Professoren interessiert das wenig.

Von Christine Prußky


Ein Erneuerer der Lehre, ein Motivator, ein Coach für Studierende und den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein Diplomat im Umgang mit Geldgebern und Förderorganisationen, bei der Abwicklung und Abrechnung von Projekten aber ein Kaufmann. Ein guter Chef. Ein genialer Forscher, ein Visionär. Ein Global Player am besten, international gefragt, sicher auf politischem Parkett. Und mediengängig, das muss er selbstverständlich noch dazu sein: der Professor.

Könnten sich Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit einen Professor backen, er wäre ein Universalgenie. Wohl kalkuliert ist bei dem Bild die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Niemand rechnet ernsthaft mit dem perfekten Prof. Aber nahekommen soll der Nachwuchsforscher dem Ideal halt doch. Ob Hochschuldidaktik, Projektmanagement oder Personalführung - die Kursangebote für Promovenden und Postdocs orientieren sich heute jedenfalls wie selbstverständlich am Professorentyp "weltläufiger Wissenschaftsmanager".

So hoch das Anforderungsprofil, so hoch ist das mit dem Beruf verbundene Prestige. Bis heute genießt der Prof höchstes Ansehen in Deutschland. Beste Imagewerte geben sich auch die Professoren selbst, wie die Studie "Karrierewege von ProfessorInnen an Hochschulen in Deutschland" zeigt. Mehr als 1000 Professoren waren zwischen Juli 2002 und Januar 2003 im Zuge der Studie befragt worden, in der es freilich um weit mehr als Prestigefragen ging. Das Münsteraner Forscherteam um Prof. Dr. Annette Zimmermann wollte vielmehr die Ansprüche kennenlernen, die Professoren selbst an ihren Beruf stellen, und erfahren, ob diese Ansprüche in der Wirklichkeit eingelöst werden.

Richtig frei entscheidet nur der Professor

Der Befund des Teams ist überraschend und mag so gar nicht zu den sonst üblichen Klagen über hohe Lehrbelastung, mangelnde Zeit für Forschung und erhöhten Verwaltungsaufwand passen, lautet er doch: Professoren sind mit ihrer Arbeit hochzufrieden. Ein Ausreißer ist die Diagnose nicht. Im Gegenteil. Gut vier Jahre später, 2007, kam der Kasseler Hochschulforscher Prof. Dr. Ulrich Teichler bei der Befragung von rund 4000 Hochschulprofessoren zu demselben Ergebnis. Und auch die 2008 organisierte Umfrage des Hochschschullehrerbundes unter Fachhochschulprofessoren ergab: Profs sind mit ihrer Berufswahl zufrieden.

Dafür mag es viele Gründe geben. Einer besteht offensichtlich in der geringen Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und den Ansprüchen, die Professoren an ihren Beruf stellen. Autonom arbeiten und die eigenen Vorstellungen gezielt umsetzen können - bei den Befragten der Münsteraner Studie steht das ganz oben auf der Prioritätenliste. Genau diese Erwartungen werden, lehrt die Empirie, im professoralen Alltag immer noch in einem hohen Maße eingelöst.



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