Beruf und Familie "Die Vätermonate haben wir genutzt, um zu verreisen"

Beata, 35 Jahre, Ärztin, schwanger, verheiratet, ein Sohn, 2,5 Jahre:

Ärztin: "Mein Mann und ich würden am liebsten beide unsere Arbeitszeit reduzieren"
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Ärztin: "Mein Mann und ich würden am liebsten beide unsere Arbeitszeit reduzieren"


"Nach der Geburt meines Sohnes habe ich ein Jahr aufgehört zu arbeiten, dann hat mein Mann zwei Monate Elternzeit genommen. Diese Zeit haben wir genutzt, um sechs Wochen durch Kroatien zu reisen. Das konnten wir uns leisten, weil wir das Elterngeld vom Staat bekommen haben.

Wir haben den Luxus, dass wir im Zweifel auch von einem Gehalt leben könnten. Die Reise und die zwei Familienmonate wären ohne das Elterngeld aber nicht drin gewesen. Für meinen Mann und unseren Sohn war diese Reise ganz wichtig. Die beiden haben es sehr genossen, so viel Zeit miteinander zu verbringen.

Ich finde es auch wichtig, dass Väter sehen, was Mütter jeden Tag leisten, dass sie zum Beispiel in der Elternzeit nicht ein Jahr Urlaub machen, sondern dass es oft schwierig ist, Kinderbetreuung, Haushalt und so weiter überhaupt zu meistern.

Ich habe nach der Elternzeit wieder Vollzeit in meinem Beruf als Ärztin gearbeitet. Mein Mann und ich haben uns die Betreuung geteilt. Er ist auch Arzt und hat den Kleinen meist morgens gegen sieben Uhr in die Kita gebracht. Ich habe das Kind dann gegen 17 Uhr wieder abgeholt. Es war ein Glück, dass wir uns so aufteilen konnten.

Unser Sohn geht sehr gerne in die Kita. Trotzdem finde ich zehn Stunden für ihn dort ziemlich lange. Ich musste bisher noch meine Facharzt-Prüfung machen, deshalb ging es nicht anders, und ich dachte mir: Gut, wir ziehen das jetzt durch. Das haben wir auch geschafft, aber auf Dauer ist dieses Modell für mich keine Lösung. Ich möchte keine Kinder bekommen, um sie dann den ganzen Tag in der Kita zu lassen.

Jetzt ist gerade das zweite Kind unterwegs und ich bin im Mutterschutz. Wenn das Baby da ist und mit etwa einem Jahr in den Kindergarten geht, möchte ich gern Teilzeit arbeiten, am liebsten in einer Praxis. Die Arbeit im Krankenhaus ist nicht zuletzt wegen des Schichtdienstes oft schwer mit Familie zu vereinbaren. Mein Mann und ich würden deshalb am liebsten beide unsere Arbeitszeit reduzieren, um Zeit für die Kinder zu haben. Wir sind in der glücklichen Lage, dass das finanziell möglich ist."

aufgezeichnet von Silke Fokken



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