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Ausbildung zum Friseur Vollzeit arbeiten für 153 Euro im Monat

Friseurlehrlinge werden so mies bezahlt, dass Eltern oder der Staat helfen müssen. Viele Azubis brechen die Ausbildung deshalb ab - oder leiden jahrelang.
Friseur-Azubis bei der Arbeit (Symbolbild)

Friseur-Azubis bei der Arbeit (Symbolbild)

Foto: DPA

Julia Müller, 28, wollte Friseurin werden, um Leute glücklich zu machen. Doch dann wurde sie während ihrer Ausbildung selbst unglücklich. "Anfangs bin ich am Abend oft heulend nach Hause gegangen", sagt sie. Und auch jetzt, im dritten Lehrjahr kurz vor der Gesellenprüfung, leide sie noch unter ihren Arbeitsbedingungen.

Julia Müller heißt eigentlich anders. Aber um es sich so kurz vor dem Ziel nicht mit der Chefin des kleinen Salons in Kassel zu verscherzen, hält sie ihren echten Namen geheim. "Man kommt als Azubi in einen Laden wie eine Billigkraft", sagt die alleinerziehende Mutter. "Den ganzen Tag soll man putzen und die Handtücher hin- und hertragen."

Färben üben? Locken wickeln lernen? Dazu komme sie während der Arbeitszeiten gar nicht. Modelle, sagt Julia Müller, müsse sie abends privat einladen und Haarfarbe und Scheren auch noch selbst bezahlen. Dabei arbeitet sie noch nicht einmal bei einer Billigkette. 300 Euro bekommt sie im Monat - für Friseur-Azubis gar nicht so wenig. "Im Osten ist es noch schlimmer. Ich habe Glück, dass ich in Hessen bin."

Tatsächlich ist die Lage der Friseur-Azubis nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di in den ostdeutschen Ländern noch schwieriger: Hier erhalten die angehenden Friseure im ersten Lehrjahr durchschnittlich 269 Euro Ausbildungsvergütung monatlich, sagt Ver.di-Sprecher Marvin Reschinsky. Im Westen ist es demnach fast doppelt so viel: 494 Euro. Besonders schlimm steht es um die Azubis in Sachsen-Anhalt - sie bekommen nach einer heute noch gültigen Regelung aus den Neunzigerjahren gerade mal 153 Euro monatlich.

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Azubi-Löhne: 300 Euro mehr oder weniger

Foto: Matthias Ernert/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Weil sie so wenig verdienten, seien viele der rund 23.000 Friseur-Azubis in Deutschland auf Hilfe aus der Familie oder vom Staat angewiesen, sagt Reschinsky. "Es ist ein Skandal, dass das Geschäftsmodell darauf basiert, dass Auszubildende überwiegend von Staatshilfen leben müssen."

Ver.di organisiert Protestaktionen in mehreren Städten, um auf die Lage der Friseur-Azubis aufmerksam. Auch Julia Müller beteiligte sich. Sie machte nach eigenen Angaben lange Zeit Überstunden, ohne sie jemals abzubauen - sie habe gar nicht gewusst, dass sie das dürfe, sagt sie. Wer krank sei, ziehe die Wut der Chefin auf sich. Wer sich wegen der Arbeitsbedingungen beschwere, werde gemobbt.

Für Azubis ist das Einfordern ihrer Rechte oft heikel: Ein Ausbildungsplan fehlt bei fast zwei von drei Azubis, und jeder Dritte klagt über Überstunden. Vor allem bei den Friseuren sind die Arbeitsbedingungen für den Nachwuchs mies, hat eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds gezeigt.

Nur acht von 28 Azubis sind noch da

"Viele machen den Beruf aus Leidenschaft und lassen sich deshalb ausbeuten", sagt Ver.di-Sprecher Reschinsky. Sich zu wehren, sei gerade in kleinen Betrieben schwer. Die Azubis arbeiteten tagtäglich mit ihrem Arbeitgeber, einen Betriebsrat gebe es selten. Julia Müller erzählt, dass in ihrer Berufsschulklasse nur noch acht von ursprünglich 28 Friseur-Azubis sitzen - der Rest hat abgebrochen.

Neben der Gewerkschaft beklagen auch die Arbeitgeber den Nachwuchsmangel - so wie auch in anderen Branchen. Dagegen könne eine höhere Vergütung helfen, sagt der Arbeitgeberverband. Die meisten der Landesverbände wollten dafür neue Verträge abschließen. Gespräche mit Ver.di lägen aber derzeit auf Eis. Ver.di will eine bundesweit einheitliche Lösung. Doch das ist angesichts der sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Ländern schwierig.

Auch Julia Müller aus Kassel würde an ihrer Ausbildung als Erstes die Bezahlung ändern. "Für einen jungen Menschen ist die Motivation schnell gebrochen, bei 300 Euro pro Monat." Nach ihrer Gesellenprüfung will Müller direkt ihren Meister machen - um unabhängiger zu werden und mehr zu verdienen. "Wir machen doch die Leute glücklich, und deswegen verstehe ich nicht, warum wir so wenig wertgeschätzt werden."

Violetta Kuhn/dpa/him
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