Gehaltspoker "Wer nie fragt, wird nie mehr Geld bekommen"

Trotz Wirtschaftskrise satte Lohnerhöhungen - das ist nicht unmöglich. Im Interview erklärt Gehaltsexperte Tim Böger, wer mehr verlangen kann und wie man den Abwehrpanzer des Chefs geschickt knackt. Plus: Die zehn schlimmsten Fehler im Gehaltspoker.


Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise lässt bei vielen deutschen Arbeitnehmern die Hoffnung auf ein höheres Einkommen platzen. Umfragen zufolge steigen die Gehälter in diesem Jahr nur um 2,1 Prozent. Viele Fach- und Führungskräfte müssen aber gerade wegen der allgemeinen Sparwelle in den Unternehmen härter arbeiten und fragen sich bisweilen, ob sie für diesen Mehreinsatz nicht mehr Gehalt verlangen können. Gehaltsexperte Tim Böger erklärt im Interview, wie es mit der Gehaltserhöhung trotzdem klappen kann.

Frage: Herr Böger, muss man es sich im Angesicht der Krise generell verkneifen, beim Boss nach mehr Geld zu fragen?

Böger: Es ist ja nicht überall Krise. Bei Autoherstellern ist es jetzt sicher nicht der richtige Moment, um mehr Geld zu fordern. Allerdings gibt es auch Branchen, die noch gut laufen, zum Beispiel die Lebensmittel- oder die Gesundheitsbranche.

Frage: Wie lässt sich der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung finden?

Böger: Ein guter Zeitpunkt ist das jährliche Leistungsgespräch, das meist im Herbst stattfindet. Allerdings bitten dann natürlich auch viele andere Mitarbeiter den Vorgesetzten um eine Gehaltserhöhung. Sinnvoll ist es daher, seinen Gehaltswunsch schon etwas früher zu äußern, damit man der erste in der Reihe ist, der das Thema anspricht. Wichtig ist auch, die Gesamtlage des Unternehmens im Auge zu behalten, damit man nicht gerade dann um mehr Geld bittet, wenn sich das Unternehmen wegen schlechter Auftragslage gerade im Abschwung befindet.

Frage: Wie hoch darf die Forderung nach einer Gehaltsverbesserung sein?

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Vorsicht Falle: Die zehn schlimmsten Fehler im Gehaltspoker

Böger: Im aktuellen Unternehmen kennt man ja Ihre Gehaltsentwicklung, da sind also keine allzu großen Sprünge drin. Fünf Prozent mehr sind da realistisch, bei zehn Prozent mehr wird's schon schwierig. 30 Prozent mehr können Sie nur fordern, wenn sie wie die Flugzeugpiloten eine starke Lobbyorganisation im Rücken haben. Wie hoch die Forderung ausfällt, hängt vor allem davon ab, wo man steht. Wer schon ein gutes Gehalt bezieht, hat weniger Spielraum; wer nachweislich am unteren Ende des Gehaltsgefüges rangiert hat mehr Spielraum. Wichtig ist vor allem eine realistische Einschätzung der eigenen Leistung.

Frage: Ist es zwingend notwendig, mehr Leistung und mehr Aufgaben vorzuweisen, um mehr Gehalt fordern zu können?

Böger: Nicht unbedingt, ein gutes Argument ist auch der Zuwachs an Erfahrung, der einen in die Lage versetzt, seine Aufgaben effektiver zu erledigen.

Frage: Was tun, wenn der Chef mit dem beliebten Spruch kommt, er selbst würde eine Gehaltserhöhung ja durchaus befürworten, kriege das aber bei seinem Vorgesetzten wiederum leider nicht durch?

Böger: Dieses Argument ist natürlich nur vorgeschoben und bedeutet letztlich nur, dass der Chef die Leistung seines Mitarbeiters lediglich als durchschnittlich einschätzt. Wenn er wirklich will, kriegt er die Gehaltserhöhung auch durch. Insofern ist es natürlich auch wichtig, die Position des eigenen Vorgesetzten richtig einzuschätzen. Steht er unter Druck? Hat er einen guten Stand bei der Geschäftsleitung?

