Checkliste Praktikum So wird der Job gehaltvoller

Ds liebe Geld ist für Praktikanten und Berufseinsteiger ein leidiges Thema. Es auf den Tisch zu bringen, ist aber keinesfalls unanständig, schließlich bietet man ja die eigene Arbeitskraft als Gegenleistung an - acht Tipps für den Gehaltspoker.

Von Nadine Nöhmaier


Für ein Unternehmen sind Praktikantenlöhne oft nur Kleckerbeträge aus der Portokasse. Praktikanten erspart ein Zuschuss häufig Geldnöte während des Praktikums. Wer geschickt verhandelt, kann beim Vorstellungsgespräch ein Zubrot zum kargen Salär herausschlagen. Aber Vorsicht: Beim Gehaltspoker ist Fingerspitzengefühl gefragt, sonst geht womöglich die Stelle flöten.

  1. Qualifikation lässt sich besser verkaufen als Jammern. Und so erhöht ein Praktikant seinen Marktwert, indem er zum Beispiel die eigenen Computerkenntnisse hervorhebt. Weniger wertvoll macht es einen Bewerber, wenn er die hohen Mietpreise beklagt. Und ein Greenhorn ohne Fachwissen sollte ebenfalls ohne Murren den Traum begraben, beim ersten Ausflug ins Berufsleben zu Rockefeller zu werden.

  2. Der Praktikant in spe sollte nie vergessen, dass er um einen Zuschuss für die folgenden Wochen feilscht – und nicht um garantierten Reichtum fürs ganze Leben. Wer 50 Euro weniger verdient als erhofft, wird sich damit nicht für die nächsten Jahre verschulden. Der künftige Praktikant sollte im Gespräch vielmehr deutlich machen, dass es ihm in erster Linie um die Stelle und den Spaß an der Arbeit geht.

  3. Wenn es sich um ein qualifiziertes Praktikum handelt, ist der Wissenserwerb höher zu bewerten als das Geldverdienen. Wer wirklich dringend Geld braucht, ist mit einem gewöhnlichen Job besser beraten.

  4. Der Bewerber sollte misstrauisch werden, wenn ein Praktikum allzu fürstlich entlohnt wird: Wenn sich eine Firma einen Praktikanten für 1000 Euro leistet, muss jener möglicherweise nach kurzer Zeit ordentlich malochen, beispielsweise ohne Ende Adressen eintippen – sonst zahlt sich der Bewerber für das Unternehmen nicht aus. Ob der Praktikant dabei lernt, fachspezifische Aufgaben zu bewältigen, ist fraglich.

  5. Wenn kein Gehaltszuschuss drin ist, sollte sich der Praktikant nach weiteren Zusatzleistungen erkundigen: Spendiert das Unternehmen verbilligte Essens-Marken für den Italiener gegenüber? Zahlt es einen Computerkurs? Kann der Praktikant via Firmenrabatt günstige Hardware bestellen?

  6. Wenn der künftige Vorgesetzte beim Vorstellungsgespräch das Thema Geld bis zum Schluss nicht auf den Tisch bringt, muss der Praktikumsanwärter selbst dafür sorgen, nicht leer auszugehen: "Ich habe eine letzte Frage, die für mich wichtig ist, weil ich mein Studium selbst finanzieren muss: Gibt es eine Form der Entlohnung?" Ein positiver Nebeneffekt: Der Bewerber zeigt mit dieser Frage Selbstinitiative, das gefällt den meisten Personalchefs.

  7. Auch, wenn das Geld nicht reicht, um zum Vorstellungsgespräch zu fahren, sollte der Praktikant nachhaken, ob das Unternehmen die Fahrtkosten übernimmt: Dazu hat der Gesetzgeber die Firma ohnehin verpflichtet, wenn sie zum Termin einlädt (§ 670 BGB) – es sei denn, dies wurde von vornherein ausgeschlossen.

  8. Also: Bloß keine Hemmungen haben! Die Frage nach Geld ist keinesfalls unanständig, schließlich nützt der Praktikant dem Unternehmen, indem er frischen Wind, neue Ideen und einen unvoreingenommenen Blick mitbringt.

Nadine Nöhmaier ist Autorin des Praktikumsknigge



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.