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Ex-EBS-Präsident Verfahren gegen erkrankten Jahns vorläufig eingestellt

180.000 Euro soll der frühere Präsident der Elite-Uni European Business School veruntreut haben. Seit eineinhalb Jahren steht der inzwischen schwer erkrankte Christopher Jahns deshalb vor Gericht. Jetzt wird das Verfahren eingestellt - bis er wieder verhandlungsfähig ist.
Jahns im April 2013 im Verhandlungssaal: Prozess würde Therapie "massiv gefährden"

Jahns im April 2013 im Verhandlungssaal: Prozess würde Therapie "massiv gefährden"

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Immer wieder waren Verhandlungstermine abgesagt worden, jetzt entschied das Gericht: Das Verfahren gegen den früheren Präsidenten der European Business School (EBS) Christopher Jahns wird vorläufig eingestellt. Der Grund: andauernde Verhandlungsunfähigkeit. Jahns liegt seit Wochen im Krankenhaus.

Die 6. Strafkammer des Landgerichts Wiesbaden beschloss am Dienstag, den Prozess wegen Untreue-Vorwürfen auszusetzen. Jahns-Sprecher Dirk Metz kritisiert die Richter: "Die Justiz steht vor einem Scherbenhaufen", kommentiert er die Entscheidung: "In einem fast vierjährigen Verfahren sind Millionenkosten produziert worden, wurden die Vorwürfe, die zu dem betriebenen Verfahrensaufwand ohnehin in einem krassen Missverhältnis stehen, bis heute nicht bewiesen und ist der Angeklagte gesundheitlich schwer angeschlagen, arbeitslos und hat seine soziale Reputation verloren."

Jahns wird vorgeworfen, in seiner Amtszeit als EBS-Präsident 180.000 Euro veruntreut zu haben. Er soll das Geld der Privat-Uni gegen fingierte Rechnungen an die Beratungsfirma BrainNet weitergereicht haben- an der Jahns seinerzeit selbst beteiligt war. Jahns hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Seit Juli waren die anberaumten Verhandlungstermine immer wieder abgesagt worden. Jahns hatte zunächst über Herzbeschwerden geklagt, zudem war er in psychologischer Behandlung. "Das Verfahren wird jetzt so lange eingestellt, bis der Angeklagte wieder verhandlungsfähig ist", erläuterte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Danach werde das Verfahren erneut aufgerollt - es sei denn vorher tritt die Verjährung ein. Darauf allerdings spekuliert wohl keiner der Betroffenen: Untreue, wie sie dem früheren Uni-Präsidenten vorgeworfen wird, verjährt erst 20 Jahre nach der Tat, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Trotz "schwerster Depressionen" zu einem Netzwerktreffen?

Jahns galt als Überflieger in der Business-School-Szene - bis zu den Ermittlungen. Seit dem Frühjahr untersucht die Staatsanwaltschaft außerdem weitere mögliche Betrugsfälle Jahns hatte den Ausbau der EBS zur Volluniversität vorangetrieben und dafür rund 23 Millionen Euro beim Land Hessen akquiriert. Davon hat das Land bereits 900.000 Euro zurückgefordert - wegen missbräuchlicher Verwendung; weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen von zusätzlich 1,6 Millionen Euro aus, die betrügerisch "zum Nachteil des Landes Hessen" verwendet wurden, um den defizitären EBS-Betrieb in Wiesbaden und Oestrich-Winkel weiter zu finanzieren.

Bereits Ende Juli war Jahns aus dem Gerichtssaal heraus mit Herzbeschwerden in eine Wiesbadener Klinik eingeliefert worden. Verteidiger Alfred Dierlamm zitierte danach aus einem ärztlichen Gutachten, nach dem Jahns "unter schwersten Depressionen" leide und "derzeit sowie für einen weiteren Zeitraum von mindestens zwei bis drei Monaten" verhandlungsunfähig sei. Das Gericht würde die notwendige Therapie "massiv gefährden", falls das Verfahren weitergeführt würde, so Dierlamm weiter.

Jahns selbst hatte zuletzt allerdings mindestens unglücklich agiert, als er im August trotz Krankschreibung ein halböffentliches Netzwerktreffen besuchte, von dem ein Foto mit Jahns später in der "Bild"-Zeitung veröffentlicht wurde. Das Treffen soll zu einem Zeitpunkt stattgefunden haben, als eigentlich ein Verhandlungstermin in Wiesbaden anberaumt war. Kurz danach verschwanden die entsprechenden Fotos wieder von der Seite des Veranstalters. In Medienberichten wurde Jahns deshalb unterstellt, er simuliere, was er vehement zurückweisen lässt.

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Foto: Thomas_Frey/ picture-alliance / dpa

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