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Bewerberin als Auktionsartikel Arbeitskraft ab 1 Euro

Not macht erfinderisch und lässt bei Arbeitslosen skurrile Ideen reifen, um Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen: Reiseverkehrskauffrau Kerstin Cruz bot sich bei eBay an, Werbekaufmann Tobias Dührkopp gestaltete eine Werbekampagne in eigener Sache.

Es war einer dieser Tage, an denen die arbeitslose Reiseverkehrskauffrau Kerstin Cruz aus Ludwigsfelde abends durch die Angebote des Internet-Auktionshauses eBay surfte, um Karnevalskostüme für ihre Kinder und Möbel für die Wohnung zu ersteigern. Da kam ihr die Eingebung: Wenn der Handel mit Waren bei eBay so prächtig funktioniert, warum nicht die populäre Plattform nutzen, um an einen Job zu gelangen?

"Sollte also jemand eine Bürokraft, Sachbearbeiterin, Empfangsdame oder Mitarbeiterin in der Organisation suchen mit viel Organisationstalent, freundlich und zuverlässig, dann bin ich die Richtige...", formulierte Cruz in der Rubrik "Büro, sonstiges". Vorsichtshalber schrieb sie gleich ihre Gehaltsvorstellungen dazu, denn schließlich wollte sie sich nicht mit einer einmaligen Gebotssumme auf Lebenszeit zufrieden geben.

Neben zahlreichen Angeboten von Arbeitgebern, die ihr Jobs im Bereich der Finanzdienstleistung - allerdings sämtlich auf Provisionsbasis - anboten, liefen auch einige seriöse Angebote für Festanstellungen ein.

Arbeitsamt? "Kann man vergessen"

Ein Berliner Boulevardblatt hob Cruz sogar mit Porträtfoto auf die Titelseite und versprach Hilfe bei der Jobsuche. Das von der Zeitung arrangierte Vorstellungsgespräch bei einem Reisebüro entpuppte sich allerdings als Flop: "Die wollten mir bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden pro Tag im Monat 700 Euro brutto zahlen", entrüstet sich Cruz. Und das ist selbst in Brandenburg zuwenig, um eine Familie zu ernähren. Immerhin kann Cruz neben solider Ausbildung an einer Fachschule für Touristik auch vier Jahre Berufserfahrung vorweisen.

Doch all das nützte ihr angesichts der desolaten Jobsituation in Deutschland nicht viel - die Besuche beim Arbeitsamt ("kann man vergessen"), Bewerbungen auf Stellenanzeigen und Initiativbewerbungen waren allesamt erfolglos. Dabei ist Cruz nicht einmal ortsgebunden - für einen guten Job würde sie auch nach Bayern gehen. Durch die eBay-Anzeige kam jetzt ein Kontakt zu einer kleinen Firma aus Süddeutschland zustande, die Cruz bereits zu einem Vorstellungstermin einlud.

Neben den mehr oder minder viel versprechenden Arbeitgeberangeboten bekam Cruz eine Menge "Fanpost". "Ich finde das toll, was du gemacht hast, und ich wünsche dir viel Glück", schrieb eine eBay-Bekanntschaft an Cruz. Die ersten Nachahmer sind bereits auf die eBay Masche angesprungen - vielleicht gibt es beim Auktionshaus künftig sogar eine Rubrik für Arbeitssuchende.

Marco Dührkopp hatte eine andere Idee: Er hoffte auf Personal suchende Chefs, die auf dem Weg zum Büro an "seiner" Werbetafel vorbeikommen und sich seine Telefonnummer notieren. Nach vier Monaten ohne Arbeit, 120 Bewerbungen und Inseraten in Zeitungen und im Internet hatte der 34-jährige Werbekaufmann aus Hamburg genug. Eine innovative Art der Bewerbung musste her.

Also beschloss Dürrkopp, eine Werbekampagne in eigener Sache zu machen: "Nach Abwägung aller relevanten Parameter lief das dann auf ein neun Quadratmeter großes Werbeplakat mit der Aufschrift: 'Biete Hamburger, 34 Jahre. Suche: Neue Herausforderung...' hinaus", beschreibt es Dührkopp im kaufmännischen Fachjargon.

Trittbrettfahrer, aber auch interessante Angebote

Eine Plakatfirma brachte das Poster an der stark befahrenen Straße Ost-West-Straße in Hamburg an. Die Kosten für die Herstellung des Plakats, also Layout und Druck, das Aufhängen und die Miete für die Stellwand beliefen sich auf rund 550 Euro - kein geringer Posten also bei einem Budget von rund 1000 Euro Arbeitslosengeld im Monat.

Die Aktion entwickelte sich zum Selbstläufer und sorgte für ein beträchtliches Echo in der Medienstadt. Schon in den ersten drei Tagen bekam Dührkopp mehr als 100 E-Mails, hauptsächlich allerdings Angebote für Nebenjobs. Auch Dührkopp hatte schnell eine Fangemeinde. Es gab Trittbrettfahrer, die sich erkundigten, ob nicht ein paar Jobs für sie abfallen würden, und natürlich Journalisten, die ihn interviewen wollten. "Sogar eine Redaktion auf Sizilien wollte einen Artikel über mich schreiben", so Dührkopp.

Mittlerweile hat der Hamburger sechs interessante Arbeitsangebote für eine Festanstellung bekommen, die auf sein Profil passen. Hauptsächlich befinden sich die Firmen im norddeutschen Raum. Aber auch als Vermögensberater in der Schweiz oder als Unternehmensberater in Hagen könnte Dührkopp arbeiten.

Der 34-Jährige ist jetzt zwar noch nicht fest eingestellt, erklärt aber, dass "die konkreten Verhandlungen laufen." Die 550 Euro waren zweifellos gut angelegtes Geld - und sie lassen sich auch ohne Jobaufnahme von der Steuer absetzen.

Von Dirk Engelhardt, Jobpilot.de 

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