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Plagiatsaffäre Schavan verlässt Münchner Hochschulrat

Sie hat ihren Doktortitel verloren und trat zurück: Jetzt hat Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) angekündigt, sich auch aus dem Hochschulrat der LMU München zurückzuziehen. Eine Ehrendoktorwürde in Lübeck will sie aber annehmen.
Ex-Ministerin Schavan (Archiv): Wie lange geht der Titelkampf weiter?

Ex-Ministerin Schavan (Archiv): Wie lange geht der Titelkampf weiter?

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Sie stritt bereits vor Gericht gegen den Entzug ihres Doktortitels, da wurde Annette Schavan, der früheren Bundesbildungsministerin, eine Ehre zuteil: Die Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU) bestellte sie in den Hochschulrat, das war im Herbst 2013. Jetzt, nur wenige Monate später, will die CDU-Politikerin das Gremium wieder verlassen.

Das teilten die Uni und das Bayerische Wissenschaftsministerium mit, Schavans Abgeordnetenbüro bestätigte es. Schavan zieht damit offenbar die Konsequenz daraus, dass sie den Rechtsstreit um ihren Doktortitel inzwischen verloren hat. Vor zwei Wochen hatte das zuständige Verwaltungsgericht Düsseldorf ihre Klage abgewiesen.

Mit dem Rückzug folgt die Ex-Ministerin dem Wunsch der Münchner Fakultätsdekane. Aber warum hat die Uni die CDU-Politikerin zuvor berufen? Wegen ihrer "Expertise und Erfahrung", teilte die LMU mit. Nach dem Urteil sei aber eine neue Situation entstanden, "die eine neue Diskussion erforderlich" machte. So beriet sich das Uni-Präsidium demnach mit den Dekanen der 18 Fakultäten. Man kam zu dem Schluss: Die nötige Akzeptanz für Schavans Mitgliedschaft im Hochschulrat fehle.

Davon unbeeindruckt will die Uni Lübeck an ihrem Vorhaben festhalten, Schavan Ende der Woche die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Die Uni war dafür in die Kritik geraten. Die Laudatio soll Uni-Präsident Peter Dominiak halten, wie die Uni mitteilte. Aus Schavans Büro hieß es, die Ex-Ministerin werde die Ehrendoktorwürde annehmen.

Die Affäre um Schavans Dissertation begann vor knapp zwei Jahren. Im April 2012 wurde zum ersten Mal auf einer Internetplattform der Vorwurf des Plagiats gegen die damalige Bundesbildungsministerin erhoben - von einem anonymen Plagiatsjäger mit dem Pseudonym Robert Schmidt auf der Webseite Schavanplag . Einige Monate später kamen auch Promotionsausschuss und Fakultätsrat von Schavans ehemaliger Universität zu dem Ergebnis, dass an zahlreichen Stellen plagiiert worden sei. Von einer "leitenden Täuschungsabsicht" ist in einem Gutachten die Rede.

Im Februar 2013 entzog die Universität Düsseldorf Schavan schließlich den Doktortitel. Vier Tage danach trat Schavan als Ministerin zurück und begründete diesen Schritt mit ihrer Klage. Zu diesem Zeitpunkt lag die Promotion der damaligen Bundesbildungsministerin bereits 33 Jahre zurück. Schavan hatte Flüchtigkeitsfehler eingeräumt, den Vorwurf der Täuschung aber stets zurückgewiesen.

Obwohl sie mittlerweile den Prozess vor dem Verwaltungsgericht verloren hat, darf Schavan ihren Doktortitel noch fünf Monate nach Zustellung des schriftlichen Urteils weiterführen - vorausgesetzt, sie ergreift gegen das Urteil Rechtsmittel. Lässt Schavan die für sie negative Entscheidung rechtskräftig werden, muss sie den Titel einen Monat nach Zustellung des Urteils ablegen.

otr/dpa
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