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Gehaltsreport Juristen Gutes Examen, gutes Geld

Den besten Jura-Absolventen steht die Berufswelt offen. Wer kein Prädikatsexamen vorweisen kann, muss dagegen sehen, wo er bleibt. Der neue Gehaltsreport zeigt, was Juristen in Kanzleien und Unternehmen verdienen.

Jahr für Jahr beenden etwa 11.000 examinierte Juristen ihre Ausbildung und drängen auf den Arbeitsmarkt. Wie in kaum einem anderen Studienfach spielt die Examensnote eine entscheidende Rolle für die weitere berufliche Karriere. Jura-Absolventen mit Prädikatsexamen können sich aussuchen, ob sie bei einer der großen Anwaltskanzleien, bei einem Unternehmen oder doch lieber beim Staat arbeiten wollen.

Doch längst nicht jeder Jurist findet nach dem Examen eine gut bezahlte Stelle. Wer nicht zur Elite gehört, muss sehen, wo er bleibt.

Vor Augen haben die meisten Absolventen eine Tätigkeit in einer großen, renommierten Kanzlei. Fast ein Drittel der vom Trendence-Institut in Kooperation mit dem Karrierenetzwerk e-fellows.net befragten Jurastudenten gab an, ihre Karriere in Großkanzleien beginnen zu wollen. Kein Wunder, denn hier werden auch die höchsten Gehälter gezahlt. So kommen Berufseinsteiger in größeren Kanzleien nach einer Auswertung der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt auf rund 55.400 Euro im Jahr.

Nach oben hin gibt es aber bereits beim Karrierestart keine Grenzen. Ein Viertel aller Berufsanfänger verdient nach den PersonalMarkt-Gehaltsdaten bereits 70.000 Euro im Jahr - und mehr. Und auch das gibt es: Top-Absolventen mit Prädikatsexamen, Zusatztitel und perfekten Englischkenntnissen, die schon beim Einstiegsgehalt die Schallmauer von 100.000 Euro durchbrechen.

Lockruf der Megakanzleien

Es sind vor allem transatlantische Megakanzleien, die mit derart attraktiven Gehältern, internationalem Flair und schnellen Karrierechancen locken. Die Kehrseite der Medaille: Arbeitswochen mit 60 und mehr Stunden. Wer den Einstieg aber einmal geschafft hat, kann mit weiteren jährlichen Gehaltssteigerungen und üppigen Erfolgsbeteiligungen rechnen. Anwälte mit entsprechender Berufspraxis kommen so durchaus auf Jahresbruttogehälter, die im hohen sechsstelligen Bereich liegen.

Davon kann die Masse der Jura-Absolventen nur träumen. Über 90 Prozent aller zugelassenen Anwälte in Deutschland arbeiten nicht in solchen "Law Firms", sondern in kleinen oder mittelständischen Kanzleien. Und während sich Großkanzleien bei den Einstiegsgehältern mitunter gegenseitig übertrumpfen, sind kleinere Kanzleien deutlich zurückhaltender. Das Einstiegsgehalt in einer Kanzlei mit bis zu 20 Mitarbeitern liegt laut PersonalMarkt gerade einmal bei 35.100 Euro.

Gutes Geld für Unternehmensjuristen

Doch das Arbeiten in einer kleineren Kanzlei hat durchaus Vorteile: "Man hat sehr früh einen direkten und intensiven Kontakt zu den Kunden und arbeitet freier und selbständiger", sagt Jurist Torsten Lemke, "das bezieht sich auch auf die Arbeitszeiten."

Lemke arbeitet als Anwalt für Arbeits- und Gesellschaftsrecht und ist darüber hinaus auch Gesellschafter einer Unternehmensberatung. "Anwälte müssen sich zunehmend dem Dienstleistungsmarkt stellen und ihr Leistungsspektrum erweitern", sagt er. Und mehr Geld verdient er dadurch auch.

Wer nicht in eine Großkanzlei einsteigt, kann auch in den Rechtsabteilungen großer Unternehmen gutes Geld verdienen. So wie Ariane Witt, Justiziarin bei einem norddeutschen Handelsunternehmen aus der Lebensmittelbranche. "Zunächst habe ich bei einem Verband gearbeitet, erst dann bin ich in die freie Wirtschaft gegangen." Nicht des Geldes wegen, sagt sie, sondern wegen der vielfältigen Aufgaben und der langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten. Witt: "Außerdem war ich viel näher dran an allen unternehmerischen Entscheidungen."

Die Gehälter von Konzernjuristen können zwar nicht mit den Salären der Partner großer Sozietäten mithalten, aber die hauseigenen Juristen werden auch ordentlich entlohnt. Entscheidenden Einfluss auf das Einkommen hat vor allem die Branche. Gehaltsunterschiede gibt es bereits beim Berufseinstieg. Versicherungen beispielsweise zahlen dem juristischen Nachwuchs rund 40.000 Euro im Jahr, in der Automobilindustrie sind es rund 54.000 Euro.

Viel Verantwortung, viel Geld

Unabhängig von der Branche werden sehr gute Rechtskenntnisse, hohe kommunikative Fähigkeiten und Verständnis für wirtschaftliche und technische Zusammenhänge erwartet. Denn längst nicht immer stehen nur juristische Aspekte im Vordergrund: "Oft genug geht es ganz pragmatisch um das Erreichen von Unternehmenszielen", sagt Ariane Witt.

Wer viel Geld verdienen möchte, sollte Verantwortung übernehmen. Denn die zahlt sich fast immer aus. Wer beispielsweise als Syndikus, also Unternehmensjurist, in der Pharmaindustrie bei einer Firma mit 500 oder mehr Angestellten arbeitet und Führungskraft ist, kommt auf 113.500 Euro pro Jahr. Spitzenverdiener in dieser Kategorie erreichen sogar Gehälter von 126.000 Euro jährlich und höher.

Unternehmensjuristen können zwar nicht mit den Top-Verdienern in den Top-Kanzleien mithalten, aber sie verdienen viel - viel mehr als das Gros aller Rechtsanwälte, deren Daten PersonalMarkt ausgewertet hat.

"Mit einem Jurastudium kann man immer noch viel anfangen", so Torsten Lemkes Fazit. Und tatsächlich ist die Begeisterung fürs Jurastudium ungebrochen. Wer jedoch bei den Staatsexamina nicht deutlich überdurchschnittlich abschneidet, muss sehen, wo er bleibt. Juristen mit mittleren oder schlechten Noten konkurrieren häufig mit den Absolventen anderer Studiengänge um die besten Jobs - und verkaufen sich nicht selten unter Wert, um überhaupt eine Stelle zu bekommen.

Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

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