Experiment Frauen meiden Risiken und verdienen weniger

Frauen gehen beim Gehalt eher auf Nummer Sicher. Bei einem Experiment an der Uni Bonn entschied sich die Mehrheit der Teilnehmerinnen für ein Fixgehalt. Männer dagegen wählten leistungsabhängige Akkordlöhne - und verdienten dreimal soviel.


240 Männer und Frauen nahmen an dem Laborexperiment des Instituts zur Zukunft der Arbeit und der Universität Bonn teil. Ihr fiktiver Job: Zahlenpaare multiplizieren. Nach fünf Minuten Probe-Rechnen durften sich die Probanden für ein Entlohnungssystem entscheiden - entweder sieben Euro als festes Gehalt oder 20 Cent pro korrekt gelöster Aufgabe. Die schnellsten Rechner schafften in den vorgegeben zehn Minuten immerhin 100 Aufgaben und erhielten folglich 20 Euro Lohn.

Frauen: Im Experiment weniger Courage als Männer
manager-magazin.de

Frauen: Im Experiment weniger Courage als Männer

"Die Frauen haben beim Lösen der Aufgaben zwar tendenziell etwas schlechter abgeschnitten, aber nicht so schlecht, dass sich die Bezahlung nach Leistung nicht für sie gelohnt hätte", sagt der Bonner Wirtschaftswissenschaftler Thomas Dohmen, der an der Studie beteiligt war. Lediglich 45 Prozent entschieden sich für die Bezahlung nach Stückzahl, bei den Männern waren es immerhin 74 Prozent. "Wenn Frauen die Wahl haben, bevorzugen sie sichere Entlohungssysteme", fasst Dohmen das Ergebnis der Studie zusammen.

In einem zweiten Experiment konnten sich die Teilnehmer für das Fixgehalt oder eine "Turniervariante" entscheiden. Dabei wurden sie einem anonymen Partner zugelost. Wer schneller rechnete, bekam nach zehn Minuten 20 Euro, der Schlechtere ging leer aus. "Auch hier wählten wiederum eher Männer die flexible Variante und das Risiko - immerhin 58 Prozent", sagt Dohmen. Bei den Teilnehmerinnen entschieden sich nur 40 Prozent für die "Turniervariante".

"Man kann aus unseren Ergebnissen schon ableiten, dass Frauen weniger risikofreudig als Männer sind", sagt Dohmen. "Dieses Ergebnis deckt sich auch mit früheren Untersuchungen. Nicht nur im Beruf, auch wenn es um Aktien oder einen spontanen Umzug geht, ist das weibliche Geschlecht immer etwas zurückhaltender."

Die aktuelle Studie könne Lohnunterschiede bei der Bezahlung von Männern und Frauen zumindest teilweise erklären. "Die Entlohnung nach Leistung fällt in der freien Wirtschaft meist höher aus", erklärt Dohmen.

Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Aufgabenstellung die Zurückhaltung des weiblichen Geschlechts begünstigt habe. "Frauen sind bei Tests, die verbale Fähigkeiten erfordern, besser und schätzen sich dann auch besser ein", sagt Dohmen. "Und wer sich gut einschätzt, tendiert natürlich eher zu einer flexiblen und leistungsorientierten Bezahlung."

agö



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.