Beruf und Familie "Wir haben Geldsorgen, obwohl wir gut verdienen"

Pädagogin, 32 Jahre, Jurist, 38 Jahre, ein Baby:

Fläschchen geben, wickeln, füttern - wer macht's? (Symbolbild)
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Fläschchen geben, wickeln, füttern - wer macht's? (Symbolbild)


Sie: "Ich bin jetzt gerade für ein Jahr in Elternzeit, danach werde ich wieder anfangen, Vollzeit zu arbeiten. Ich habe schon jetzt Respekt davor, wie sich Beruf und Familie dann vereinbaren lassen, ob der Kleine oft krank sein wird, wie die Kollegen reagieren werden, wenn ich deshalb öfter zu Hause bleiben muss, und so weiter….

Zwischendurch hatte ich auch Panik, dass ich keinen Krippenplatz finde. Ich habe von den Kitas lauter Absagen bekommen. Es hat mich geärgert, dass das so schwierig war, und es saß mir total im Nacken, weil ich ja wusste: Ich muss wieder arbeiten, ich habe keine Wahl."

Er: "Ich hätte gern Elternzeit genommen, um mehr Zeit mit meinem Kind zu verbringen. Ich genieße jede Minute mit ihm. Aber das ist leider nicht mehr als ein frommer Wunsch, das kann ich mir als Selbstständiger nicht leisten. Es gibt niemanden, der mich vertreten könnte und das Geschäft am Laufen hält. Die Konkurrenz ist in meinem Bereich riesig."

Sie: "Ich kann wegen des Elterngeldes jetzt zwar ein Jahr zu Hause bleiben, aber dann läuft es aus und ich muss voll in den Beruf zurückkehren. Teilzeit wäre mir deutlich lieber. Aber das können wir uns finanziell einfach nicht leisten - weil die Immobilienpreise in Hamburg explodieren. Das ist heute das eigentliche Problem von Familien: Die Mieten sind einfach zu hoch!"

Er: "Der städtische Wohnungsbau kommt nicht hinterher. Wir haben monatelang gesucht, um überhaupt eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden. Jetzt liegt die Miete für drei Zimmer bei 1400 Euro warm. Wir haben beide eine gute Ausbildung und verdienen im Vergleich vermutlich nicht schlecht, aber es ist schwierig, jeden Monat so viel Geld nur fürs Wohnen zu bezahlen.

Ich weiß gar nicht, wie wir das ohne Elterngeld gemacht hätten. Da wäre ein Kind eigentlich undenkbar gewesen. Es ist schon gut, dass das überhaupt eingeführt wurde, aber man muss sich trotzdem leisten können, auf ein Drittel seines Gehaltes zu verzichten. Wir beide verdienen zu viel, um sonstige Transferleistungen vom Staat zu bekommen, aber eben auch zu wenig, um ganz ohne Geldsorgen zu leben."

Sie: "Ich würde jetzt nicht sofort über ein zweites oder sogar drittes Kind nachdenken, weil ich nicht wüsste, wie ich eine Wohnung finden und bezahlen sollte, in der wir alle genug Platz haben. An den Stadtrand zu ziehen, ist auch keine Option, denn dann hätten wir hohe Kosten, um zur Arbeit zu fahren, und so viel günstiger sind die Mieten dort auch nicht."

aufgezeichnet von Silke Fokken



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
el_grande_reader2 18.02.2017
1. ein drittel Mietkosten?
ein Traum! uns kostet die Wohnung 50% von allem (netto), und viel Platz ist hier auch nicht gerade... meine Frau arbeitet Halbzeit (mehr geht mit zwei Kindern einfach nicht), und ich Studiere im Zweitstudium auf Studienkredit... ob es danach besser oder schlechter wird mit unseren Finanzen, keine Ahnung. Aber eins ist mehr als klar: noch ein Kind mehr, und wir können uns gleich nach der nächsten Bauwagensiedlung umschauen...
J. Meyer 18.02.2017
2. Ihr gesamter Verdienst für die Betreuungskosten
Bei uns ist es so, dass meine Frau Anfang diesen Jahres wieder angefangen hat zu arbeiten. Damit sie arbeiten gehen kann haben unsere beiden Kinder jeweils einen dreiviertel-Platz in der KiTa plus 2 Stunden Sonderbetreuungszeit. Unsere Gemeinde erhöht nun massiv die Betreuungskosten weil der Kostendeckungsgrad angeblich nicht ausreicht. Das hat zur Folge, dass der komplette Verdienst der Halbtagsstelle meiner Frau für die Betreuungskosten drauf geht. Von den zusätzlichen Kosten für ein zweites Auto um das realisieren ganz zu schweigen. Wir haben also weniger Geld als wenn meine Frau zuhause bleiben würde...So sieht Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute aus...
dickebank 18.02.2017
3. Gegenfrage
Zitat von J. MeyerBei uns ist es so, dass meine Frau Anfang diesen Jahres wieder angefangen hat zu arbeiten. Damit sie arbeiten gehen kann haben unsere beiden Kinder jeweils einen dreiviertel-Platz in der KiTa plus 2 Stunden Sonderbetreuungszeit. Unsere Gemeinde erhöht nun massiv die Betreuungskosten weil der Kostendeckungsgrad angeblich nicht ausreicht. Das hat zur Folge, dass der komplette Verdienst der Halbtagsstelle meiner Frau für die Betreuungskosten drauf geht. Von den zusätzlichen Kosten für ein zweites Auto um das realisieren ganz zu schweigen. Wir haben also weniger Geld als wenn meine Frau zuhause bleiben würde...So sieht Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute aus...
Warum sollten jetzt die anderen Bürger ihrer Gemeinde den Kindergarten subventionieren, nur damit ihre Frau arbeiten gehen kann? Wenn der Kindergarten nicht wirtschaftlich betrieben werden kann, müsste es im Gemeinderat eigentlich genügend ökonomischen Verstand geben, der dafür votiert die Einrichtung zu shcließen. Brings Sie das dann weiter?
hegoat 18.02.2017
4. zu wenig Geld?
Ich weiß ja nicht, wie viel die beiden verdienen, aber mit der genannten "guten Ausbildung" als "nicht schlecht verdienende" Doppelverdiener werden e sicher 5000 netto sein. Und dann beschweren Sie sich über 1400 Euro Miete WARM. Da bleiben 3600 Euro zum Leben übrig, das ist mehr, als ich überhaupt netto verdiene. Und auch ich gehöre nicht zu den Geringverdienern.
avada~kedavra 18.02.2017
5. Komisch
Zitat von hegoatIch weiß ja nicht, wie viel die beiden verdienen, aber mit der genannten "guten Ausbildung" als "nicht schlecht verdienende" Doppelverdiener werden e sicher 5000 netto sein. Und dann beschweren Sie sich über 1400 Euro Miete WARM. Da bleiben 3600 Euro zum Leben übrig, das ist mehr, als ich überhaupt netto verdiene. Und auch ich gehöre nicht zu den Geringverdienern.
ähnliches habe ich ich auch gedacht, aber bei mir sind die Zahlen in die andere Richtung verschoben. Netto ~ 1500 Miete rund ein Drittel plus Nebenkosten, aber es geht.
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