Mitarbeiter des Monats Wie ein Praktikant der Stadt Hagen fünf Millionen Euro sicherte

Kaffee kochen und kopieren? Michael Trampler durfte als Praktikant der Verwaltung von Hagen viel mehr - und dankte es der Stadt mit einem Geldsegen.

Student Michael Trampler
Fachhochschule Südwestfalen

Student Michael Trampler

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Ein Praktikum in der Stadtverwaltung von Hagen - puh, klingt ja nicht so aufregend. Für Michael Trampler war es das aber doch. Denn der 28-jährige Wirtschaftsstudent verschaffte der klammen Stadt Fördergelder in Millionenhöhe.

Dass Trampler ein Praktikum mit so vielen Möglichkeiten in der kommunalen Stadtverwaltung machen konnte, verdankt er einem Zusammentreffen von Hagens Oberbürgermeister und André Coners. Der Wirtschaftsprofessor von der Fachhochschule Südwestfalen wollte mehr Praxiserfahrung für seine Studenten und bot dem Bürgermeister an, dass sie die Stadt beim Prozessmanagement unterstützen könnten.

Seit zwei Jahren arbeiten nun ständig Studenten in der Verwaltung von Hagen. "Action Learning", nennt Coners das. In seinen Seminaren geht es viel um Lean Management und optimierte Prozesse. "Die Stadtverwaltung hat man da nicht unbedingt im Blick", sagt Trampler, der kurz vor seiner Masterarbeit steht.

Coners' hartnäckige Werbung fruchtete. In zwei längeren Praktikumsphasen durfte Trampler zusammen mit einem Kommilitonen das Fördermittelmanagement der westfälischen Stadt untersuchen und Verbesserungen vorschlagen. "Wir wussten vorher schon, dass Hagen im Vergleich zu anderen mittelgroßen Städten noch viel Potenzial hat", sagt Coners.

"Wir lernen von den Studenten"

Nach sechs Monaten waren die Schwachstellen benannt, in der nächsten Phase sollte es um die konkrete Antragstellung gehen. Praktikant Trampler sollte einen Fördermittelantrag vorbereiten, um eine ungenutzte Kirche in eine Kita umzubauen. "Ich bin kein Bildungs-, Sozial- oder Umweltexperte", sagt der zukünftige Wirtschaftsingenieur. "Ich war da völlig auf den Input von sechs verschiedenen Fachbereichen aus der Stadtverwaltung angewiesen."

Die aber hatten bisher bei Förderanträgen kaum zusammengearbeitet. "Die Studenten haben es geschafft, mit ihrer anderen Herangehensweise aus unseren Leuten noch ein bisschen mehr herauszukitzeln", lobt Personalchef Stefan Keßen. "Hier ist es definitiv so, dass nicht nur die Praktikanten von uns etwas lernen, sondern auch wir von den Praktikanten."

In zahllosen Gesprächen trug Trampler die benötigten Informationen aus den verschiedenen Abteilungen zusammen und schaffte es schließlich, dass der Antrag fristgerecht auf den Weg gebracht wurde.

Die Antwort kam an einem Freitagnachmittag in der Verwaltung an. Der Praktikant war schon aus dem Haus und auf dem Weg zur Hochzeit seiner Schwester. Als er montags wieder ins Büro kam, verstand er zunächst gar nicht, warum ihm alle gratulierten. "Ich dachte erst, das sei wegen der Hochzeit." Dann dämmerte ihm langsam: Der Antrag war genehmigt worden, fünf Millionen Euro Fördergelder für Hagen.

Die Stadt bot Trampler einen Zweijahresvertrag an, damit er weiterhin als Prozessoptimierer im Rathaus aktiv ist. Er griff gern zu. "Die Verwaltung ist aus Sicht des Prozessmanagements fast so etwas wie die Königsdisziplin", sagt er. Professor Coners nickt: "Die Verwaltung ist die härteste Nuss." Aber die Summe von fünf Millionen Euro sei in Zukunft nicht der Erfolgsmaßstab für Praktikanten: "Mir ist ein studentisches Team genauso lieb, das 10.000 Euro an Einsparungen ermöglicht oder für größere Bürgerzufriedenheit sorgt."



insgesamt 116 Beiträge
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multilateral 29.04.2016
1.
Das ein Praktikant einen Job erledigt, der den alteingesessenen (und hochbezahlten) zuständigen Beamten nicht gelingt, verwundert mich kaum.
HeinzPaul 29.04.2016
2. Action Fördern
Fördern kommt von fordern. Bleibt die Frage, was muss die Stadt Hagen, besser der Bürger ausgeben, um an die Fördergelder zu kommen? Der Fördermittelmanager nennt das wohl investieren. Leider schweigen die Beteiligten über die Folgekosten.
Marellon 29.04.2016
3. Traurig
Da hat also ein Student einer Stadtverwaltung gezeigt, wie man sich an einen Tisch setzt und miteinander redet. Gut vom Studenten. Traurig von der Stadtverwaltung. Aber es erstaunt mich nicht.
acitapple 29.04.2016
4.
Aus meiner Sicht haben die verantwortlichen Beamten ihr Pflichten also bisher sträflich vernachlässigt. Wieso bekommt ein fachfremder Student etwas hin, was vielen erfahrenen und hochbezahlten Beamten eben nicht gelingt ? Ist da irgendwo ein Bewußtsein bez. wirtschaftlichen Haushaltens vorhanden ? Ich bezweifele es stark. Nicht auszudenken wo die öffentliche Verwaltung sonst noch sparen könnte. Das war ja hier nur eine Stadt. Aber wozu zahle ich Steuern wenn nicht um hunderttausende Beamte zu beschäftigen ?
Dr.Watson 29.04.2016
5. .
Ich weiss jetzt nicht so recht, unter welche Rubrik ich diesen Bericht "abheften" soll - mache deinen Job ordentlich und berichte öffentlich maximal wirksam darüber? Soll dies nun Massstab sein, für all die so genannten "Depperten", die "nur" eine Lehre absolvieren, und trotz ihres vermeintlich "depperten Wesens" - praktische Fähigkeiten sind heute eher irrelevant, "alle" wollen Manager werden und kennen doch nicht mal den Waste-Manager - doch oftmals sinnvolle und kostensparende Veränderungen in ihrem Betrieb bewirken können?! Ich finde es zum ko**en, das über ehemalige Selbstverständlichkeiten, heute ein wahrhaft irrelevant "großes Faß" aufgemacht werden muß!
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