Gehaltsreport Unternehmensberater Viel Arbeit, viel Geld, flotter Wechsel

Sie wissen alles besser, können nichts richtig - und kassieren Riesenhonorare dafür. Wirklich? Die Beraterbranche erwartet großen Einsatz. Wer den nicht zeigt, fliegt schnell raus. Der neue Gehaltsreport zeigt, welche Gehälter Consultants nach Hause tragen.


Am Montagmorgen mit dem ersten Flieger zum Kunden, am Donnerstagabend spät zurück. Berater, die um 17 Uhr nach Hause zur Familie fahren, sind nur schwer vorstellbar. "Das ist kein 40-Stunden-Job - man ist viel unterwegs, und bei Engpässen wird schon mal abends und an den Wochenenden gearbeitet", erzählt Timo Krüger*, Unternehmensberater aus Frankfurt.

Vergoldeter Job: Consultants verdienen gut, sind aber auch immer auf Achse
[M]mm.de

Vergoldeter Job: Consultants verdienen gut, sind aber auch immer auf Achse

Dennoch liebt er seinen Beruf: Sich in kurzer Zeit in neue Themen und Arbeitsfelder einzuarbeiten und mit unterschiedlichen Kunden aus unterschiedlichen Branchen zusammenzuarbeiten - das macht für ihn den Reiz des Beraterberufes aus. "Und es ist auch nicht so, dass man rund um die Uhr im Büro des Kunden sitzt", so Krüger.

Die Beraterbranche verlangt viel. Aber sie zahlt auch gut. Die Einstiegsgehälter für den Beraternachwuchs liegen nach einer aktuellen Auswertung von PersonalMarkt zwischen 44.950 Euro und 52.600 Euro brutto jährlich - je nach Unternehmensgröße. Größere Unternehmen zahlen Neueinsteigern in der Regel mehr als kleinere Firmen.

Chancen nicht nur für Ökonomen

Doch längst nicht jeder Bewerber schafft den Sprung in eine der renommierten, global agierenden Top-Beratungsfirmen wie McKinsey, Roland Berger, Boston Consulting Group oder Accenture - von denen es ohnehin nur eine Handvoll gibt.

Das Gros der Berater arbeitet bei einer der unzähligen kleineren oder mittelständischen Beratungsfirmen, die die Branche prägen. Bei Unternehmensberatungen, deren Namen keiner kennt und bei denen längst nicht so üppige Gehälter gezahlt werden. Und so ist die Spanne der Gehälter bereits beim Berufsstart groß: Einsteiger bekommen - je nach Firmengröße, Qualifikationen und Verhandlungsgeschick - zwischen 40.800 Euro und mehr als 60.000 Euro.

Nahezu alle Consultants, deren Daten ausgewertet wurden, haben studiert. Gefragt sind aber nicht nur Wirtschaftswissenschaftler: Grundsätzlich können Absolventen aller Fachrichtungen eine Karriere in der Beraterbranche einschlagen.

Top-Gehälter für Naturwissenschaftler

Am besten bezahlt werden jedoch Naturwissenschaftler. Sie erzielen bei Unternehmensberatungen Einstiegsgehälter in Höhe von rund 60.000 Euro jährlich. Damit verdienen sie deutlich mehr als Juristen (53.000 Euro) oder Ingenieure, Informatiker und Betriebswirte (rund 47.000 Euro), die in die Beratungsbranche einsteigen.

Ist der Einstieg geschafft, geht es auf strikt vorgezeichnetem Karriereweg weiter. Trotz vieler Zwischenstufen mit teilweise verwirrenden Titeln ist das Prinzip immer ähnlich: Vom Junior-Berater über den Senior-Berater bis hin zum Partner - so verläuft der klassische Weg auf der Karriereleiter.

Parallel dazu entwickeln sich die Gehälter: Junior-Berater mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung verdienen, je nach Unternehmensgröße, zwischen 60.000 Euro und 67.750 Euro im Jahr. Senior-Berater mit fünf und mehr Jahren Berufserfahrung erzielen Jahresbruttogehälter zwischen 80.000 Euro (in kleineren Unternehmen) und 83.700 Euro (bei großen Unternehmensberatungen).

Ewig lockt die Industrie 

Auf dem Weg nach oben wird indes gnadenlos gesiebt. Wer sich in der vorgegebenen Zeit nicht so entwickelt, wie die Firma sich das vorstellt, muss gehen. "Up or out", auf- oder aussteigen, so lautet die Branchenregel. Das Wichtigste dabei ist eine gute Performance: "Wer beim Kunden gezeigt hat, dass er was kann, wer gute Bewertungen bekommt, empfiehlt sich für weitere Projekt", so Timo Krüger.

Wer lange aufs nächste Projekt warten muss, macht sich dagegen geradezu verdächtig. Und so gibt es nicht wenige, die einen solchen ständigen Zeit- und Leistungsdruck nicht mehr wollen. Viele Berater wechseln auf durchaus attraktive Posten in der Industrie: "Nicht selten werden sie direkt von einem Kunden abgeworben", erzählt Krüger.

Wer bleibt und mehr Verantwortung übernimmt, kann sich über rasant steigende Gehälter freuen: Partner bei Unternehmensberatungen erzielen Gehälter zwischen 133.000 und 216.000 Euro jährlich - je nach Größe des Beratungsunternehmens. Geradezu traumhafte Höhen erreichen die Gehälter der Spitzenverdiener in dieser Klasse: Ein Viertel der in großen Beratungsgesellschaften tätigen Partner verdient über 350.000 Euro im Jahr.

Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

(*Name geändert)



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.