Gehälter Frauen verdienen erst in 150 Jahren so viel wie Männer

In Sachen Bezahlung holen Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen auf - aber in kleinen Schritten. Zu diesem Ergebnis kommen britische Wirtschaftswissenschaftler. Ihre Prognose: Der Gleichstand wird erst im nächsten Jahrhundert erreicht.


Die Unterschiede bei den Einkommen von Männern und Frauen hätten sich in den vergangenen Jahren zwar verringert, allerdings schwäche sich dieser Angleichungsprozess ab, zitierte die "Times" gestern eine Studie der renommierten London School of Economics.

Frauen: Weiter Rückstand bei den Gehältern
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Frauen: Weiter Rückstand bei den Gehältern

Im Alter von 30 Jahren beispielsweise verdienen Frauen momentan durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer.

Zwar habe jede Generation von Frauen im Vergleich zur Vorgängergeneration Fortschritte bei der Angleichung der Einkommen erzielt, heißt es in der Studie. Allerdings habe sich dieser Prozess deutlich verlangsamt. Als einen Grund für die weiterhin geringeren Verdienste von Frauen nannten die Forscher die Babypausen der weiblichen Beschäftigten, die nach der Mutterschaft zudem häufig in Teilzeit arbeiteten.

Doch auch Frauen ohne berufliche Auszeiten würden nach zehn Jahren im Durchschnitt zwölf Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Schuld daran sei Diskriminierung, der die Politik nicht ausreichend begegne.

Zurückhaltend bei der Gehaltsverhandlung

Es würde "150 Jahre dauern, bis die Unterschiede verschwunden sind", so das Fazit der Wissenschaftler - vorausgesetzt das derzeitige langsame Tempo bei der Angleichung wird beibehalten.

Vor kurzem waren Forscher der Universität Bonn zu dem Ergebnis gekommen, dass Frauen beim der Gehalt eher auf Nummer Sicher gehen anstatt auf möglichst hohe Zuwächse hinzuarbeiten. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen entschied sich für ein Fixgehalt. Männer dagegen wählten leistungsabhängige Akkordlöhne. In einem Verhandlungswettbewerb der Universität Hohenheim zeigten sich Männer außerdem als die härteren Feilscher.

240 Männer und Frauen nahmen an dem Laborexperiment des Instituts zur Zukunft der Arbeit und der Universität Bonn teil. Ihr fiktiver Job: Zahlenpaare multiplizieren. Nach fünf Minuten Probe-Rechnen durften sich die Probanden für ein Entlohnungssystem entscheiden - entweder sieben Euro als festes Gehalt oder 20 Cent pro korrekt gelöster Aufgabe.

Lediglich 45 Prozent der Frauen entschieden sich für die Bezahlung nach Stückzahl, bei den Männern waren es immerhin 74 Prozent. "Wenn Frauen die Wahl haben, bevorzugen sie sichere Entlohungssysteme", so der Leiter der Studie.

Diese Strategie, so die Bonner Forscher, könne Unterschiede bei der Bezahlung von Männern und Frauen zumindest teilweise erklären. "Die Entlohnung nach Leistung fällt in der freien Wirtschaft meist höher aus."

jaf/AFP



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