Bewerbungen Internet auf dem Vormarsch

Bei der Personalsuche setzen Arbeitgeber immer stärker auf das Internet. Die neue Studie "Recruiting Trends 2005" zeigt, dass die Zahl der Online-Bewerbungen rapide steigt. Viele Unternehmen stehen aber weiter auf der Einstellungsbremse: Für 2005 gehen vor allem große Konzerne von weniger Mitarbeitern aus.

Von Bärbel Schwertfeger


"90 Prozent der Befragten sagen, dass das Internet für die Personalbeschaffung in den kommenden Jahren immer wichtiger wird", erklärt Davide Villa, Chef der Jobbörse Monster Deutschland und verantwortlich auch für Österreich, die Schweiz und Osteuropa. Das gelte besonders für die für die Rekrutierung von Hochschulabsolventen. Schon heute schreiben Großunternehmen durchschnittlich gut drei von vier offenen Stellen auf der Firmen-Homepage aus. Jeder zweite Job wird auf Online-Stellenbörsen veröffentlicht, nur jede dritte Stellenanzeige landet in den Printmedien.

Bewerber: Das Netz auswerfen
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Bewerber: Das Netz auswerfen

Das ist das Ergebnis der Studie "Recruiting Trends 2005", die am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlicht wird. Die Wirtschaftsinformatiker der Frankfurter Universität und Monster Deutschland befragten je tausend Großunternehmen und mittelständische Firmen, geantwortet haben jeweils rund 150 Unternehmen.

Der Studie zufolge wurden 2004 nicht nur mehr Stellen in Großunternehmen per Internet ausgeschrieben, sondern auch besetzt. Bei 58 Prozent der Jobs kamen Bewerber übers Netz zum Zug. Auch die Zahl der elektronisch eingehenden Bewerbungen steigt und liegt inzwischen bei 43 Prozent. Nach Einschätzung der befragten Personalmanager wird sich das Verhältnis zwischen Papier- und Online-Bewerbungen bis 2009 fast vollständig umgekehrt haben. Dann sollen zwei Drittel Prozent der Bewerbungen elektronisch eintreffen.

Bei den Internet-Bewerbungen gibt es bisher noch keinen einheitlichen Trend. Rund 60 Prozent kommen per E-Mail, der Rest geht über das Bewerbungsformular der Unternehmens-Website oder der Online-Jobbörsen ein. Dabei möchten knapp 60 Prozent der befragten Großunternehmen den Bewerbern künftig auch die Möglichkeit geben, ihr Kandidatenprofil über einen längeren Zeitraum zu hinterlegen und zu pflegen. Bisher tun das erst 13 Prozent.

Der Mittelstand holt auf

Allerdings sind die Chancen externer Bewerber nicht allzu groß. Denn 44 Prozent der offenen Stellen in Großunternehmen werden intern besetzt. Dabei werden acht von zehn Jobs im unternehmenseigenen Intranet oder in E-Mail-Verteilern veröffentlicht. Jede dritte Stellenausschreibung wird über Mitarbeiterzeitungen oder andere internen Medien zugänglich gemacht.

Auch in mittelständischen Unternehmen ist das Internet auf dem Vormarsch. Bereits heute werden 60 Prozent der offenen Stellen auf der eigenen Unternehmens-Website bekannt gemacht. Allerdings wird noch jede zweite Vakanz in Printmedien veröffentlicht und durchschnittlich ein Viertel der Stellenanzeigen bei Jobbörsen geschaltet.

Online-Bewerbung: Jobbörsen liegen vorn
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Online-Bewerbung: Jobbörsen liegen vorn

Bei der Effektivität der Medien ergibt sich ein anderes Bild. Hier liegen die Online-Jobbörsen vorn. Jede zweite dort geschaltete Stelle wird besetzt. Bei der Firmen-Website ist es jede vierte, bei den Printmedien nur rund jeder siebte ausgeschriebene Job. Insgesamt erfolgt ein Viertel aller Einstellungen im Mittelstand über das Internet.

2004 ging durchschnittlich mehr als jede fünfte Bewerbung elektronisch ein. Dies bedeutet einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von sechs Prozentpunkten. Aus Sicht der befragten Personalexperten wird sich diese Tendenz fortsetzen, bereits in fünf Jahren soll der Anteil der Online-Bewerbungen bei 50 Prozent liegen.

Wie immer sind solche Studien mit Vorsicht zu genießen - nicht auszuschließen ist, dass vor allem jene Unternehmen an der Befragung teilgenommen haben, für die das Internet bereits einen großen Stellenwert hat. So berichtet zum Beispiel die "Welt" von einer Studie des Verbands der deutschen Internetwirtschaft "Eco Forum". Dabei schätzen drei Viertel der 50 befragten Personalchefs Tageszeitung und Online-Jobbörsen als gleichrangig ein und nutzen sie am liebsten parallel. Erst dahinter rangiert die Stellenausschreibung per Firmen-Website (60 Prozent) und die interne Ausschreibung (55 Prozent).

Keine großen Sprünge bei Neueinstellungen

Dennoch wird das Internet bei der Rekrutierung künftig eine immer größere Rolle spielen. Grund dafür sind vor allem die Kosten. So geben bei der Monster-Studie 63 Prozent der Unternehmen an, ihre Kosten im Personalmarketing durch E-Recruiting um durchschnittlich ein Drittel gesenkt zu haben.

In punkto Neueinstellungen zeigen sich die Firmen zurückhaltend. Hier erwartet nur jedes dritte Großunternehmen eine Zunahme seiner Mitarbeiterzahl im Laufe des nächsten Jahres. Dagegen gehen 42 Prozent von weniger Mitarbeitern aus, ein Viertel der Unternehmen ist unentschieden. Im Mittelstand plant jedes zweite Unternehmen zwischen null und fünf Neueinstellungen. Jede zehnte Firma will mehr als 30 Mitarbeiter rekrutieren.

Umso erstaunlicher ist daher das Engagement der Unternehmen bei der Rekrutierung. So geben jeweils rund 46 Prozent der Großunternehmen an, derzeit hohe oder sehr hohe Anstrengungen zur Gewinnung von Auszubildenden, Hochschulabsolventen sowie Managern zu unternehmen. Über 70 Prozent glauben dabei, dass sie Hochschulabsolventen in fünf Jahren nur noch mit intensiven Bemühungen erfolgreich rekrutieren können.

Etwas anders sieht es im Mittelstand aus. Dort bemüht sich fast jedes zweite Unternehmen derzeit intensiv um Auszubildende, bei Hochschulabsolventen und Personen mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung ist es etwa jede dritte Firma. Vor allem bei den Auszubildenden zeigt sich damit die vertrackte Situation am Arbeitsmarkt: Einerseits suchen noch immer viele junge Menschen einen Ausbildungsplatz, andererseits unternehmen die Arbeitgeber große Anstrengungen, um gute Kandidaten zu finden.



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