Bewerbungen Mut zur Lücke im Lebenslauf

Nicht jeder hat eine rundum perfekte Vita. Was tun, wenn Lücken im Lebenslauf klaffen - verschweigen, aufblasen, schönreden? Bewerbungstrainer Gerhard Winkler betätigt sich im Internet als Pannenhelfer.

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Eine Bewerbung zu schreiben, ist für viele Menschen die unangenehmste und schwierigste Aufgabe bei der Stellensuche. Natürlich will man sich von den Mitbewerbern positiv absetzen - durch eine passende Bewerbungsmappe, ein freundliches Foto und ein Anschreiben ohne formale Mängel. Wer unsicher bei der Gestaltung der "Standards" ist, kann sich auf zahlreiche Bewerbungsratgeber und -leitfäden stützen, die es auch kostenlos im Internet gibt.

Doch selbst eine brillante Bewerbung kann nicht über Schwächen oder fehlende Qualifikationen hinwegtäuschen. Das gilt vor allem für den Lebenslauf: Nur wenige Bewerber haben ein Hochschulstudium schnell und mit Bestnoten abgeschlossen, etliche Praktika absolviert und seit dem Abitur täglich an ihrer Karriere gefeilt. Personalchefs wollen erfahren, was der Bewerber in den Monaten oder sogar Jahren zwischen zwei Ausbildungen oder Jobs gemacht hat. Und niemand gibt in seiner Bewerbung gern zu, arbeitslos oder schlicht auf Weltreise gewesen zu sein.

Manche Lebensläufe gleichen "Unglücksmeldungen", weiß Gerhard Winkler von der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Auf seiner Internetseite gibt der Bewerbungstrainer Tipps zum Umgang mit Lücken im Lebenslauf. Auch er wünscht sich Kandidaten, die Phasen ohne Beschäftigung sinnvoll gefüllt haben - durch "ehrenamtliche Mitarbeit bei Terre des Pommes" oder "VHS-Kurse Business-Burmesisch II und III", wie Winkler etwas spöttisch schreibt.

Als Berater weiß der Hochschuldozent aber auch: Die ewigen "Erfolgsstories", die in handelsüblichen Bewerbungstrainings produziert werden, sind trügerisch - denn notfalls werde "nach Kräften aufgepeppt, aufgeblasen und schöngeredet". Und am Ende, so Winkler, zeige die tabellarische Aufstellung doch nur, dass mit dem Bewerber "etwas nicht in Ordnung ist".

War der Bewerber zeitweilig arbeitslos, sollte er das nach Winklers Ansicht nicht beschönigen. Natürlich lese sich "stellensuchend" deutlich besser als "arbeitslos". Aber langatmige Darlegungen, warum man unverschuldet seinen Job verloren hat, gehörten nicht in die schriftliche Bewerbung. "Das kann man später im Interview berichten", meint Winkler und empfiehlt, Perioden ohne Beschäftigung kurz und bündig unter "Berufliche Tätigkeiten" einzuordnen - denn "jede gesonderte Auflistung verschlimmert nur das Ganze".

Wer öfter seine Stelle gewechselt hat oder auch in mehreren Berufen tätig war, wird natürlich trotz aller Kniffe meist schlechtere Chancen haben als ein vergleichbar qualifizierter Konkurrent mit lückenlosem Lebenslauf. Umso mehr gelte es, positive Aspekte wie Mut, Neugierde, Flexibilität und nicht zuletzt Selbstvertrauen hervorzuheben, die Bewerber mit "schwierigen" Lebensläufen oft auszeichnen, rät Winkler.



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