Berufsleben sportiv Tricksen wie die Fußballprofis

Rätselhafte Erkrankungen, kreative Vertragsmassage, Sabotage-Drohungen - um vorzeitig den Verein wechseln zu können, lassen Fußballer sich einiges einfallen. Funktioniert das auch sonst im Berufsleben? Karriereberater Gerhard Winkler prüft fünf Fälle.


Er spielt, er spielt nicht, er ist malad, er ist gesund… So ging es tagelang. Die Bundesliga erlebt gerade einen neuen, besonders bizarren Wechselpoker: Der Hamburger SV bangte um den Einsatz von Rafael van der Vaart. Das Mittelfeld-As sollte am Donnerstagabend im Uefa-Cup-Qualifikationsspiel gegen Budapest auflaufen - aber am Dienstag meldete er sich spielunfähig, angeblich hatte er sich beim Hochheben seines einjährigen Sohnes den Rücken verbogen.

Van der Vaart: Pokert hoch
AP

Van der Vaart: Pokert hoch

Söhnlein brillant. Der Hintergrund: Hätte der Holländer mitgespielt, wäre sein Marktwert rapide gesunken, weil er dann in dieser Saison nicht mehr für einen anderen Club international hätte kicken dürfen. Und wechseln will er partout - zum FC Valencia.

Die Bundesliga ist reich an Kapriolen um Stars, die ihre Vereine mit kreativen bis erpresserischen Manövern unter Druck setzen, um einen Wechsel zu erzwingen. In der Branche gilt die Devise: Wer unbedingt weg will, den kann man kaum halten. Am Ende ist es stets eine Frage des Preises.

Maloche ist im Verein erst schön - für hochbezahlte Stars, Talente und auch noch für die Wasserträger. Gewiss heizen Mondgehälter exzentrische Allüren am Arbeitsplatz an. Droht uns Freizeitfußballern im bürgerlichen Erwerbsleben bei ähnlichem Verhalten gleich der Arbeitsplatzverweis? Fürchten wir uns mehr? Oder sind wir einfach nur klüger beim Vermeiden von Karriere-Eigentoren? SPIEGEL ONLINE hat den Berliner "Bewerbungshelfer" Gerhard Winkler, Autor mehrerer Karriere-Ratgeber, um seine Einschätzung in fünf Fällen gebeten.



insgesamt 98 Beiträge
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Andreas Hoberg, 16.08.2007
1.
Am Besten man macht einen Kompromiß: - lässt ihn Ende der Hinrunde ziehen - setzt ihn bei UEFFA Cup Spielen nicht ein. - Van der Vaart reisst den HSV bis zum Ende der Hinrunde weiter voll mit Letztlich kann man niemanden hindern, seinen Arbeitgeber vorzeitig zu wechseln.
pauliborn, 16.08.2007
2. ay ay ay
schwierig... soll man das Herz seiner Mannschaft einfach ziehen lassen? In allererster Linie zeigt die Situation ja mal wieder das zu junge Menschen zuviel Geld im Fußball verdienen. Ich kann den Herrn v.d.V ja verstehen, aber mal ehrlich: Hätte er seine Geschichte mit den Großeltern ausgepackt und sich mit Valencia darauf geeinigt zur nächsten Saison dort anzufangen, mit dem Verweis darauf seinen aktuellen Brotgeber nicht im Stich sitzten lassen zu wollen, hätte man ihm hier in Hamburg ein Denkmal gebaut und in Spanien mit großem Respekt empfangen. Die jetzige Situation kann nur noch Verlierer hervorbringen... schade. Aber das hätte man voraussehen können bevor man Interviews in Spanien gibt... Aber wenn er gleich spielt hat sich das Thema eh ersteinmal erledigt ;-)
Nudas veritas, 16.08.2007
3.
Ich finde der HSV sollte VdV nicht ziehen lassen. Der wird sich, genauso wie das Publikum, schon wieder beruhigen. Außerdem kann er sich in Hinblick auf die EM, wie SPON auch schreibt, eine schlechte Saison, in der er sich zur "Strafe" hängen lässt, nicht leisten.
Reziprozität 16.08.2007
4.
Pacta sunt servanda. Da gibt es Fussballprofis, denen 5 Minuten nach Vertragsunterzeichnung einfaellt, dass sie eigentlich schon immer zu einem anderen Verein wollten... (s. D. Hamann)
Marathomas, 16.08.2007
5. Tschüss
Ein gefrusteter Spielmacher, der nur gezwungenermaßen spielt hilft keiner Mannschaft weiter. Letztlich kann man niemanden hindern, seinen Arbeitgeber vorzeitig zu wechseln. Da stellt sich natürlich die Frage, wieviel Veträge überhaupt wert sind. Letztendlich zählt nur das Geld und ab einer gewissen Summe ist fast jeder käuflich; da ist der Fußball nur ein Spiegelbild der westlichen Gesellschaft.
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