Herr der Homepages Zwischen Bio und Beepworld

Ein 21-jähriger Student der Uni Düsseldorf führt ein lukratives Doppelleben: Er leitet nebenher eine florierende Internet-Firma. Statt eines WG-Zimmers bewohnt er eine Maisonette-Wohnung, an die Uni fährt er mit dem Sportwagen.


David Finkenstädt ist ein ganz normaler Biologiestudent. Einer, der sich beim Zwiebelschalen-Zeichnen langweilt, Molekularbiologie hingegen ziemlich spannend findet. Einer, der schon am Ende des ersten Semesters herausgefunden hat, dass an der Düsseldorfer Universität die Partys der Chemiker, Biologen und Betriebswirte die besten sind.

Ein Durchschnittsstudent ist der 21-Jährige trotzdem nicht. Er haust nicht im engen WG-Zimmer, sondern bewohnt eine edle Drei-Zimmer-Maisonette beim Düsseldorfer Medienhafen - ausgestattet mit Designermöbeln, TV-Flachbildschirm und Hifi-Klang vom Feinsten.

Während seine Mitstudenten den Küchenboden mit Wasser und Feudel sauber halten müssen, leistet sich David einen teuren Roboter-Staubsauger fürs Parkett. Und wenn er sich auf den Weg zur Uni macht, holt er seinen silbernen BMW Z4 aus der Tiefgarage.

Der Biologiestudent ist Chef des Internet-Unternehmens Beepworld. Davids Webportal ist der größte deutsche Anbieter für kostenlose Homepages und zählt heute mehr als zwei Millionen User.

Täglich 2200 neue Nutzer

Wer sich unter www.beepworld.de anmeldet, kann sich mit ein paar Mausklicks seinen persönlichen Webauftritt basteln - ganz ohne Programmierkenntnisse. Beepworld bietet außerdem einen Live-Chat und verschiedene Foren, die von einer vorwiegend jugendlichen Online-Community eifrig genutzt werden, sowie einen SMS-Kennenlerndienst.

Zwischen zwei Bio-Seminaren zieht der Jungunternehmer öfter mal seinen Laptop aus dem Rucksack und schaut zu, wie die Zahl der Beepworld-Mitglieder weiter nach oben klettert: Täglich kommen etwa 2200 Nutzer hinzu.

Nach Vorlesungsschluss lenkt der Student dann seinen Flitzer zum Beepworld-Firmensitz in der Düsseldorfer Kaistraße. Umgeben von papierlosem Büro-Schick in Anthrazit macht sich David ans Programmieren, gut vier bis fünf Stunden täglich. Oder er führt Bewerbungsgespräche - gerade hat er seinen ersten Mitarbeiter angestellt.

Er selbst fing schon mit zehn Jahren an, "den Rechner spielerisch zu erkunden", wie er sagt. "Dynamite Dave", kurz "Ddave", lautete sein Nickname, unter dem er mit Freunden so manche Nacht durchzockte. Doch das Dasein als reiner User war Dynamite Dave schnell zu öde. Also baute er sich eine eigene Seite im Netz und bot diesen Dienst auch den Besuchern von "Ddave's Webpage" an. "Nach 200 von Hand gebauten Seiten habe ich mir gesagt: Jetzt reicht's!" Aus "reiner Faulheit" habe er irgendwann ein Programm geschrieben, mit dem sich der Homepage-Bau automatisieren lässt.

16-Jähriger mit Unternehmer-Elan

Als erste Einnahmen flossen, wurde aus dem Hobby ein Geschäft. "Die Unternehmensgründung hat sich zwangsläufig ergeben, es sollte ja alles mit rechten Dingen zugehen", erklärt David den Gang zum Gewerbeamt.

Der unternehmerische Elan des 16-Jährigen aus dem westfälischen Herdecke war den Behörden unheimlich: "Die hatten wohl noch nie mit einem ähnlichen Fall zu tun und keinen blassen Schimmer, was sie mit mir machen sollten." Seine Eltern mussten sich beim Jugendamt über mögliche Risiken aufklären lassen; erst nach gut einem halben Jahr trudelte die Zulassung ins Haus.

Dass er eine Marktlücke entdeckt und den Grundstein für ein Millionengeschäft gelegt hatte, sei ihm damals nicht bewusst gewesen, sagt der Beepworld-Gründer bescheiden. "Ich musste ja nicht plötzlich mit Tausenden von Euro umgehen, sondern bin da langsam reingewachsen."

Der Vater hilft mit

Fürs Erste machte David brav an einem Herdecker Gymnasium sein Abitur. Nach dem Zivildienst bei der Hagener Feuerwehr entschloss er sich, Biologie zu studieren.

Bei der Wahl des Studienfachs kam er nicht lange ins Grübeln. Schon als kleiner Junge hatte David mit Hingabe Lichtschranken und Solaranlagen gebastelt; später diskutierte er mit Vater Finkenstädt, ebenfalls Biologe, beim Sonntagsfrühstück gern über Grundsatzfragen der Gentechnik.

Vater Thomas, Privatdozent für Stoffwechselphysiologie an der Universität Kassel, ist inzwischen bei Beepworld als zweiter Geschäftsführer und Marketing-Berater mit von der Partie: eine Personalentscheidung, die sich in der schweren Krise der New Economy bezahlt machte. So riet der Vater seinem Sohn frühzeitig, die Kundenbindung zu stärken und sich vom wankelmütigen Werbemarkt unabhängig zu machen.

Beepworld: Täglich über 2000 neue Nutzer

Beepworld: Täglich über 2000 neue Nutzer

Größte Einnahmequelle sind inzwischen kostenpflichtige Homepage-Zusatzleistungen. "Wer mehr Speicherplatz, passwortgeschützte Bereiche oder Flash-Animationen haben möchte, muss zwei Euro bezahlen", erklärt David, "das ist für jeden Jugendlichen erschwinglich, egal, wie schlecht die Konjunkturlage ist."

Den Business-Talk hat der junge Mann gut drauf. Ab und an klingt das ein wenig altklug, etwa wenn er seine Firma von all den gescheiterten Start-Ups der New Economy abgrenzt: "Concorde, Kaviar und Champagner, das war eben der falsche Weg. Wir hingegen sind von Anfang an gesund und organisch gewachsen."

Zum Ausgleich nach Südamerika

Während seine Kommilitonen als angehende Biologen eher ungewissen Zeiten entgegensehen, muss der junge Mann deshalb um seine berufliche Zukunft nicht bangen. "Ich werde mal die Freiheit haben, einen Job annehmen zu können, weil er mich herausfordert", glaubt David, "nicht, weil ich meinen Lebensunterhalt sichern muss."

Auch wenn er schon mit 21 manches erreicht hat, wovon andere ein Leben lang träumen - auf eine Quarterlife-Crisis steuert der Student bestimmt nicht zu. Denn der entdeckungsfreudige Geschäftsmann, der mit seinem Vater und Bruder Tim gern Abenteuerreisen nach Südamerika, Australien und Asien unternimmt, hat noch ein paar Ziele: fünf Jahre studieren, dann ein Job in der Biotechnologie, "weil da in der Forschung am meisten zu bewegen ist und ich gleichzeitig mein unternehmerisches Know-how anwenden kann". Mit einer Internet-Plattform für die Forschung möchte sich David Finkenstädt irgendwann ein zweites Mal selbständig machen.

Er weiß ja jetzt, wie das geht.

ULLA HANSELMANN



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