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22. Juni 2001, 18:39 Uhr

Debatte Karriere an der Uni

"Der Königsweg wird zur Sackgasse"

Juniorprofessuren sollen nach der Dienstrechtsreform mehr Freiheit für Nachwuchswissenschaftler bringen. Im Gastbeitrag für UniSPIEGEL ONLINE warnt Manfred Erhardt vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vor unerwünschten Nebenwirkungen.



Prof. Dr. Manfred Erhardt, 62, Generalsekretär des Stifterverbandes

Prof. Dr. Manfred Erhardt, 62, Generalsekretär des Stifterverbandes

Mit der Neugestaltung des Qualifikationsweges zum Hochschullehrer und einem neuen leistungsorientierten Besoldungssystem will die Bundesregierung unsere Hochschulen wieder attraktiver machen. Die Absicht ist gut. Die Randbedingungen sind es nicht. Und so kann der vermeintliche neue Königsweg zum Lehrstuhl, der Weg des Juniorprofessors, schnell zur Sackgasse werden.

Der Entwurf verspricht den Hochschulen und jungen Wissenschaftlern dreierlei: mehr Freiheit, mehr Vielfalt, mehr Wettbewerb. Doch mit deutscher Gründlichkeit werden so viele unnötige Gesetzesvorgaben gemacht, dass sie in Ihrer Wirkung das Gegenteil erreichen:

Statt also durch die Juniorprofessur einen weiteren Weg zur wissenschaftlichen Qualifizierung zu öffnen, wird er per Gesetz zum Königsweg erkoren. Statt Vielfalt: Einfalt. Statt Zugewinn: Einschränkung.

So lässt sich der "brain drain" an den deutschen Hochschulen nicht umkehren. Zumal dann, wenn die Besoldung zunehmend unattraktiver wird. Auch das neue Besoldungssystem steht unter dem Diktat der Kostenneutralität. Das heißt, wenige werden mehr, viele aber weniger verdienen als bisher. Damit wächst die Kluft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Zudem ist der Spielraum für wirksame Leistungszulagen sehr beschränkt. Statt den Ländern alle Freiheiten für die Besoldung des wissenschaftlichen Personals zu geben, wird der Gesamtbesoldungsaufwand bundesrechtlich vorgeschrieben. Der Wettbewerb soll also mit einem Gesetzesteil gefördert werden, wird aber im nächsten Schritt schon wieder eingeschränkt.

Fazit: Wer nicht bereit ist, durch Vielfalt Wettbewerb zuzulassen und für die Verbesserung von Wettbewerbsdingungen auch Geld in die Hand zu nehmen, macht die Position des deutschen Wissenschaftsstandort auf dem globalen Bildungsmarkt nicht stärker. Vieles, was die Reform verspricht, wird so nicht gehalten werden.

Von Manfred Erhardt

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