Gehaltsreport Wirtschaftswissenschaften Was Berufseinsteiger verdienen

Die Frage nach dem Gehalt wirft Bewerber leicht aus der Bahn. Zu hoch pokern, zu tief stapeln - beides ist Gift für die Karriere. Der neue Gehaltsreport zeigt, was Firmen Absolventen ökonomischer Studiengänge zahlen. In der Luftfahrt geht es besonders hoch hinaus.


Sie sind begehrt. Kein Wunder, denn Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fächer sind echte Allrounder - und flexibel einsetzbar. Anke Peters* hatte den unterschriebenen Arbeitsvertrag bereits kurz nach der letzten Prüfung zur Diplom-Kauffrau (FH) in der Tasche: Direkteinstieg in der Researchabteilung einer großen Unternehmensberatung. Sie ist sicher: "Der Abschluss zusammen mit der entsprechenden Praxis hat den Zugang auf jeden Fall erleichtert."

Berufsstart: Hoffnung auf das große Geld
[M]mm.de

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Dass sich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften lohnt, zeigt eine aktuelle Studie der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt. Berufseinsteiger starten demnach mit einem Jahresgehalt von knapp 37.000 Euro brutto. Bei zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung liegt das Gehaltsniveau bei rund 43.200 Euro. Wer fünf und mehr Jahre Berufserfahrung hat, verdient rund 52.300 Euro.

Dabei handelt es sich um den sogenannten Median, der von Extremwerten am oberen und unteren Ende der Einkommensskala nicht beeinflusst wird - in der Rangreihe sind jeweils 50 Prozent aller Werte höher oder niedriger als der Median.

Diplom oder Master?

Bislang muss sich jeder angehende Wirtschaftsstudent noch mit der Frage quälen, welcher Abschluss wohl die bessere Wahl sei - das klassische Diplom oder der Bachelor-Titel plus ein darauf aufbauender Master-Abschluss. Die von PersonalMarkt ausgewerteten Daten zeigen zunächst einmal keinen Unterschied zwischen Master und Diplom: Das Gehaltsniveau liegt bei einer Berufserfahrung von bis zu zwei Jahren bei knapp 40.000 Euro brutto jährlich.

Wiwi-Vergleich: Gehälter nach Abschluss und Berufserfahrung

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Die Zahlen ändern sich mit zunehmender Berufserfahrung. Ein Masterabsolvent mit fünf Jahren Berufserfahrung erreicht ein Jahresgehalt von rund 60.600 Euro, sein Kollege mit Diplom-Abschluss kommt auf 58.200 Euro.

Für dieses Gehaltsgefälle gibt es allerdings eine relativ einfache Erklärung: Wer bereits vor mehr als fünf Jahren ein Masterstudium abgeschlossen hat, hat dies in aller Regel im angelsächsischen Ausland erledigt - und musste dafür den Diplomabschluss einer deutschen Universität oder Fachhochschule als Zugangsvoraussetzung vorweisen. Daher sind fast alle berufserfahrenen Masterabsolventen automatisch mehrfach qualifiziert. Das spiegelt sich natürlich im Gehalt wider.

Von solchen Gehaltssteigerungen werden Absolventen, die heute einen deutschen Masterabschluss machen, wohl nicht mehr profitieren können. Fachhochschulabsolventen steigen der Auswertung zufolge übrigens mit 35.750 Euro jährlich ein, Bachelor-Absolventen mit 33.800 Euro. Nach fünf und mehr Berufsjahren verdienen FH-Absolventen dann rund 48.600 Euro, Bachelor-Absolventen 47.250 Euro.

Vergleich: Wiwi-Gehälter nach Branchen und Firmengröße

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Als Frank Wolters* sein Studium begonnen hat, gab es an deutschen Hochschulen noch gar keine angelsächsischen Abschlüsse. Der Hamburger beendete sein Studium der Volkswirtschaft daher mit einem klassischen Diplom und stieg als IT-Trainee bei einer Versicherung ein.

Die höchsten Einstiegsgehälter erzielen nach der PersonalMarkt-Auswertung jedoch Berufsanfänger, die bei Unternehmen aus der Luftfahrt einsteigen. Hier liegt das Jahresbruttogehalt von Berufseinsteigern mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung bei rund 42.300 Euro jährlich. Zu den Top-Branchen in Sachen Gehalt gehören auch Beratungsunternehmen und Banken. Einsteiger mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung kommen hier auf Jahresbruttogehälter von 41.500 (Beratung) und 40.600 Euro (Bank) jährlich.

Große Firmen zahlen deutlich besser

Frank Wolters hat später ganz in den Bereich IT-Consulting gewechselt: "Das hat sich beim Gehalt schon noch einmal deutlich bemerkbar gemacht." Zu den "Flop-Branchen" dagegen zählen die Touristikindustrie (30.000 Euro jährlich), der Bereich Werbung und PR (31.200 Euro) sowie Bildungsinstitute (31.250 Euro).

Erheblichen Einfluss auf das Gehalt hat die Unternehmensgröße. Grundsätzlich gilt: Je größer das Unternehmen, umso höher fällt das Gehalt meist aus. Wirtschaftswissenschaftler mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung erzielen in kleineren Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern Gehälter in Höhe von rund 33.300 Euro, in mittleren Unternehmen mit bis 1000 Mitarbeitern liegt das Gehaltsniveau bei 36.000 Euro, in großen Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern bei rund 40.000 Euro.

Mit wachsender Berufserfahrung verstärkt sich dieser Effekt. Wer zwei bis fünf Jahre Berufserfahrung hat, verdient in kleineren Firmen rund 38.000 Euro jährlich, in mittelgroßen rund 41.000 Euro und in Großunternehmen bereits 47.300 Euro.

Große Unternehmen zahlen aber nicht nur höhere Gehälter, sondern ihren Mitarbeitern fast immer auch umfangreichere Nebenleistungen. Wer eine Zeit lang im Ausland arbeiten möchte, sollte ebenfalls besser in einem Konzern anfangen. Allerdings sind in Konzernen meist auch die Anforderungen an Absolventen höher.

Trend zu variablen Gehaltsteilen

Ralf Huber* kennt beides. Als Assistent eines Vorstands trat er irgendwann auf der Stelle, weil es keine adäquate Anschlussposition gab. "Ich hatte das Gefühl, in eine echte Sackgasse geraten zu sein." Der Diplom-Kaufmann wechselte in eine mittelständische Unternehmensberatung. Beim Gehalt musste er zwar Abstriche machen, bereut hat er den Wechsel aber nicht: "Der Nachteil eines zunächst geringeren Verdienstes wurde ausgeglichen durch mehr Verantwortung, flachere Hierarchien und eine schnellere Entscheidungspolitik."

Das Gehalt kann auch durch variable Vergütungsbestandteile positiv beeinflusst werden. Rund ein Drittel aller Arbeitnehmer mit wirtschaftswissenschaftlichem Abschluss erhalten einen Teil ihres Gehalts in Form variabler Anteile. Bereits 23 Prozent aller Berufseinsteiger mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung bekommen einen Teil ihres Gehalts in Form von Prämien. Bei Arbeitnehmern mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung sind es bereits 36 Prozent, bei Arbeitnehmern mit über fünf Jahren Berufserfahrung 41 Prozent. Starre oder lineare Gehaltsentwicklungen, da sind sie die Gehaltsexperten einig, sind mehr und mehr passé.

Von Heike Friedrichsen, Personalmarkt.de

(* Name geändert)



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