Gehaltspoker "Wer laut schreit, bekommt auch etwas"

Wie holt man trotz Krise mehr Gehalt raus? Und woran liegt es, dass manche Kollegen mehr verdienen, obwohl sie den gleichen Job machen? Im Interview verrät Gehaltscoach Martin Wehrle, warum antizyklisches Verhandeln und PR in eigener Sache sich auszahlen.

Corbis

Frage : Herr Wehrle, wer kann in der aktuellen Lage überhaupt mehr Gehalt verlangen?

Martin Wehrle: Das hängt vom einzelnen Mitarbeiter ab. Die Krise wirkt wie eine Lupe, die Stärken und Schwächen besonders hervortreten lässt. Gerade jetzt brauchen die Firmen Leistungsträger. Wer von denen antizyklisch vorgeht und jetzt mehr Gehalt fordert, da nur wenige den Mut dazu haben, hat gar nicht so schlechte Chancen.

Frage: Aber wenn doch einfach kein Geld zu verteilen ist?

Wehrle: Es gibt immer Abstufungen. Keine Firma trennt sich von Top-Leuten und stellt lieber Durchschnitt ein, weil der billiger ist. Nach außen und bezogen auf die Masse der Mitarbeiter allerdings nutzen Unternehmen Krisen auch, um gezielt Gehaltsforderungen abzuschmettern. Vor der Krise heißt es: Da braut sich was zusammen. In der Krise müssen sie sparen. Und nach der Krise müssen sie sich erst mal erholen.

Frage: Welche Gegenstrategie empfehlen Sie?

Wehrle: Leichter haben es Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen, deren Leistung sich in Zahlen messen lässt. Sie sollten sich gekürzte Boni schnell zurückerobern, indem sie für das Unternehmen attraktive Ziele definieren und natürlich auch erreichen. Fast so wichtig wie die Ergebnisse selbst ist es aber, diese auch publik zu machen. Eine Studie von IBM zeigte, dass die Leistung bei Gehaltserhöhungen nur 10 Prozent zählt, die anderen 90 machen Eigen-PR und das Verhältnis zum Vorgesetzten aus. Viele Manager hassen etwa Meetings und schicken lieber ihren Stellvertreter. Ein Riesenfehler, denn im Meeting kann man gezielt die Arbeit der eigenen Abteilung herausstreichen.

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Frage: Warum verdienen Frauen noch immer weniger als Männer, auch in ähnlichen Positionen?

Wehrle: Frauen machen sich oft zu viele Gedanken und trauen sich seltener als Männer, eine konkrete Forderung zu stellen. Stattdessen formulieren sie vorsichtige Bitten wie "Es wäre schön, etwas mehr zu haben ...". Dabei ist es nur konsequent, dass das Gehalt nachverhandelt wird, wenn die Leistung steigt.

Frage: Laut aktuellem Gehaltsreport von manager magazin tauschen sich nur 18 Prozent der Befragten mit Kollegen über Gehälter aus. Woran liegt das?

Wehrle: Das Thema ist immer noch tabu, mehr noch als Eheprobleme oder schwere Krankheiten. Wer über dem Schnitt verdient, fürchtet den Neid der anderen; wer darunter liegt, schämt sich. Dazu kommt, dass die Gehaltsstrukturen sehr ungerecht sind: Nur wer laut genug schreit, bekommt auch etwas. Und Untreue wird belohnt. Bei freiwilligen Wechseln steigt das Gehalt, obwohl es in der neuen Firma vielleicht langjährige Mitarbeiter gibt, die eher ein höheres Gehalt verdient hätten als der Abgeworbene.