Frage: Wie reagiert man auf das andere Standardargument, dass das interne Gehaltsgefüge und die Gehälter bei den relevanten Wettbewerbern leider keine Erhöhung zulassen?

Böger: Es ist ein Trugschluss, dass der Chef immer so gut Bescheid weiß, was woanders gezahlt wird. Wer sich für die Gehaltsverhandlung gut präparieren will, kann zum Beispiel bei uns für knapp 30 Euro eine individuelle Gehaltsanalyse erstellen lassen, die exakt die Gehaltsspanne nennt, die für seine Position am Markt bezahlt wird. Wenn es allerdings wirklich so ist, dass das Wunschgehalt nicht zum internen Gehaltsgefüge passt, ist das womöglich der Zeitpunkt, um über einen Arbeitsplatzwechsel nachzudenken.

Frage: Welche Strategie verfolgt ein Vorgesetzter typischerweise beim Gehaltsgespräch? Wird er immer versuchen, eine Forderung von zum Beispiel zehn Prozent Plus auf die Hälfte zu drücken?

Böger: Jeder Vorgesetzte verfügt in der Regel über einen bestimmten Gehaltsrahmen, der sich an der Vergütungspolitik des Unternehmens orientiert. Die meisten Unternehmen haben eine klare Position zur Höhe der Gehälter und zahlen zum Beispiel den Durchschnitt der in der Branche üblichen Gehälter. Manche Unternehmen bezahlen aber auch ausdrücklich Gehälter, die über dem Marktdurchschnitt liegen, um auf diese Weise gute Leute anzulocken. Das gibt dann den Rahmen vor, in dem sich eine mögliche Gehaltsverbesserung bewegt.

Frage: Wie lange muss man warten bis zum nächsten Gespräch über eine Gehaltserhöhung?

Böger: Man darf es natürlich nicht übertreiben und jedes halbe Jahr beim Chef auf der Matte stehen. Andererseits gilt auch: Wer nie fragt, wird auch nie mehr Geld bekommen. Der bestbezahlte Mitarbeiter ist jedenfalls bestimmt derjenige, der öfter mit seinem Chef übers Gehalt spricht.

Frage: Was können Berufseinsteiger tun, um schon beim Start in den Job möglichst viel herauszuholen?

Böger: Da sind die Spielräume gering, weil die meisten Unternehmen klare Spannen für Einsteiger festgelegt haben. Grundsätzlich sind die Gehälter bei Konzernen höher als bei Mittelständlern. Wichtig ist es, darauf zu achten, sich beim Berufseinstieg nicht zu billig zu verkaufen. Das Einkommensniveau vom Berufsstart bestimmt schließlich in den späteren Jahren den Bezugspunkt für Gehaltsverbesserungen.

Gehaltsreport 2009: Willkommen zur großen Gehaltsumfrage!

