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Plagiatsvorwürfe NRW-Politiker Eumann darf Doktortitel behalten

Freispruch trotz Bedenken: Der Düsseldorfer Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) darf seinen Doktorgrad weiterhin führen. Die Uni Dortmund konnte ihm eine vorsätzliche Täuschung nicht eindeutig nachweisen. Damit endet ein sehr lautes Verfahren.
Marc Jan Eumann im Sommer 2010: "Der letzte Vorwurf vom Tisch"

Marc Jan Eumann im Sommer 2010: "Der letzte Vorwurf vom Tisch"

Foto: Roland Weihrauch/ picture alliance / dpa

Kein Titelentzug: Der nordrhein-westfälische Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) darf seinen Doktortitel behalten. Das teilte die Technische Universität Dortmund mit. Der Rat der Fakultät für Kulturwissenschaften sei in seiner Sitzung vom 9. April zu dem Ergebnis gekommen, "trotz großer Bedenken bezüglich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens Herrn Eumann den Doktortitel nicht abzuerkennen, da eine vorsätzliche Täuschung nicht eindeutig belegt werden konnte", hieß es. Damit endet ein Plagiatsverfahren, das in der Öffentlichkeit viel Aufsehen erregte.

Im Sommer 2013 ließ die Uni wissen, dass gegen Eumann ein Verfahren zur Aberkennung seines Doktortitels eingeleitet werden soll. Über Verbleib oder Verlust des Doktortitels muss der Rat der zuständigen Fakultät entscheiden. Der Vorwurf gegen den SPD-Politiker lautete "Selbstplagiat": Eumann soll für seine Doktorarbeit aus seiner 20 Jahre zuvor verfassten Magisterarbeit abgeschrieben haben.

Das Rektorat der Universität hatte "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten" festgestellt. Eumann habe verschwiegen, dass seine 2011 erschienene Doktorarbeit aus seiner eigenen, unveröffentlichten Magisterarbeit von 1990 hervorgegangen ist. Die Uni hatte beanstandet, Eumann habe in einem Fragebogen nicht korrekt angekreuzt, dass die Doktorarbeit auf der Magisterarbeit fuße, die er inhaltlich nicht substantiell erweitert habe.

"Froh, dass der letzte Vorwurf vom Tisch ist"

"Es ging lediglich um die Verfahrensfrage, ob ich meine Magisterarbeit, auf der die Dissertation aufbaute, unzulässigerweise verschwiegen hätte", teilte Eumann am Mittwochabend mit. "Ich bin froh, dass nun auch dieser letzte Vorwurf vom Tisch ist." Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der SPD-Politiker damals schon mitgeteilt, dass er um seinen Doktorgrad kämpfen will: "Ich habe weiterhin keinen Zweifel, dass meine Dissertation eine inhaltlich substantielle Erweiterung meiner Magisterarbeit darstellt. Und ich habe nicht getäuscht."

Der 48-jährige Eumann war 2010 nach der rot-grünen Regierungsübernahme in NRW Staatssekretär im Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien geworden. Als Vorsitzender der SPD-Medienkommission ist Eumann auch auf Bundesebene für Medienfragen zuständig. Er hatte in Dortmund am Institut für Journalistik promoviert und 2011 den Doktortitel erhalten. Die Dissertation trägt den Titel "Der Deutsche Presse-Dienst" und beschäftigt sich mit der Geschichte der gleichnamigen Nachrichtenagentur in der britischen Zone von 1945 bis 1949. In einer Vorbemerkung zur Doktorarbeit legt Eumann allerdings offen, dass er Recherche-Ergebnisse für seine Magisterarbeit später für die Doktorarbeit noch einmal aufgriff: "Glücklicherweise habe ich die damals gewonnenen Informationen aufbewahrt, um sie schließlich - über 15 Jahre später - verwenden zu können", heißt es dort.

Der Medienwissenschaftler Arnulf Kutsch hatte das Verfahren ins Rollen gebracht. Er hatte eine kritische Rezension über Eumanns Doktorarbeit verfasst. Darin kam er zu dem Urteil, der Sozialdemokrat habe vor allem seine eigene Magisterarbeit aufgepeppt - ohne dies im Text der Doktorarbeit entsprechend deutlich zu machen oder seine eigene Magisterarbeit zu zitieren.

Eumanns Doktorvater Horst Pöttker nahm die Vorwürfe zum Anlass, die Arbeit überprüfen zu lassen. Er habe den Titel von Eumanns Magisterarbeit nicht gekannt, der SPD-Politiker habe diesen sogar im obligatorischen Lebenslauf verschwiegen, ließ der mittlerweile emeritierte Journalistikprofessor wissen - und stellte sich damit öffentlich gegen seinen ehemaligen Doktoranden.

Öffentliche Vorwürfe zwischen Eumann und seinem Doktorvater

Eumann konterte, er habe dem Promotionsausschuss den Titel seiner Magisterarbeit und die Entstehungsgeschichte seiner Doktorarbeit "ausdrücklich erläutert". Der SPD-Politiker kritisierte außerdem seine ehemalige Hochschule scharf. "Vertraulichkeitsregelungen wurden ganz offensichtlich missachtet, da immer wieder Interna über das laufende Verfahren in die Öffentlichkeit getragen wurden", beschwerte sich Eumann im Sommer 2013.

Der Fall bekam durch eine angebliche Verbindung zwischen dem Institut von Eumanns Doktorvater Pöttker und der NRW-Landesregierung eine zusätzliche Brisanz: Laut "WAZ" hatte Pöttker nur wenige Monate nach der Verleihung der Doktorwürde an Eumann für sein Institut eine finanzielle Förderung bei der Düsseldorfer Staatskanzlei beantragt. Dabei sollte es um die Weiterbildung von Lokaljournalisten in NRW gehen. Pöttker soll dafür mehr als 200.000 Euro erhalten haben, berichtete die "WAZ".

Von einer Verbindung zwischen Eumanns Promotion und dem Projekt sei ihm nichts bekannt, hatte Pöttker daraufhin der "WAZ" mitgeteilt. Er persönlich habe von der Summe keinen Cent bekommen. Auch Eumann bestreitet eine Verbindung: An der Förderentscheidung zugunsten des Dortmunder Instituts für Journalistik sei er in keiner Weise beteiligt gewesen; stattdessen habe er auf eine mögliche Interessenkollision hingewiesen und sich befangen erklärt.

lgr/dpa