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Gehaltsreport Was Bachelor und Master wirklich wert sind

Immer mehr Absolventen mit Bachelor- und Masterabschlüssen drängen auf den Arbeitsmarkt. Was die Wirtschaft davon hält, mendelt sich allmählich heraus. Die aktuelle Gehaltsanalyse in der SPIEGEL-ONLINE-Serie zeigt: Der angelsächsische Karriereturbo zündet nicht nur in Sachen Weltoffenheit, sondern auch beim Einkommen.

"Nein, nein", wehrt Gesine Richter, 27, ab, "ich habe nicht an einer Berufsakademie studiert." Und setzt an, um zu erklären, was genau sich hinter ihrem Studium der internationalen Betriebswirtschaft mit dem Abschluss "Bachelor of Arts" (kurz: "BA") verbirgt. Leider, so Gesine Richter, werde die Abkürzung "BA" häufig schlicht mit "Berufsakademie" übersetzt. Auch von Arbeitgebern. Kein Einzelfall, sondern eher frustrierende Realität für viele deutsche Bachelorabsolventen.

Dabei sind Diplom und Magister eigentlich schon fast passé. Denn nach dem Beschluss der europäischen Bildungsminister sollen in ganz Europa nach Struktur und Qualität vergleichbare Studienabschlüsse eingeführt werden: Bachelor und Master heißen die beiden international geläufigen Abschlüsse, die aufeinander aufbauen.

Mehr Verwirrung als Transparenz

Ziel des Bachelor-Studiums ist es, eine breite Befähigung für verschiedene Tätigkeiten und Berufsfelder und zugleich die Basis für weiterführende Master-Studiengänge zu vermitteln. Mit dem Bachelor ist in den meisten Fächern ein Berufseinstieg bereits nach drei bis vier Jahren möglich - oder man bewirbt sich anschließend um die Aufnahme in einen ein- bis zweijährigen Masterstudiengang.

Für die deutschen Universitäten und Fachhochschulen bedeuten die neuen Studiengänge eine riesige Umwälzung. Sie versprechen ein schnelleres Studium und bessere Berufschancen; zugleich sollen sie auch die Abbrecherquoten senken helfen und den fliegenden Wechsel ins Ausland und zurück erleichtern.

In jüngster Zeit hat das Studienmodell an fast allen deutschen Hochschulen Einzug gehalten . Im Wintersemester 2004/2005 werden laut Hochschulrektorenkonferenz an deutschen Hochschulen bereits insgesamt 1253 Bachelor- und 1308 Master-Studiengänge angeboten. Das entspricht fast einem Viertel aller Studiengänge.

Bei vielen Studenten und Arbeitgebern schaffen die neuen Bezeichnungen allerdings mehr Verwirrung als Klarheit. Es gibt reichlich Namen für die Abschlüsse: Bachelor/Master of Arts, Bachelor/Master of Science, Bachelor/Master of Engineering und Bachelor/Master of Law. Hinzu kommen zahlreiche weitere mögliche Abschlüsse wie Bachelor/Master of Computer Science (in der Informatik), Bachelor/Master of Public Administration (in den Verwaltungswissenschaften), Bachelor/Master of Social Work (in der Sozialarbeit) oder Bachelor/Master of Design (im Grafikbereich).

Wenig transparent ist der tatsächliche Qualifikationsstand dieser Absolventen. Zwar haben sich große deutsche Unternehmen kürzlich erstmals zu einem gemeinsamen Plädoyer für das neue Studienmodell durchgerungen. Aber mal offen, mal hinter vorgehaltener Hand gibt es in der Wirtschaft wie an den Unis dennoch starke Vorbehalte - nicht selten ist von "Schmalspurstudium", "Dünnbrettbohrern" oder "Etikettenschwindel" die Rede. Wer seinen Bachelor- oder Masterabschluss an einer deutschen Hochschule gemacht hat und nicht gerade bei einem der so genannten Global Player einsteigt, muss immer noch auf hartnäckige Vorurteile gefasst sein.