Das Interview führte Claus G. Schmalholz, manager magazin

insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
Fabian G, 13.08.2009
1. pha
Zitat von sysopTrotz Wirtschaftskrise satte Lohnerhöhungen - das ist nicht unmöglich. Im Interview erklärt Gehaltsexperte Tim Böger, wer mehr verlangen kann und wie man den Abwehrpanzer des Chefs geschickt knackt. Plus: Die zehn schlimmsten Fehler im Gehaltspoker. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,641988,00.html
hab mal ne fette gehaltserhöhung bekommen ohne zu fragen. so what. immer diese überflüssigen management ratschläge.
Daniel Freuers, 13.08.2009
2. Mehr Geld geht immer
Tim Böger "30 Prozent mehr können Sie nur fordern, wenn sie wie die Flugzeugpiloten eine starke Lobbyorganisation im Rücken haben. Wie hoch die Forderung ausfällt, hängt vor allem davon ab, wo man steht. Wer schon ein gutes Gehalt bezieht, hat weniger Spielraum; wer nachweislich am unteren Ende des Gehaltsgefüges rangiert hat mehr Spielraum. Wichtig ist vor allem eine realistische Einschätzung der eigenen Leistung" Der letzte Satz ist der beste: mit einer realistischen Einschätzung der Situation(!) steht und fällt der Verdienst. Klaro kann ich 30 % mehr fordern. Ich kann sogar 80 % mehr fordern, wenn die Voraussetzungen stimmen. Die Voraussetzungen stimmen immer dann wenn das Angebot auf dem Arbeitsmarkt für eine Leistung wie die meine knapp ist und wenn mein Brötchengeber mit meiner "unverschämten" Gehaltsforderung immer noch Geld verdient. Das ist immer Abwegungssache. Ist mein Gehaltsentscheider selber Angestellter, hat der z.B. einen ganz anderen Fokus, als ein unabhängiger Chef. Wer Vorgesetzte Entscheider im Angestellten Verhältnis hat und wesentlich mehr verdienen möchte ist gut beraten sich immer einen neuen Brötchengeber zu suchen. Die Leistung kann noch sogut sein, der Arbeitmarkt schlecht für die Firma, aber der angestellte Personaler der Firma wird immer erst seine Qualitäten, seine Kompetenzen einschätzen und vor seinen Vorgesetzen sichern, als das er an andere Angestellte oder gar an die Produktivität für die Firma denkt. Soetwas ist mir in 25 Berufsjahren nämlich noch nie unter gekommen. Jeder denkt erstmal an sich, und dann kommen andere dran. Wer den Markt stetig beobachtet, sich immer weiterbildet und ganz wichtig, in der Lage ist sein Selbst adäquat zu verkaufen, wird IMMER, auch in schlechten Zeiten größere Gehaltserhöhungen einstreichen.
e-ding 13.08.2009
3. ...
Zitat von Fabian Ghab mal ne fette gehaltserhöhung bekommen ohne zu fragen. so what. immer diese überflüssigen management ratschläge.
Als Beamter bekommt man die halt, ohne zu fragen. ;)
xoxox 13.08.2009
4. Funktion "Automatische Überschrift" fehlt.
Zitat von Fabian Ghab mal ne fette gehaltserhöhung bekommen ohne zu fragen. so what. immer diese überflüssigen management ratschläge.
Dem möchte ich zustimmen. Auch mein Chef spricht von sich aus regelmäßig in den Jahresgesprächen die Gehaltsfrage an. Ein "Schachern" oder Tips/Tricks sind völlig unnötig. Mein Chef weiss welche Leistungen ich bringe und wieviel Gewinn das Unternehmen durch mich macht. Es ist in seinen ureigensten Interesse mich zu halten und spielt deswegen mich offenen Karten. Man darf seinen Chef nicht als den "bösen Mann" sehen, der den armen Arbeiter eh nur unterdrücken will. Mein Chef ist mein Kollege, wir arbeiten beiden für dasselbe Unternehmen und handeln dementsprechend. Für psychologische Spielchen haben wir beide nichts über.
Daniel Freuers, 13.08.2009
5. Schön blöd
Zitat von xoxoxDem möchte ich zustimmen. Auch mein Chef spricht von sich aus regelmäßig in den Jahresgesprächen die Gehaltsfrage an. Ein "Schachern" oder Tips/Tricks sind völlig unnötig. Mein Chef weiss welche Leistungen ich bringe und wieviel Gewinn das Unternehmen durch mich macht. Es ist in seinen ureigensten Interesse mich zu halten und spielt deswegen mich offenen Karten. Man darf seinen Chef nicht als den "bösen Mann" sehen, der den armen Arbeiter eh nur unterdrücken will. Mein Chef ist mein Kollege, wir arbeiten beiden für dasselbe Unternehmen und handeln dementsprechend. Für psychologische Spielchen haben wir beide nichts über.
Würde ich als Chef auch machen. So gibt es jedes jahr für die Angestellten ein paar Prozentchen mehr. Dafür wird ordentlich Druck aufgebaut, mehr Überstunden eingefordert und am Ende gibt es eben 100 Euro brutto (natürlich brutto) mehr. So kommt eben keiner dieser ewig gierigen Angestellten auf die dumme Idee mehr Geld, und damit meine ich angemessen mehr Geld zu verlangen, denn der Chef nimmt seinen Angestellten rechtzeitig den Wind aus den Segeln.
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