Frauen und Technik Mit dem Feuerlöscher gegen Rollenklischees

Am heutigen Girls' Day hatten Schülerinnen bundesweit Gelegenheit, sich in traditionellen Männerberufen umzutun - zum Beispiel als Feuerwehrmann, Kfz-Mechaniker oder Bundeskanzler. Doch auch die Jungs durften sich parallel in fremden Rollen ausprobieren.


Girls' Day: Ätsch, das können wir auch
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Girls' Day: Ätsch, das können wir auch

So viele Mädchen wie noch nie nutzten heute die Gelegenheit, sich in typisch männlichen Berufen umzuschauen und dadurch vielleicht auf den Geschmack zu kommen. Zum fünften Girls' Day meldeten sich nach Angaben von Bildungsministerin Edelgard Bulmahn und Familienministerin Renate Schmidt über 125.000 Schülerinnen an. Mehr als 6.500 Firmen, Ministerien, Medienanstalten und Werkstätten öffneten dafür ihre Pforten. Der Girls' Day, der bereits zum fünften Mal stattfindet, soll die Hemmschwellen von Mädchen der Schulklassen 5 bis 10 gegenüber technischen, wissenschaftlichen und handwerklichen Berufen senken.

Sozialministerin Ulla Schmidt begleitete eine Gruppe von Mädchen in Aachen bei einer Feuerlösch-Aktion. Im Sozialministerium in Berlin konnten Teilnehmerinnen erfahren, wie eine Bundesbehörde organisiert ist und wie der Berufsalltag einer Politikerin aussieht. Auch das Bundeskanzleramt beteiligte sich zum dritten Mal an der Veranstaltung.

"Hohe Leistungsbereitschaft"

"Mädchen bringen wegen ihrer guten Schulabschlüsse und hohen Leistungsbereitschaft gute Voraussetzung gerade auch für technisch anspruchsvolle Berufe mit", erklärten Bulmahn und Renate Schmidt vorab. "Die Vorstellung, dass bestimmte Berufe typisch männlich oder typisch weiblich sind, ist überholt", unterstrich Schmidt.

Zu den am häufigsten von Mädchen gewählten Ausbildungsberufen gehören laut Statistischem Bundesamt Bürokauffrau, Arzthelferin, Friseurin und Verkäuferin. Bei Ausbildungen in technischen und techniknahen Berufen ist der Anteil der Mädchen dagegen verschwindend gering, wie das Bundesamt für Berufsbildung ermittelte. So haben beispielsweise nur knapp zwei Prozent der Mädchen eine Lehre als Kraftfahrzeugmechanikerin, wenig mehr als ein Prozent als Gas- und Wasserinstallateurin und 0,65 Prozent als Heizungs- und Lüftungsbauerin begonnen.

Schülerinnen zu Gast im Ford-Werk: Nockenwelle statt Dauerwelle
DPA

Schülerinnen zu Gast im Ford-Werk: Nockenwelle statt Dauerwelle

Auch die Studienwahl folgt eher klassischen Rollenverteilungen. So sind beispielsweise drei Viertel der Studienanfänger in den Fächern Germanistik und Pädagogik weiblich, bei den Informatikern liegt der Anteil dagegen bei zwölf Prozent, in der Elektrotechnik gar nur bei fünf Prozent.

Bulmahn und Schmidt beklagten, dass Mädchen zwar in der Schule regelmäßig besser abschneiden als Jungen, später aber doch überwiegend in klassischen Frauenberufen mit geringerer Bezahlung und weniger Aufstiegschancen wie Arzthelferin, Friseurin oder Bürokauffrau landeten. In technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen sind Mädchen dagegen noch immer unterrepräsentiert.

Schmidt mahnte allerdings, die Wirkung des Girls' Days nicht zu überhöhen. Er sei ein "wichtiger Baustein, der Motivation verstärken kann". Mädchen müssten aber schon ein gewisses Interesse an Technik mitbringen, dürften sich nicht entmutigen lassen und brauchten die Unterstützung von Schule und Eltern ebenso wie Frauen im Beruf als Vorbilder.

Am Girls' Day sollen aber auch die Jungs auf ihre Kosten kommen: Mit der Aktion "Neue Wege für Jungs" werden am Mädchentag auch parallel einzelne Veranstaltungen für speziell für männliche Jugendliche angeboten. Ziel des Modellprojekts ist es, Jungen zum Nachdenken über ihr Rollenbild anzuregen und ihnen einen Einblick in Sozial-, Pflege- und Erziehungsberufe oder typisch weibliche Arbeitsfelder in Handel und Verwaltung zu bieten.



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