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Duales Studium Ferien? Fehlanzeige

Doppelt hält besser - das ist das Motto für ein duales Studium, die Kombination von Hochschule und betrieblicher Praxis. So kann man studieren, zugleich schon Geld verdienen und den Berufsstart in einem Unternehmen elegant vorbereiten. Doch der Doppelpack ist auch ein echter Freizeitkiller.
Vom Hörsaal an die Werkbank: In dualen Studiengängen sind freie Tage knapp bemessen

Vom Hörsaal an die Werkbank: In dualen Studiengängen sind freie Tage knapp bemessen

Foto: TMN

An den vergangenen Sommer denkt Johannes Kreuzer nicht gern zurück: Die vorlesungsfreie Zeit bestand für den angehenden Mechatroniker an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) aus Pauken, Prüfungen und Praxiswochen. Vom Jahresurlaub, den sein Ausbildungsvertrag mit dem Hamburger Medizintechnikbetrieb Weinmann regelt, blieb Student Kreuzer gerade mal eine lernfreie Woche - zu wenig Zeit zum Verreisen, Abschalten und Luftholen, erzählt Kreuzer: "Das war schon hart."

Er ist einer von 60 Studenten im Programm "Infotronik" oder "Mechatronik" der TUHH. Offiziell handelt es sich um eine "duale Studienförderung", praktisch ist es ein Studium, finanziert von Unternehmen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie und koordiniert vom Arbeitgeberverband Nordmetall. Die Teilnehmer sind Auszubildende der Betriebe, auch wenn ihre Präsenzzeiten im Unternehmen mit bis zu sechs Wochen im Winter und knapp zehn im Sommer vergleichsweise kurz sind.

Duales Studium heißt diese Kombination: Zum Hochschulstudium kommen betriebliche Praxisphasen hinzu. Oder Studenten machen nebenher eine komplette Berufsausbildung und erhalten am Ende einen Doppelabschluss. Im Unterschied zu klassischen Studiengängen soll das einen höheren Praxisbezug bringen und den Absolventen bessere Chancen beim Berufseinstieg verschaffen.

Das Kombipaket gibt es jetzt auch an der Uni

Die Kombi-Modelle boomen, meldet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Es verzeichnet schon mehr als 730 duale Studiengänge in seiner Datenbank, jährlich werden es mehr. "Unser Datenbestand ist im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gewachsen", sagt BIBB-Mitarbeiterin Andrea Stertz. Den größten Anteil mit über 55 Prozent der Studenten stellen die Wirtschaftswissenschaften. Größer geworden ist in jüngster Zeit aber auch das Angebot in den sogenannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

300 Studienmodelle mit Praxisphasen sind in der BIBB-Datenbank eingetragen - auch ohne die TUHH, die sich mit der Bezeichnung Dualer Studiengang noch etwas schwertut. Denn die würden "eher Fachhochschulen, nicht Technischen Universitäten zugeordnet", sagt Juniorprofessor Sven-Ole Voigt.

Er sieht das Kombi-Angebot an seiner Uni eher als Zeichen einer Öffnung der klassischen Hochschulausbildung: "In den gestuften Studiengängen fallen die Fachpraktika aus Zeitgründen weg." Da sei der Mix aus theoretischem Hochschulstudium und praktischer Mitarbeit in der vorlesungsfreien Zeit eine gute Lösung, weiterhin den Praxisbezug zu ermöglichen. "Wir haben damit sehr positive Erfahrungen gemacht", sagt Voigt. Die Doppelbelastung verlange den Studenten zwar einiges ab. Die finanzielle Unabhängigkeit ermögliche es ihnen aber auch, sich voll auf die Inhalte zu konzentrieren.

Drum prüfe, wer sich dual bindet

An den Fakultäten Wirtschaft und Technik verdienen die Studenten zwischen 750 und 1000 Euro monatlich, abhängig von der Firma und der Semesterzahl. "Das wird durchgängig, also auch während der Theoriephasen bezahlt", sagt Andrea Mitschelen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Eine Verpflichtung, später im Partnerbetrieb anzufangen, gebe es in Stuttgart nicht, die Übernahmequoten seien aber sehr hoch. Anders an der TUHH: Die Stipendiaten verpflichten sich, nach dem Abschluss zwei Jahre im Unternehmen zu arbeiten, gegen ein übliches Ingenieurgehalt.

Angehende Studenten sollten vorab prüfen, welche Verpflichtungen mit einem dualen Studiengang einhergehen, sagt die Juristin Nicola Pridik aus Berlin. Zu den Vorteilen rechnet sie Studienfinanzierung und Praxisnähe, zu den Nachteilen die stärkere Abhängigkeit von den Arbeitgebern und einen eingeschränkteren Blick über den Tellerrand: "Ein duales Studium schränkt den beruflichen Spielraum ein, das müssen sich die Bewerber bewusst machen."

Schon das Aufnahmeverfahren macht das deutlich: Die Bewerbungen gehen nicht an die Hochschule, sondern an die Partnerunternehmen. Die wählen ihre Kandidaten sehr genau nach Abiturnote und Persönlichkeit aus. "Große Firmen haben teils sehr viele Bewerber und führen aus diesem Grund Assessment Center durch", sagt Andrea Mitschelen. Die strenge Auslese haben aber auch gute Seiten für Studenten: Die Abbrecherquote sei niedriger als sonst.

Auch Johannes Kreuzer hat seine Krise aus dem ersten Studienjahr überwunden. "Ich habe jetzt den Trick raus, wie ich mit besseren Arbeitstechniken meine Arbeitszeiten verkürze." Beispielsweise lernt Kreuzer jetzt direkt im Anschluss an jede Lehrveranstaltung. Er sagt: "Man muss nicht schlauer sein als andere, um dual zu studieren. Aber schlau genug, um sich gut zu organisieren."

Deike Uhtenwoldt, dpa
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