Fallen im Arbeitsvertrag Alles, was Recht ist

Nach der Uni gleich in den Traumjob. Doch gerade wenig praxiserprobte Hochschulabsolventen können sich mit einem falschen Arbeitsvertrag in die Nesseln setzen. UniSPIEGEL ONLINE lotst durch den Paragrafendschungel.


Verhandlungen über den Arbeitsvertrag haben ihre Tücken
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Verhandlungen über den Arbeitsvertrag haben ihre Tücken

Endlich eigenes Geld. Nie mehr Bafög-Anträge und Bettelbriefe an die Eltern. Uni-Absolventen stürzen sich nach dem Abschluss in den Arbeitsmarkt, ohne genau zu wissen, was sie dort erwartet. An den Hochschulen werden sie schließlich kaum für die Tricks und Finten gewiefter Personalchefs gerüstet. Dabei sichern sich heute die Chefs mit Arbeitsverträgen immer besser ab. Sie wollen Mitarbeiter flexibler einsetzen, Überstunden nicht zahlen oder neue Kollegen schneller wieder loswerden. Mit raffiniert formulierten Paragrafen kann das ziemlich schnell gehen.

Die Probezeit-Falle

Im ersten Absatz des Arbeitsvertrages ist normalerweise geregelt, wann der neue Mitarbeiter anfängt, und vor allem, wie lange die Probezeit läuft. Gesetzlich vorgesehen ist eine Probezeit von sechs Monaten mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen. Eigentlich ganz einfach, dachte sich Kerstin Deist: "In meinem Vertrag stand: Als Probezeit gelten die ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses. Es endet mit Ablauf der Probezeit, ohne dass es einer Kündigung bedarf, wenn nicht zuvor die Fortführung als Dauerarbeitsverhältnis vereinbart wird. "

Was die Biologin nicht wusste: Damit hatte sie sich nicht auf eine normale Probezeit eingelassen, sondern einen befristeten Vertrag unterschrieben. "Ich war mein Job nach einem halben Jahr ohne Wenn und Aber wieder los - das Unternehmen wollte mit mir nur einen personellen Engpass überbrücken!"

Der Tipp: Im Vertrag sollte besser stehen: Das Arbeitsverhältnis ist unbefristet und beginnt am 1. September 2001. Die ersten sechs Monate gelten als Probezeit - so ist alles eindeutig geregelt.

Die Schrift-Falle

Kai Wegner war happy: Direkt nach dem Vorstellungsgespräch im Februar entschied sich sein Wunschunternehmen für ihn. Drei Monate später sollte er anfangen, vereinbarte er mit dem Personalreferenten per Handschlag - dann wollte man auch den Vertrag unterschreiben. Kai Wegner kündigte seinen alten Job und stand am 1. Mai vor der Tür seines neuen Arbeitgebers. "Aber als ich anfangen wollte, teilte man mir nur kurz und knapp mit, dass momentan kein Bedarf bestünde! Ich war wie vor den Kopf geschlagen - die wollten sich an keine Absprache mehr erinnern."

Kann doch nicht sein, denkt so mancher und hat Recht: Natürlich ist auch ein mündlicher Arbeitsvertrag wirksam. Aber beweisen muss den Vertrag und seinen Inhalt der Arbeitnehmer. Und das ist meistens unmöglich, denn wer nimmt schon einen Zeugen mit zum Interview. Für den Bewerbungsstrategen Claus Müller-Thurau ist deshalb der schriftliche Arbeitsvertrag ein Muss: "Für seriöse Unternehmen ist der schriftliche Arbeitsvertrag eine Selbstverständlichkeit, und natürlich sind die wesentlichen Inhalte vorab gemeinsam besprochen worden."

Der Tipp: Ohne schriftlichen Arbeitsvertrag läuft gar nichts. In dem Vertrag müssen neben dem Beginn der Tätigkeit auch alle anderen Eckpunkte der Arbeit wie Gehalt oder Arbeitszeit festgelegt werden.

Die Aufgaben-Falle

"Wer sich in seinem Arbeitsvertrag genau festschreiben lässt, was sein Aufgabengebiet und seine Kompetenzen sind, der läuft später nicht Gefahr, im Betrieb herumgereicht zu werden!" Was sich aus dem Mund des Arbeitsrechtlers Horst Wolter ganz einfach und plausibel anhört, wird in der Praxis in den seltensten Fällen beachtet.

Da werden Generalformulierungen wie " ... wird als Sachbearbeiter eingestellt ..." verwendet und damit können Mitarbeiter in fast allen Abteilungen des Unternehmens eingesetzt werden. Bewerber sollten auf jeden Fall vorsichtig sein, wenn in der Stellenausschreibung oder im Interview ein bestimmter Job versprochen wurde und das Unternehmen trotzdem auf der generellen Formulierung besteht. "Viele Firmen versuchen mit leeren Versprechen, qualifizierte Arbeitnehmer als Mädchen für alles anzuheuern - unterschreiben sollte so einen Vertrag niemand, der konkrete Vorstellungen vom neuen Job hat", so der Rat von Wolter.

Der Tipp: Die Tätigkeit muss mit allen Aufgaben- und Verantwortungsbereichen detailliert im Vertrag beschreiben sein. Floskelhafte und schwammige Umschreibungen gehen immer zu Lasten des Mitarbeiters!

Lesen Sie in Teil 2 unter anderem, warum sich die Kündigungsfrist als Karriere-Killer entpuppen kann.



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