Weltoffenheit ist Pflicht

Ganz andere Erfahrungen hat Roland Genz, 35, gesammelt: Er hat zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bayreuth studiert. Um einen MBA (Master of Business Administration) zu machen, ist er für ein Jahr nach Los Angeles gegangen. "Davon habe ich nicht nur persönlich sehr profitiert, der Abschluss und die damit verbundenen Erfahrungen und Kenntnisse haben mir beim Sprung ins internationale Management sehr geholfen", erzählt Genz.

So wie Roland Genz machen es die meisten: Sie studieren zunächst in Deutschland, absolvieren ein Masterstudium im Ausland und kommen dann zum Arbeiten zurück - quasi mit einer Doppelqualifikation. Viele Arbeitgeber trauen einem im Ausland erworbenen Bachelor- oder Masterabschluss offenbar mehr als dem gleichen Abschluss "made in Germany".

Mit mehr Berufserfahrung liegt der Master vorn

"Wer sich von vornherein für ein Bachelor- oder Masterstudium entscheidet, ist meist sehr weltoffen und schaut über den Tellerrand", weiß Tim Böger, Geschäftsführer der Vergütungsberatung PersonalMarkt, der die Gehälter seit Jahren beobachtet. Und noch etwas kommt laut Böger hinzu: "Absolventen von Bachelor- und Masterstudiengängen können sich meist besser verkaufen."

Da wundert es nicht, dass es die Mehrheit der Bachelor- und Masterabsolventen in große, meist international tätige Unternehmen zieht: Gut zwei Drittel aller Bachelor- und Masterabsolventen arbeiten in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter. Dagegen arbeiten nur etwa 60 Prozent aller Universitätsabsolventen in ähnlich großen Unternehmen, sogar nur die Hälfte aller Fachhochschulabsolventen.

Bei den Gehältern zeigt sich zumindest bei den Einstiegsgehältern momentan noch ein relativ gleichberechtigtes Nebeneinander von klassischen und neuen Abschlüssen. Die Unterschiede bei den Einstiegsgehältern sind gering, wie PersonalMarkt ermittelte. Mit einem Fachhochschuldiplom in der Tasche kommt der Berufseinsteiger auf ein durchschnittliches Jahresbruttogehalt von 35.900 Euro, mit Universitätsdiplom auf 39.400 Euro. Ein Bachelor bringt ein Einstiegsgehalt von durchschnittlich 34.600 Euro, ein Master rund 39.700 Euro.

Flexibler auf den Arbeitsmarkt

Nach zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung prescht der Masterabsolvent allerdings vor: Er kann sein durchschnittliches Gehalt auf 49.800 Euro steigern. Der Universitätsabsolvent mit Diplom kommt auf ein durchschnittliches Jahresgehalt von 47.500 Euro, der FH-Absolvent auf rund 42.000 Euro und der Bachelor auf 40.300 Euro. Dieser Trend setzt sich nach fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung fort.

Zu beachten ist dabei allerdings, dass es bisher recht wenige Bachelor- und Masterabsolventen gibt, die ihre akademische Ausbildung komplett in Deutschland absolviert haben. Die Studiengänge sind an den meisten Hochschulen noch jung und entlassen erst allmählich ihre Studenten ins Berufsleben. Welche Chancen oder Startprobleme gerade Bachelor-Absolventen in kleinen und größeren Unternehmen sowie im öffentlichen Dienst tatsächlich haben, wird sich erst richtig zeigen, wenn sie in größerer Zahl auf den Arbeitsmarkt drängen.

Dennoch: Bei allen Vorbehalten zeigen die ersten Erfahrungen, dass die Bachelor- und Masterabsolventen nicht schlecht verdienen. Und noch etwas zeichnet sie aus - sie sind flexibler auf dem Arbeitsmarkt. Auch mit dem bereits berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss können die "grundlagengeschulten Generalisten" einen guten Job ergattern. Gibt es gerade keine guten Jobs, hängen sie einfach einen Masterstudiengang an das erste Studium dran. Und sogar nach einer Phase der Berufstätigkeit kann ein Bachelor für eine wissenschaftliche Weiterbildung an die Hochschule zurückkehren.

Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

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