Geisteswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt Denker, schlag Dich durch

Auf Mediävisten oder Gräzisten wartet niemand - solche Unkenrufe kennt jeder Geisteswissenschaftler. Tatsächlich leben viele von spärlichem Gehalt und arbeiten ohne festen Vertrag. Mehr Erfolg hat, wer früh an seinem Profil feilt und sich zutraut, als Einzelkämpfer zu bestehen.

Bibliothek als sicherer Hort: Nach dem Studium leben Geisteswissenschaftler oft prekär
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Bibliothek als sicherer Hort: Nach dem Studium leben Geisteswissenschaftler oft prekär


Geisteswissenschaftler haben von jeher schlechtere Chancen auf eine Festanstellung und ein stattliches Gehalt. Derzeit ist ihre Chance, ohne Job dazustehen, etwa anderthalbmal so groß wie die anderer Akademiker, auch verdienen sie fast ein Drittel weniger als diese.

Nach Auffassung der Unternehmensberaterin Maria Kräuter, die jetzt das Buch "Arbeitsmarktchancen für Geisteswissenschaftler" vorgelegt hat, wird die Wirtschaftskrise die Situation noch verschlechtern. Schon jetzt seien 30 Prozent der arbeitslosen Geisteswissenschaftler länger als ein Jahr auf Jobsuche; es werden ihnen zu wenige Festanstellungen angeboten.

Kräuter und ihre beiden Mitautoren Willi Oberlander und Frank Wießner empfehlen den Absolventen daher, sich von vornherein für ein Leben als Freiberufler zu wappnen. Ihnen zufolge ist der Weg in die Selbständigkeit nicht unbedingt eine Notlösung: Haben Freiberufler erst einmal Fuß gefasst und sich zum Beispiel als Journalisten oder Übersetzer etabliert, verdienen sie nach zehn Jahren mit etwa 49.000 Euro pro Jahr in etwa so viel wie ihre angestellten Ex-Kommilitonen und sind mit ihrer Tätigkeit ähnlich zufrieden.

Um sich für ein Leben als Einzelkämpfer zu rüsten und sich dann gegenüber anderen zu behaupten, komme es aber nun mehr denn je darauf an, ein klares Profil zu entwickeln. Es gilt, von Anfang an "gezielte Praktika" in einer klar umrissenen Branche zu absolvieren und sich damit für potentielle Auftraggeber zu empfehlen. Außerdem, sagt Kräuter, müssten Geisteswissenschaftler lernen, mit ihren "Skills" zu wuchern, zum Beispiel mit der in langen Studienjahren trainierten Recherchekompetenz und der Fähigkeit zum selbstverantwortlichen Arbeiten.

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"Vielen Absolventen fehlt es an Selbstbewusstsein", sagt Kräuter, die in ihrem Buch Tipps gibt, wie es auch Arbeitsmarkt-Exoten wie Mediävisten oder Gräzisten schaffen können, eine Nische in der Selbständigkeit zu finden - und ein Leben als Taxifahrer zu umgehen.



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