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Umstrittene Doktorarbeit Putzunternehmer soll unsauber gearbeitet haben

Als Fensterputzer hat er angefangen, mittlerweile lenkt er eine Firma mit 15.000 Angestellten: Putzpatriarch Karlheinz Götz wollte aber auch einen Doktortitel - und reichte eine wohl sehr magere Arbeit in Spanien ein. "Schamlos", urteilen Experten laut einem Zeitungsbericht.
Doktortitel: Begehrt, auch außerhalb der Wissenschaft

Doktortitel: Begehrt, auch außerhalb der Wissenschaft

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Auf diese Arbeit hat die Wissenschafts-Community eher nicht gewartet - und wer sie dennoch gelesen hat, urteilt ziemlich harsch über das Werk mit dem Titel "Die Entwicklung des Schulwesens in der Oberpfalz und in der Freien Reichsstadt Regensburg bis 1810 sowie Salzburg bis 1816", erschienen im Jahr 2005, als Doktorarbeit eingereicht in Oviedo, Spanien.

Als Autor steht Karlheinz Götz auf der Arbeit, Unternehmer aus Regensburg, der sich gern als tatkräftigen Selfmademan darstellt. Auf der Website  ist die Firmengeschichte als Story eines Aufsteigers nachzulesen: Mit "geliehenen 56 Mark für den Kauf einer Leiter, ein geschenktes Fensterleder sowie Lappen, Eimer und alte Handtücher" gründeten Karl Götz, Vater von Karlheinz, und seine Ehefrau Karoline ihre Reinigungsfirma am 1. Februar 1949. Der Sohn übernahm in den sechziger Jahren. "Heute sind 15.500 Mitarbeiter an über 90 Niederlassungen in sechs Ländern für die Götz-Gruppe tätig", so der letzte Stand.

Der geschäftliche Erfolg und das Auftreten als Mäzen und Spender sowie das Engagement im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen scheinen Götz jedoch nicht ausgelastet zu haben. Mit über 60 Jahren wollte er noch promovieren und reichte die Arbeit über das Schulwesen in der Oberpfalz in Spanien ein, wie jetzt die "Süddeutsche Zeitung" berichtet . Dem Bericht zufolge hätte eine deutsche Uni die Arbeit kaum akzeptiert.

Die Zeitung hat mit mehreren Experten über die Arbeit gesprochen, unter anderem mit Hans-Michael Körner, emeritierter Professor für Geschichtsdidaktik. Zitiert wird er mit den Worten, er habe selten "so einen grenzenlosen Stuss" gelesen. Es würden Fußnoten und Quellenangaben fehlen, es gebe keine Quellenforschung, der untersuchte Zeitraum reiche "von der Begründung des Christentums" bis ins 19. Jahrhundert. Ein anderer Historiker urteilt in dem Bericht, Götz' Vorgehen sei "schamlos" und "skandalös" gewesen.

Das Online-Portal "Regensburg Digital"  berichtete schon zuvor über Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Doktorarbeit und konnte sich angesichts der Promotion in Oviedo den Kalauer nicht verkneifen, die "Umstände kommen einem Spanisch vor".

Götz selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine Mitarbeiterin teilte mit, er sei auf Geschäftsreise.

otr