Affäre um Doktortitel Scheuer will umstrittene Arbeit überprüfen lassen

Jetzt schaltet er auf Offensive: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer will offenbar seine akademische Arbeit von der Karls-Universität in Prag überprüfen lassen. Dort hatte er ein sogenanntes "kleines Doktorat" erlangt und sich danach "Dr." genannt.

Seehofer und Scheuer: "Volles Vertrauen"
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Seehofer und Scheuer: "Volles Vertrauen"

Von und , München und Berlin


Allein optisch wirkt Andreas Scheuer an diesem Montag so, als stehe er bereits wenige Tage nach seinem Amtsantritt als CSU-Generalsekretär vor einem Neuanfang: Seine Haare sind nicht mehr nach hinten gegelt, er trägt jetzt einen Seitenscheitel. Mit dem gegelten Haar erinnerte er bislang an die Frühphase seines Parteifreundes Karl-Theodor zu Guttenberg, der wegen einer Plagiatsaffäre als Verteidigungsminister hatte zurücktreten müssen.

Einen solchen Karriereknick will Scheuer offenbar vermeiden und sein politisches Überleben sichern. Er werde die Karls-Universität bitten, die Vorwürfe umgehend zu prüfen, sagte Scheuer am Montag nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung des CSU-Vorstands in München.

Parteichef Horst Seehofer habe zudem gesagt, der Generalsekretär habe sein volles Vertrauen, die Sache sei erledigt. Daraufhin habe es in der Sitzung großen Applaus gegeben. Einem Parteisprecher zufolge gab es keine kritischen Anmerkungen, der Parteivorstand stellte sich dem Vernehmen nach geschlossen hinter Scheuer.

In Prag hatte Scheuer mit einem Text über "Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns" ein sogenanntes "kleines Doktorat" erlangt. "Dr." darf er sich damit allerdings nicht nennen, lediglich in Bayern und Berlin gelten Ausnahmeregeln.

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Titelaffäre in der CSU: Herr Scheuer und der kleine Doktor
Schon vor der Sitzung war Scheuer offensiv aufgetreten. Er habe sich über manche Berichte und "Darstellungen auf Titelseiten" gewundert, sagte Scheuer auf dem Weg zur CSU-Vorstandssitzung. Als Kritik an der Berichterstattung will er das aber nicht verstanden wissen. "Ich mache hier keine Medienkritik, das steht mir nicht zu. Ich stelle die Faktenlage dar", sagte Scheuer am Rande der Sitzung nach Teilnehmerangaben.

Allerdings hatte er den versammelten Journalisten zuvor die Lektüre des Buches "Übermacht der Medien. Erstickt die demokratische Kommunikation?" von Heinrich Oberreuter empfohlen.

Fraglich ist, ob Oberreuter ein geeigneter Kronzeuge für Scheuer ist. Der Politikwissenschaftler hatte in Passau zwar Scheuers mündliche Lehramtsprüfung für Sozialkunde abgenommen und diese als "ordentlich" bezeichnet. Wenig schmeichelhaft war dagegen Oberreuters Einschätzung in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zu Scheuers späterer Entscheidung, in Prag mit vergleichsweise geringem Aufwand ein "kleines Doktorat" zu erwerben: "Scheuer wäre nie auf die Idee gekommen, den Umweg über Prag zu nehmen, wenn er sich davon nicht eine Beförderung seiner politischen Karriere versprochen hätte."

Aufgewirbelt hatte in der letzten Woche die ganze Sache ein Bericht in der "FAZ". Sie hatte die seit Jahren bekannten Vorwürfe am Freitag auf ihrer Titelseite aufgegriffen - und noch einige weitere Details zusammengetragen. Scheuer kündigte daraufhin an, auf das Führen der Buchstaben "Dr." vor seinem Namen künftig zu verzichten.

Insgesamt ist die Qualität seiner Arbeit mit dem Titel "Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns" dürftig: So widerspricht sich Scheuer in der Arbeit mitunter selbst. Auf Seite 19 berichtet er von 2853 Ortsverbänden der CSU, acht Seiten weiter sind es plötzlich nur noch "ca. 2840". Eine Quelle fehlt. Auch Rechtschreibfehler und falsch geschriebene Namen finden sich viele, es entsteht der Eindruck von Schlampigkeit.

Der Ombudsmann für die deutsche Wissenschaft, der Bonner Juraprofessor Wolfgang Löwer, sprach sich bereits am Wochenende dafür aus, dass die Arbeit auf einen möglichen Plagiatstatbestand hin wissenschaftlich untersucht wird. Die bekanntgewordenen Stellen "sollten Anlass sein, genauer hinzusehen und zu prüfen, wie der Text entstanden ist", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

insgesamt 35 Beiträge
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gweihir 20.01.2014
1. Grosses Ego, kleine Faehigkeiten...
Warum schaffen es solche Pseudos immer wieder in Machtpositionen? Ist das Stimmvolk wirklich so unglaublich dumm?
hanfbauer2 20.01.2014
2. Wird Zeit dass Mutti dem Scheuer...
...ihr "vollstes Vertrauen" ausspricht.
gog-magog 20.01.2014
3.
Zitat von sysopDPAJetzt schaltet er auf Offensive: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer will offenbar seine akademische Arbeit von der Karls-Universität in Prag überprüfen lassen. Dort hatte er ein sogenanntes "kleines Doktorat" erlangt und sich danach "Dr." genannt. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/csu-generalsekretaer-scheuer-uni-prag-soll-doktorarbeit-pruefen-a-944455.html
Ja, soll er machen lassen, das mit dem Überprüfenlassen. Bekanntlich leiden solche Leute nicht erst seit Christoph Daum an Realitätsverweigerung. Das ist ja auch eine zentrale Grundvoraussetzung für eine parteipolitische Karriere.
bumminrum 20.01.2014
4. Der Mann
ist als Generalsekretär einer großen konservativen Volkspartei nicht mehr dem Wähler zu vermitteln. In diesem Amt muss man austeilen und das geht nicht als potentieller Betrüger und Dünnbrettbohrer. Hier ist ein seriöser Politiker gefragt, Herr S. kann bestenfalls noch zur Bahn.
bs2509 20.01.2014
5. Der CSU - Politiker . . .
. . . will seine Mini-Freizeit-Doktorarbeit von der Uni in Prag prüfen lassen. Dabei wäre es besser, er würde den Mund halten und hoffen, es kommt niemand auf die Idee die "Hausarbeit" zu überprüfen. Aber einige eitlen Herren aus der Blau-Weissen Riege gehen da wider besseres wissens in die Offensive und mit "Hoppla, jetzt komme ich…- Gebaren gradewegs in den Orcus. Vielleicht sollte der Herr Scheuer lieber mal nach dem schönen Konsul Weyer fragen, der von sich behauptet, mit in Anspruchnahme seiner Dienste, wäre Freiherr von und zu Guttenberg noch heute Minister. Aber es bleibt auch so zu befürchten, dass Herr Scheuer weiter im Amt bleibt und abkassieren darf. . . wollen wir hoffen, dass er zumindest die richtige Steuerklasse angegeben hat.
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