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Betriebswirt in 30 Tagen Der Trend zur Kurzfortbildung

Wer im Beruf vorankommen will, muss lernen, lernen, lernen, hämmern Wirtschaft und Politik den Arbeitnehmern ein. Um den Zeitaufwand für Fortbildungen überschaubar zu halten, setzen viele Anbieter jetzt auf schnelle, kompakte Lehrgänge.

Weiterbildung gilt als Schlüssel zum beruflichen Erfolg - kaum ein Bildungspolitiker, der seine Reden nicht mit dem Schlagwort vom "lebenslangen Lernen" würzt. Doch wer neben der Arbeit noch regelmäßig Fortbildungsseminare besucht, muss reichlich Energie und Motivation aufbringen. Seminare kosten in der Regel Freizeit - und die verbringen viele Arbeitnehmer lieber mit der Familie als auf der Schulbank.

"Die klassischen Weiterbildungskurse dauern etwa zwei Jahre, und das ist eine sehr lange Zeit", sagt Monika Matz, Leiterin der Kölner Abendschule der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA). Für Teilnehmer, die tagsüber arbeiten und sich nebenbei auch noch um Haushalt, Partner und Kinder kümmern, ist die Druck oft zu groß, um abends noch voll konzentriert und lernfähig zu sein. "Da kann es irgendwann zu Problemen im Beruf oder in der Partnerschaft kommen", so Matz.

Diplom oder Partner?

Viele Lernwillige - oder deren Angehörige - halten die langfristige Doppelbelastung nicht durch und brechen ihre Fortbildung ab: "Was nützt es, wenn das Diplom an der Wand hängt und der Partner ist weg?", so Monika Matz. Die Deutsche Angestellten-Akademie kommt dem Wunsch von Arbeitnehmern nach verkürzter Ausbildungszeit bereits seit einigen Jahren entgegen. Neben dem klassischen Seminarangebot kann man inzwischen auch Kurse belegen, die in deutlich verkürzter Zeit zu einem Abschluss führen.

Nur 30 Tage dauert zum Beispiel die Fortbildung zum Betriebswirt (IHK) an den DAA-Standorten in Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Hamm und München. Der Unterricht ist verteilt auf acht Monate. Inhaltlich geht es unter anderem um Unternehmensstrategien, Marketing, Finanzierung, Organisation und Personalmanagement. Die Teilnehmer müssen eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung mitbringen. Die Seminarkosten von etwa 5800 Mark plus Prüfungsgebühr von 900 Mark tragen sie selbst. Wer die erforderlichen Kenntnisse nachweisbar bereits auf anderem Wege erworben hat, kann sich direkt zur Prüfung melden - eine in der Erwachsenenbildung übliche Regel.

Neben dem Betriebswirt bietet die DAA derzeit auch andere Kurzfortbildungen an, zum Beispiel Fachkaufmann für Marketing in 18 Tagen, Personalfachkaufmann und Fachberater für Finanzdienstleistungen in jeweils 15 Tagen. Bei diesen Seminaren ist der Unterricht ebenfalls auf mehrere Monate verteilt.

Die extrem kurze Seminardauer basiert auf einem Konzept von Marius Ebert. Der Diplom-Kaufmann aus Königswinter hat sich auf die kompakte Vermittlung von betriebswirtschaftlichem Basiswissen spezialisiert. Seit dem ersten Seminar 1990 mit Studenten der Universität Münster wird nach der so genannten Spaß-Lern-Denk-Methode unterrichtet: "Unser Ziel ist es, den Lernstoff und die Seminarinhalte zu vereinfachen und auf das Wichtigste zu komprimieren", sagt Marius Ebert. "Gleichzeitig fließen aber auch motivierende Elemente wie zum Beispiel Bewusstseinstraining und Entspannungstechniken in diese Methode ein."

Nicht nur für die Prüfung bimsen

Weil sich Lerninhalte ohnehin sehr schnell verändern, setzen Ebert und seine Mitarbeiter auf eine möglichst schnelle Basisfortbildung. Für detaillierte Spezialisierung sei dann später immer noch Gelegenheit. Doch die Crash-Kurse haben nicht nur Freunde - viele Kritiker halten eine derart reduzierte Wissensvermittlung für ausschließlich prüfungsorientiert und daher unseriös.

"Auch wir befürworten verkürzte Seminardauer, straffe Organisation und überschaubare Stoffvermittlung", sagt Christian Olejnik vom Institut für Managementlehre in Essen. "Aber es gibt bei komplexen Themenbereichen wie der Wirtschaft eine Grenze der Vereinfachung, die man im Interesse der Seminarteilnehmer nicht unterschreiten sollte."

Für bedenklich hält Olejnik zum Beispiel die Diskrepanz zwischen Empfehlungen des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) und der Realität von Crash-Kursen: "Für die Fortbildung zum Technischen Betriebswirt empfiehlt der Prüfungsplan des DIHT 650 Stunden, aber bestimmte Lehrgangsanbieter ziehen das in 200 Stunden durch."

In einem Punkt herrscht in Fachkreisen jedoch Einigkeit: Die Bereitschaft, sich ein ganzes Berufsleben lang lernbereit zu halten, gilt als wichtiger denn je. Ob das durch komprimierte oder herkömmliche Fortbildungen geschieht, ist letztlich eine Frage der persönlichen Neigung. "Schließlich muss jeder selbst entscheiden, ob er in kurzer Zeit sehr intensiv lernen kann oder lieber über einen längeren Zeitraum ein etwas entspannteres Pensum bewältigt", sagt Sandra Hoffmann von der Industrie- und Handelskammer Köln. "Wer nicht sicher ist, sollte die Möglichkeit nutzen, zunächst als Gasthörer entsprechende Seminare kennen zu lernen. Diese Möglichkeit besteht fast immer - und macht die Wahl leichter."

Von Stefanie Dorn, gms

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