Das Interview führte Anne Spies, manager-magazin.de



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
max hollister 21.12.2009
1. Was bitte ist ein Gehaltscoach?
Ein Gewerkschafter auf niedrigem Niveau? Die Aussagen sind jedenfalls etwas suspekt. Zu Beginn meint der Gehaltscoach noch: 'Gerade jetzt brauchen die Firmen Leistungsträger.' um später dann der persönlichen Leistung nur 10% an der Gehaltserhöhung zuzuschreiben. Wenn das das Fazit des Gehaltscoaches ist, na dann gute Nacht Deutschland: Leistung ist Nebensache, einfach Fresse aufreisen. Ich hoffe sehr, die Firmen sind schlauer und trennen sich dann rasch von den Dampfplauderern mit dem riesen Gehalt.
zynik 21.12.2009
2. Aggressionsbewältigungscoach
Zitat von sysopWie holt man trotz Krise mehr Gehalt raus? Und woran liegt es, dass manche Kollegen mehr verdienen, obwohl sie den gleichen Job machen? Im Interview verrät Gehaltscoach Martin Wehrle, warum antizyklisches Verhandeln und PR in eigener Sache sich auszahlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,667595,00.html
"Martin Wehrle, 39, war Manager, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde." - Nimmt solche Typen eigentlich noch irgendwer ernst? Ich habe vor scheinbar ewigen Zeiten noch gelernt, dass ehrliche und gute Arbeit sich durchsetzt, übertriebenes Eigenlob stinkt und Bescheidenheit ab und an eine Tugend ist. Aus dem vorigen Jahrhundert? Hmm, ich bin 36. Jetzt lese ich was von "laut schreien" und PR in eigener Sache als gehaltsfördernder Tugend. In Zeiten in denen in erster Linie die unseriösen Blender Karriere machen, sollte man sich nicht wundern, wenns den Bach runtergeht. Wenn ich solche Artikel lese, weiss ich, dass die sog. Krise keine wirtschaftliche, sondern eine kulturelle und ideologische Krise ist. Aber Hauptsache, ich kann mein popeliges Gehalt aufbessern. Oh Mann, ich brauch einen Aggressionsbewältigungscoach...
susannem1 21.12.2009
3. Frauen
Wie immer sind die Frauen selbst daran Schuld, wenn sie benachteiligt werden. Sie ssollten sich nur die gleichen Ellbogen wie die Männer zulegen. In Wirklichkeit gilt der gesamte Inhalt des Artikels für Frauen einfach nicht. Studien haben ergeben, dass Frauen, die um ihr Gehalt feilschen - gar nicht erst eingestellt werden.
Til 21.12.2009
4. Erkenntnis
Zitat von zynik"Martin Wehrle, 39, war Manager, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde." - Nimmt solche Typen eigentlich noch irgendwer ernst? Ich habe vor scheinbar ewigen Zeiten noch gelernt, dass ehrliche und gute Arbeit sich durchsetzt, übertriebenes Eigenlob stinkt und Bescheidenheit ab und an eine Tugend ist. Aus dem vorigen Jahrhundert? Hmm, ich bin 36. Jetzt lese ich was von "laut schreien" und PR in eigener Sache als gehaltsfördernder Tugend. In Zeiten in denen in erster Linie die unseriösen Blender Karriere machen, sollte man sich nicht wundern, wenns den Bach runtergeht. Wenn ich solche Artikel lese, weiss ich, dass die sog. Krise keine wirtschaftliche, sondern eine kulturelle und ideologische Krise ist. Aber Hauptsache, ich kann mein popeliges Gehalt aufbessern. Oh Mann, ich brauch einen Aggressionsbewältigungscoach...
Das nehmen nicht nur Sie so war. Ich schließe mich Ihrem Beitrag Buchstabe für Buchstabe an. Es ist kaum auszuhalen. Grüße an uns alle.
bobby_mcgee 21.12.2009
5. Beratkartoffel an getretenem Quark
Zitat von sysopWie holt man trotz Krise mehr Gehalt raus? Und woran liegt es, dass manche Kollegen mehr verdienen, obwohl sie den gleichen Job machen? Im Interview verrät Gehaltscoach Martin Wehrle, warum antizyklisches Verhandeln und PR in eigener Sache sich auszahlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,667595,00.html
Merke: Coaching ist Entwicklungshilfe auf der Metaebene, vergleichbar mit Supervision. Bei einer beratenden Tätigkeit rund um die eingegrenzte Materie Gehaltsermittlung kann man mit viel Wohlwollen bestenfalls von Consulting sprechen, also Beratung durch einen Fachmann mangels eigener Fähigkeit. Schon allein die Tatsache aber, dass der Mann sich selbst als Coach betitelt, beweist also, dass er nur ein Maulheld ist.
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