Bildung gegen Jobmisere Hohe Qualifikation, niedriges Risiko

Während die allgemeine Krise am Arbeitsmarkt anhält, sind die Chancen für Akademiker keineswegs schlecht. Ein Berufsforschungsinstitut bescheinigt Hochschulabsolventen nicht nur eine niedrige Arbeitslosenquote, sondern auch annehmbare Gehälter und interessante Tätigkeiten.


Agentur für Arbeit: Akademiker stellen vergleichsweise wenig Kundschaft
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Agentur für Arbeit: Akademiker stellen vergleichsweise wenig Kundschaft

Auch in Zeiten der allgemeinen Krise können Akademiker auf dem Arbeitsmarkt punkten: Trotz allgemein schwieriger Bedingungen bleibt Arbeitslosigkeit unter Hochschulabgängern eine Ausnahme, wie eine gerade veröffentlichte Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung belegt. Die Arbeitslosenquote von universitär Ausgebildeten lag bei 3,5 Prozent im Westen und bei 6 Prozent im Osten. Durch diese Zahlen sehen die Forscher die Faustregel "Hohe Qualifikation - niedriges Arbeitsmarktrisiko" bestätigt.

Danach hat sich zwischen 1975 und 2004 die Beschäftigung von Akademikern in Westdeutschland beinahe verdreifacht. Und allen Unkenrufen zum Trotz hat sich diese Tendenz auch in jüngster Zeit fortgesetzt. So sei die absolute Zahl arbeitsloser Akademiker seit 2002 um 30.000 gestiegen, gleichzeitig entstanden aber zusätzliche 270.000 Arbeitsplätze für Akademiker, während alle anderen Qualifikationsgruppen erneut massive Beschäftigungseinbußen hinnehmen mussten.

Selbst in Zeiten niedrigen Wirtschaftswachstums oder der Rezession war dieser Trend nie unterbrochen. Akademiker tragen damit von allen Berufsgruppen das geringste Risiko, arbeitslos zu werden.

Fast Vollbeschäftigung bei den Älteren

"Zudem verdienen sie besser als andere, sind seltener unter Wert beschäftigt und haben häufig die interessantesten Jobs", steht in der Studie zu lesen. Diese positive Tendenz ist bei Akademikern über 55 Jahren fast noch deutlicher ausgeprägt, sie konnten ihre Arbeitsmarktsituation sogar noch verbessern. Ältere Akademiker haben mit 3,5 Prozent im Bundesdurchschnitt nicht nur die niedrigste Arbeitslosenquote, sondern konnten entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend bei der Beschäftigung noch zulegen. Im Gegensatz dazu mussten alle übrigen Qualifikationsebenen in diesem Alter klare Beschäftigungsverluste verkraften.

Ältere Akademiker, so die Arbeitsmarktexperten, widerlegen damit zumindest für hoch qualifizierte Arbeitskräfte das Dogma von alten Arbeitslosen als ewige Problemgruppe. "Sicherlich ist es heute auch für einen älteren Akademiker nicht leicht, nach Kündigung einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Dennoch könnte man hier bei einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent - zugespitzt - schon fast von Vollbeschäftigung sprechen."

Und dies nicht etwa deshalb, weil nur wenige Senioren am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Im Gegenteil: "Die Erwerbsquoten älterer Akademiker liegen mit über 70 Prozent deutlich über dem Durchschnitt von circa 47 Prozent." Ein Studium, so die Schlussfolgerung, mache sich also durchaus bezahlt. Begabte Jugendliche sollten sich auf keinen Fall von einer überdramatisierten Akademikerarbeitslosigkeit abschrecken lassen.



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