Business Angel Irdischer Beistand für Jungunternehmer

Eine gute Idee und kein Geld, um sie umzusetzen. Eine vertrackte Situation, vor der die meisten Existenzgründer stehen. Helfen kann ein Business Angel, der ihnen unter die Arme greift und sie vor den "Devils" bewahrt.


In Seminaren lernen Existenzgründer ihr Rüstzeug
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Moderne Engel kommen nicht vom Himmel auf die Erde geflogen. Engel von heute haben Netzwerke. So wie die Business Angels. In rund 30 Städten und Regionen haben sie sich mittlerweile organisiert. Da fällt es ihren potenziellen Schützlingen leichter, sie zu finden.

Business Angels haben es in ihrem Leben schon weit gebracht. Sie sind erfolgreiche Unternehmer, Manager oder Berater und wollen kürzer treten, ohne ganz aus ihrem Beruf auszusteigen. Deshalb nehmen sie sich Existenzgründern an. Sie beraten die Jungunternehmer oder beteiligen sich mit ihrem Kapital an deren Firmen.

Wer sich mit einer guten Idee selbständig machen will, dem fehlt nämlich meist das nötige Geld. "Gerade die Finanzierung zu Beginn ist ein Hindernis, an dem noch zu viele Erfolg versprechende Ideen scheitern", sagt Peter Jungen, Vorsitzender des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). Banken oder Risikokapital-Gesellschaften wollen das Wagnis, in so ein frisches Projekt zu investieren, oft nicht eingehen.

Die Guten gegen die Bösen

Das ist die Stunde der Business Angels. Denn neben Mut, Risikobereitschaft und fundierten Berater-Fähigkeiten bringen sie ein üppiges finanzielles Polster mit: "Mindestens dreimal 300.000 Mark muss ein Business Angel zur Verfügung stellen können", sagt Ute Günther, Vorstand der Business Angel Agentur Ruhr (BAAR).

Unter dem Motto "BAAR bringt Bares" engagieren sich in dem Netzwerk mittlerweile 75 zahlende Business Angels. "Der Mitgliedsbeitrag hilft uns, die 'Devils' abzuhalten, die nur die jungen Unternehmen schröpfen wollen", erklärt Ute Günther.

Werbung beim Disco-Pitch

Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie der "BAAR-Disco-Pitch" sollen die Kontaktaufnahme zwischen Business Angels und den Jungunternehmern erleichtern. Der Disco-Pitch ist ein Wettbewerb in einer Discothek. Während einer simulierten Fahrstuhlfahrt haben die Nachwuchsunternehmer genau drei Minuten Zeit, um potenzielle Engel im Publikum von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen.

Die Auswahl der unterstützten Unternehmen ist streng: Von 600 eingereichten Business-Plänen würdigte BAAR im vergangenen Jahr nur knapp die Hälfte einer intensiven Prüfung. 69 Konzepte gelangten in die engere Auswahl und durften je eine Viertelstunde präsentiert werden. Neun Beteiligungen durch Business Angels kamen schließlich zu Stande. "Und das ist im Vergleich zu Zahlen beispielsweise aus den USA viel", betont Ute Günther.

Verstopfte Pipeline in Richtung Börse

Der Markt für Business Angels entwickelt sich in Deutschland langsam: Von fast 9000 Internet- oder E-Commerce-Gründungen, die im November vergangenen Jahres im Rahmen des Forschungsprojektes "e-Startup.org" befragt wurden, arbeitete die Hälfte bereits mit einem Business Angel zusammen.

Einen kräftigen Dämpfer verpassten den Engeln allerdings die Turbulenzen am Neuen Markt. "Wenn die Pipeline Richtung Börsen-Exit verstopft ist und sich die Beteiligungskapitalgeber zurückhalten, hat das auch Auswirkungen auf den Angel-Markt", sagt Udo Neuhäußer, Vorstandsmitglied des BAND. Seine Kollegin Günther von BAAR ist da zuversichtlicher: "Wir sind nicht fokussiert auf den Neuen Markt. Biogenetik und Medizintechnik bieten auch viele innovative Produkte."



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