Protestaktion zum G20-Gipfel Saufen gegen Trump

Ein paar Hamburger haben mit ihrer Aktion gegen den G20-Gipfel einen Coup gelandet: Sie animierten Kneipen, den Schnaps-Cocktail "Mexikaner" zu verkaufen und Teile des Erlöses zu spenden. Die Sache läuft - inzwischen weltweit.

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Maarten Thiele sitzt im Februar mit Freunden am Tresen der Kellerkneipe "Zoo", sie diskutieren über Trump und den G20-Gipfel, der am 7. und 8. Juli in Hamburg stattfinden soll, teilweise sogar ausgerechnet auf St. Pauli. Die Freunde empfinden das als Provokation. Sie wollen den Gipfel nicht in ihrem Stadtteil, schon gar nicht US-Präsident Donald Trump, der eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen will.

Die Worte Trump, Mexiko und G20 fallen mehrfach an diesem Abend. Plötzlich kommt den Freunden die Idee: "Mexikaner gegen Trump". Gemeint sind nicht die Menschen, die in Mexiko leben, sondern das Getränk. Außerhalb Hamburgs ist die scharfe Tomaten-Schnaps-Mischung kaum bekannt, doch auf St. Pauli gibt es kaum eine Kneipe, die sie nicht anbietet - die Zutaten: Korn, Worcester-Sauce, Tomatensaft, Tabasco, Salz und Pfeffer. Serviert wird im Schnapsglas.

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Die Freunde wollen etwa zehn befreundete Kneipen-Wirte überreden, "Soli-Schnaps gegen Trump" zu verkaufen und einen Teil des Erlöses zu spenden. Mit dem Geld sollen Proteste gegen den G20-Gipfel finanziert werden. Ein paar Hundert Euro hoffen sie so zusammenzukriegen. Doch die Idee mit dem Protestschnaps verbreitet sich rasant. Mittlerweile machen etwa 160 Kneipen mit, nicht nur in Deutschland.

Einer der Gründer von "Soli-Mexikaner gegen Trump", Maarten Thiele, erzählt vom unerwarteten Erfolg.

Zur Person
  • Maarten Thiele
    Maarten Thiele, 33, ist gebürtiger Hamburger. Er gehört zu den Gründern der Aktion "Soli-Mexikaner gegen Trump". Mit dem Erlös sollen Protestaktionen gegen den G20-Gipfel in Hamburg finanziert werden.

SPIEGEL ONLINE: Herr Thiele, Ihre Idee "Saufen aus Protest" ist zu einem riesigen Erfolg geworden. Wie kommen Sie voran?

THIELE: Wir hätten niemals damit gerechnet, dass unsere Aktion so einschlägt. Ursprünglich hatten wir gedacht, dass vielleicht zehn befreundete Kneipen sich der Aktion anschließen werden. Inzwischen bekommen wir aber bundesweit und auch international Anfragen von Bars, Kneipen und Restaurants, die bei "Soli-Mexikaner gegen Trump" mitmachen wollen. Etwa 160 Kneipen sind bereits dabei - eine davon in Mexiko. Doch auch in Thailand, Malta und Nicaragua wird mittlerweile Soli-Mexikaner ausgeschenkt. Die Kneipen mixen den Mexikaner selbst. Sie entscheiden auch, wie viel Geld sie uns vom Erlös des Schnapsverkaufs überweisen. Wir schätzen, dass wir bis zum G20-Gipfel etwa 10.000 Euro zusammenbekommen werden. Aus einer reinen Schnapsidee ist eine richtige Kampagne geworden.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie mit dem Geld?

THIELE: Das Geld fließt komplett in die Finanzierung von Protestaktionen gegen den G20-Gipfel. Wir brauchen beispielsweise Geld für Flyer, Plakate, Lautsprecherwagen und Technik. Mit dem Erlös aus "Soli-Mexikaner gegen Trump" haben wir beispielsweise bereits eine Aktionskonferenz im Millerntor-Stadion auf St. Pauli finanziert.

SPIEGEL ONINE: Warum haben Sie sich ausgerechnet für Mexikaner entschieden?

THIELE: Das Rezept für den Mexikaner wurde vor dreißig Jahren auf St. Pauli erfunden. Er vereint drei Dinge, die St. Pauli stark repräsentieren: Saufen, Politik und einen gewissen "Lokalpatriotismus". Ein Sexist und Rassist wie Trump ist hier nicht willkommen. Wir wollen Mauern einreißen, statt sie zu errichten. Der Mexikaner gehört einfach zu St. Pauli dazu. Er repräsentiert das Eigenbrötlerische, das zu diesem Stadtteil gehört: Er ist ein bisschen widerborstig und nicht das leckerste Getränk. Zudem mixt ihn jede Kneipe anders. Außerdem bietet er eine sehr niedrigschwellige Möglichkeit, die Proteste zu unterstützen: Für Kneipenbesitzer, indem sie den Soli-Schnaps ausschenken. Und für Kneipengäste, indem sie ordentlich Mexikaner-Runden bestellen. Zudem führt die Aktion dazu, dass Leute am Tresen über den G20-Gipfel ins Gespräch kommen. Das finden wir gut.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es mit dem Projekt weiter?

THIELE: Ein Etappenziel von uns war es, in die "New York Times" zu kommen. Das haben wir nun wohl geschafft. Vor einigen Tagen hat einer von uns der Zeitung ein Interview gegeben. Wir hoffen, dass es demnächst erscheint. Unser Hauptziel ist nun: Ein Tweet von Trump über unseren Mexikaner. Er liest schließlich die "New York Times". Auf jeden Fall wird der Mexikaner nach der Aktion international bekannt sein und das Protestgetränk des Sommers werden.

In seinem Berufsleben arbeitet Maarten Thiele im Bereich der sozialen Wohnraumvermittlung.



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