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Leistungsdruck und Kostensenkung Das stresst im Job am meisten

Seit zwei Stunden Feierabend und noch immer im Büro: Der Druck auf deutsche Angestellte steigt, und damit auch die Zahl psychischer Erkrankungen. Eine Studie zeigt, worunter Arbeitnehmer besonders leiden.

Leistungsdruck, zu wenig Personal und Kostensenkung im Betrieb setzen viele Arbeitnehmer unter psychischen Stress. Das geht aus einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  hervor. Mehr als 18.000 Angestellte wurden dafür 2015 telefonisch zu ihrem Arbeitsalltag befragt und dazu, welche Situationen sie besonders stressen.

Hintergrund der Befragung: Laut Krankenkasse DAK sind etwa 15 Prozent der Krankheitstage von Arbeitnehmern auf psychische Störungen zurückzuführen. Außerdem steigt die Zahl derer, die wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen müssen. Lag deren Anzahl im Jahr 2000 noch bei 50.000, waren 2014 laut Deutscher Rentenversicherung bereits 75.000 Menschen betroffen.

Warum wir leiden - und was wir dagegen tun können

Die Menschen in den reichen Industrienationen fühlen sich zunehmend gestresst, und sie verkraften Stress tatsächlich auch immer schlechter.

Stress könne aber nicht nur zu psychischen, sondern auch zu körperlichen Erkrankungen führen, heißt es in der Studie. Sie wurde nun anlässlich eines Kongresses des Arbeitsministeriums mit der Bundesanstalt, dem Arbeitgeberverband BDA und dem Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) im Internet veröffentlicht. Es handelt sich um den Abschlussbericht eines Forschungsprojekts.

"Flexibilität bei der Arbeitszeit, Druck und Mehrarbeit können krank machen", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles am Freitag. Fast jede zweite Frühverrentung sei die Folge seelischer Leiden.

Die zentralen Ergebnisse der Forscher:

  • Am wohlsten fühlen sich Arbeitnehmer, wenn sie eigene Entscheidungen treffen können, ohne überfordert zu werden.
  • Müssen sie dagegen Überstunden machen oder viel abends und am Wochenende arbeiten, drohen Burn-out, Erschöpfung, Ermüdung, Depression und Angst. Deshalb sei es wichtig, dass Arbeitnehmer möglichst genau wissen, wann und wie lange sie arbeiten müssen. Schichtarbeit und fehlende Pausen können dagegen krank machen.
  • Besonders belastet fühlen sich Mitarbeiter, die in der Dienstleistungsbranche tätig sind. Besonders, wenn sie sich häufig mit unzufriedenen Kunden auseinandersetzen müssen. Die Forscher raten, Beschäftigte sollten Möglichkeiten bekommen, sich solchen schwierigen Situationen auch mal entziehen zu können.
  • Weiterer Stressfaktor: Der Chef, der die Angestellten niedermacht, statt sie zu motivieren. Die Vorgesetzten seien Vermittler zwischen Mitarbeiter und Firma, erklären die Forscher. Sie sollten Mitarbeiter unterstützen und wertschätzen.

Besonders gefährlich wird es laut der Studie, wenn mehrere Stressfaktoren zusammenkommen. Das Bundesarbeitsministerium, der Arbeitgeberverband BDA und der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB wollen die Situation für Arbeitnehmer an einem "Runden Tisch" verbessern.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, die Gewerkschaften würden sich nur dann beteiligen, wenn spätestens bis Ende 2018 wirksame Schritte für die Gesundheit der Beschäftigten folgen. "Der Runde Tisch darf nicht zur langen Bank werden", mahnte sie.

koe/dpa
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