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Betreuungslücke 300.000 Kleinkinder finden keinen Kita-Platz

Angesichts eines schnell steigenden Bedarfs soll die Kita-Betreuung ausgebaut werden - tatsächlich fehlen jedoch immer noch massenhaft Plätze für Kinder unter drei Jahren. Bundesweit ist die Lücke auf fast 300.000 gestiegen.
Schlange von Eltern, die in Leipzig auf einen Kita-Platz hoffen

Schlange von Eltern, die in Leipzig auf einen Kita-Platz hoffen

Foto: Sebastian Willnow/ dpa

Selbst vier Jahre nachdem die Bundesregierung Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kleinkind eingeräumt hat, sieht die Realität für viele Familien düster aus. Die Zahl der unerfüllten Wünsche für einen Platz in einer Kindertagesstätte (Kita) steigt sogar. Deutschland fehlen laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fast 300.000 Krippenplätze. Die Lücke hat sich damit im Vergleich zu Ende 2016 sogar um rund 65.000 Plätze vergrößert.

In den alten Bundesländern gibt es 262.436 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu wenig, in Ostdeutschland sind es anhand der IW-Zahlen 31.050 Plätze. Besonders viele Eltern suchen demnach in Nordrhein-Westfalen vergeblich: Mütter und Väter von 16,2 Prozent aller Kinder in diesem Alter, für die ein Bedarf besteht, fänden dort keinen Platz. Das entspreche 77.459 fehlenden Plätzen.

Wie prekär die Situation ist, zeigte kürzlich ein Polizei-Einsatz in Leipzig. Dort mussten die Beamten bei einer Kita anrücken, weil 450 Menschen für einen Kita-Platz bei einer Kindertagesstätte anstanden und die Warteschlange sogar den Autoverkehr beeinträchtigte.

Da Eltern seit 2013 einen Anspruch auf eine Betreuung für ihr Kleinkind haben, hatte im Oktober 2016 der Bundesgerichtshof sogar drei Familien ohne Platz das Recht auf Schadensersatz zugesprochen. Die Eltern hatten geklagt, weil ihnen durch die Betreuung der Kinder zu Hause Einkommen entgangen war. Für die Kitaplätze verantwortliche Kommunen müssen nach dem Urteil der Richter für solche Verdienstausfälle aufkommen. Allerdings klagen bisher nur wenige Familien.

In Bremen hat sich die Situation besonders verschärft. Erhielten dort Ende vergangenen Jahres 14,2 Prozent der Kleinkinder keinen Kita-Platz, sind es laut dem Bericht jetzt schon 20,2 Prozent (3763 Plätze). In Rheinland-Pfalz und Bayern sei die Quote ähnlich hoch.

Die Gründe für den Mangel sieht IW-Ökonom Wido Geis dem Blatt zufolge in dem steigenden Bedarf, der nicht durch den Ausbau der Kita-Plätze abgedeckt wird: "Frühkindliche Betreuung wird nicht mehr so negativ gesehen. Immer mehr Frauen wollen immer früher zurück in den Job, deshalb sind Familien früher auf Betreuung angewiesen." Ein neues Investitionsprogramm soll bis zum Jahr 2020 für 100 000 zusätzliche Kita-Plätze sorgen.

kig/dpa
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