Berufsziel-Beratung Der Weg zum richtigen Job

Ist mein Studium die falsche Wahl? Welcher Job passt überhaupt zu mir? Auf den Berufsstart fühlen sich viele Schüler und Studenten miserabel vorbereitet. Wenn die Angebote von Arbeitsämtern und Unis nicht reichen, springen Berufsziel-Berater ein.

Von Ulrike Hanselle


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Nach dem Abi wusste Merle Oster nicht so genau, was sie werden wollte. Sie entschied sich für Architektur: "Ich dachte, das Studium würde gut meine künstlerische und technisch-mathematische Seite verbinden." Voller Elan begann sie an der Uni Aachen, doch die Ernüchterung kam schnell: Modelle bauen, Freihandzeichnen - alles kein Problem. Aber das technische Zeichnen bereitete ihr regelmäßig Kopfschmerzen.

Ständig ging es um einen Viertelmillimeter, war der verschoben, ging alles von vorne los. Nächtelang arbeitete sie durch, ging nicht mehr aus und war ständig nervös. Nach einem Kreislaufkollaps war dann das Maß voll. "Spätestens da war mir klar: So geht's nicht weiter!", sagt sie heute.

Die eigene "Berufung" entdecken"

Auf der Suche nach Alternativen konnten ihr weder Studienberatung noch Arbeitsamt weiterhelfen. Dann stieß sie im Internet auf die Homepage von Manfred Reusch und fuhr in sein "Institut für Berufsziel-Beratung" nach Gummersbach.

Berater Reusch: Individuelle Hilfen
Ulrike Hanselle

Berater Reusch: Individuelle Hilfen

Reusch arbeitet mit einem ganzheitlichen Analysesystem. Schüler, Studenten, Berufstätige und Arbeitslose in der Sinnkrise lassen sich von ihm individuell beraten. Sie wollen erkennen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und die eigene "Berufung" entdecken.

"Ursachen für Unzufriedenheit in Beruf oder Studium sind vielschichtig und liegen oft auch im privaten Bereich", erklärt Reusch. Zunächst rollt er den gesamten persönlichen und beruflichen Werdegang auf. Der Berater arbeitet mit Persönlichkeitsanalyse und wissenschaftlichen Tests wie Farb- und Formwahl, Selbsteinschätzung der Potenziale oder dem Vergleich beruflicher Anforderungen und Ziele. Damit zeigt Reusch auf, ob der geplante oder ausgeübte Beruf zum Klienten passt und setzt ihn mit Alternativberufen ins Verhältnis.

Merle Oster wechselte kurz nach der Beratung an die Uni Mainz, wo sie nun Kunst und Anglistik auf Lehramt studiert. "Viel Arbeit für die Uni stresst mich heute längst nicht mehr so, weil mir das Studium einfach Spaß macht", sagt sie.

Ein Patentrezept ist Reuschs Methode sicher nicht. So verlief die Beratung für Sven aus Freiburg weniger glanzvoll. Sein Lehramtsstudium war für ihn von Anfang an ein Kompromiss, in der Beratung erhoffte er sich eine Bestätigung dafür, den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Umso mehr wunderte er sich, als das Ergebnis durchaus eine Eignung für den Lehrberuf ergab. Schon während der Bestandsaufnahme hatte Sven allerdings "keinen blassen Schimmer", zu was das alles führen sollte. Die immerhin 440 Euro für die Beratung hatten sich für ihn nicht ausgezahlt.

"Eine gewisse Offenheit gehört in jedem Fall dazu", erklärt Reusch. Als Service bietet er zum Beispiel Infos zur Job- und Ausbildungssuche, über Förderprogramme und Unterstützung bei der Existenzgründung an. Als Berufsvermittler sieht er sich nicht: "Ziel ist es, den Klienten einen Anstoß und Hilfen zu geben, mit denen sie selbst weiterarbeiten können."

Eine Reihe weiterer Anbieter

Auf das Berufsleben fühlen sich viele Schüler und Studenten schlecht vorbereitet. Arbeitsamt und Hochschulen präsentieren zwar ein umfassendes Angebot, oft fehlt es aber an individueller Beratung und Infos über tatsächliche Studien- oder Berufsinhalte.

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Neben Reusch gibt es eine Reihe weiterer privater Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten: So veranstaltet der Münchner Personalberater Christian Richter bei Mission Statement regelmäßig Workshops, die vor allem Studenten und Absolventen bei der Suche nach dem Berufsziel helfen sollen. Das Seminar verbindet europäische Philosophie und Psychologie mit US-Management-Techniken.

Auch Uta Glaubitz, Berufsberaterin und Autorin einiger Bücher über Berufsfindung, organisiert Workshops, teils gemeinsam mit Schulen und Unis. Sehr umfassend ist das Angebot im Berliner Büro für Berufsstrategie: Neben einer Potenzialanalyse (für Jobstarter 190 Euro) gibt es auch Trainings für Assessment Center oder Mobbing-Einzelberatung.

Im Internet kann man sich ebenfalls beraten lassen. Über seine Homepage bietet etwa der Berliner Psychologe Volker Drewes neben psychologischer Beratung ein Online-Coaching zur Karriereberatung und Berufsfindung an.



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