Ein Jahr Juniorprofessur "Es ist noch zu früh für ein Urteil"

Eine Berliner Studie hat an den Hochschulen für beträchliches Echo gesorgt: Die "Junge Akademie" lässt kein gutes Haar an der Juniorprofessur und attackiert damit eines der Vorzeigeprojekte des Bundesbildungsministeriums. Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen indes plädiert im Interview für Geduld.


Die Autoren der Jungen Akademie sagen, das Interesse an der Juniorprofessur sei stark zurückgegangen, und belegen das mit der Zahl der bundesweiten Ausschreibungen. Warum gibt es so wenige Interessenten?

Catenhusen: "Interesse ist nicht erlahmt"
DDP

Catenhusen: "Interesse ist nicht erlahmt"

Wolf-Michael Catenhusen:

Wir reden über Momentaufnahmen. Ich denke, man muss zunächst feststellen, dass die Rahmenbedingungen der Juniorprofessur ja noch nicht vollständig realisiert sind. Bisher haben erst fünf Länder die neue Personalstruktur in ihr Landeshochschulrecht umgesetzt, und nicht jede Universität hat sich heute darauf eingestellt, so früh wie möglich diese neue Profilierungschance für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu realisieren.

Man hat sich ein hohes Ziel gesetzt, in fünf Jahren sollen 6000 Stellen eingerichtet sein. Dafür, so rechnet die Junge Akademie hoch, müssten Sie pro Monat vier mal so viele Bewerber melden. Kann das denn noch funktionieren?

Catenhusen: Die Länder haben bis 2005 Zeit, diese neue Personalstruktur umzusetzen, bis 2009 soll die Juniorprofessur Regelerfordernis werden. Es kann durchaus sein, dass die Bilanz in einem Semester schon wieder anders aussieht. Wir haben noch ein anderes Problem: Es gibt naturwissenschaftliche Bereiche, in denen heute hoch qualifizierter wissenschaftlicher Nachwuchs weltweit gesucht wird, wo es einen harten Konkurrenzkampf um qualifizierte Wissenschaftler weltweit gibt. Ich denke, das muss man auch bei dieser Frage berücksichtigen. Wir können nach unserer Wahrnehmung nicht davon reden, dass generell das Interesse erlahmt sei. Es stellt sich allerdings heraus, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt reformfreudige Universitäten gibt, die entschlossen sind, die Juniorprofessur zum strukturprägenden Element ihrer Universität zu machen, und es gibt abwartende. Wir müssen mit Hilfe der Länder diesen Atavismus überwinden.

Warum haben erst fünf Länder die Juniorprofessur verbindlich im Landesrecht umgesetzt?

Junger Forscher (in Jena): Weltweite Konkurrenz um die besten Köpfe
DPA

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Catenhusen: Sie haben bis 2005 Zeit. Die Tatsache, dass zur Novellierung dieses Hochschulrahmengesetzes eine Klage in Karlsruhe anhängig sein wird, hat diesen Prozess natürlich nicht beschleunigt. Aber es gibt Gott sei Dank Hochschulen von Bayreuth bis Bochum, die diese Chance nutzen, und es wäre sicherlich zur Gesamtbilanz auch einmal wichtig zu hören, wie es eigentlich in den reformorientierten Unis aussieht. Dort, so unsere Erfahrung, läuft es sehr gut: Die Juniorprofessoren werden von den Fachbereichen angenommen und gefördert. Manche der beschriebenen Probleme kommen eher dort zustande, wo manche Hochschulen noch dazu neigen, eher im Juniorprofessor und seiner Ausstattung einen gewissen Mitnahmeeffekt zu sehen und zu nutzen.

Es muss ja doch erschreckend für Ihr Haus sein, wenn man feststellt, dass die Fördergelder nicht ausschließlich dem Juniorprofessor zugute kommen. Anscheinend ist es so, dass manche Unis das Geld nicht unbedingt dem Professor geben, sondern eher zur Sanierung des maroden Haushaltes nutzen.

Catenhusen: Der Bund hat bestimmte Auflagen an die Verwendung der Mittel gebunden und natürlich das Recht und die Freiheit, für eine sachgerechte Verwendung der Mittel zu sorgen. Allerdings ist hier kein Korsett vorgeschrieben. In welcher Weise das Geld den Juniorprofessoren zukommt, ist offen gelassen - aber die Zweckbindung ist eindeutig. Ich sage noch mal: Hier sind Fragen gestellt, denen der Bund nachgehen wird.

Das Interview führte Patrick Honecker von "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk



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