Plagiatsaffäre Schavan gibt Berliner Honorarprofessur auf

Erst verließ sie den Hochschulrat der Münchner LMU, jetzt gibt sie auch ihre Honorarprofessur der FU Berlin ab: Die Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird nicht mehr an der FU lehren, teilt die Universität mit.

Abgang: Annette Schavan möchte nicht länger Honorarprofessorin an der FU sein
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Abgang: Annette Schavan möchte nicht länger Honorarprofessorin an der FU sein


Annette Schavan (CDU), frühere Bundesbildungsministerin, hat die Freie Universität Berlin in einem Schreiben gebeten, sie als Honorarprofessorin zu verabschieden, teilte ein Sprecher der Universität am Freitag mit. Die Universität werde diesem Wunsch nachkommen. Der "Tagesspiegel" berichtet, Schavan habe diese Bitte mit ihrer neuen Aufgabe im Vatikan begründet. Dort soll sie Botschafterin werden.

Der Akademische Senat der FU hatte Schavan im Oktober 2008 zur Honorarprofessorin im Fach Katholische Theologie berufen und das mit ihren theologischen Arbeiten begründet. Damals ordnete die Uni auch die Promotionsarbeit Schavans ein und bezeichnete diese als "Grundlage für die Leitlinien ihres theologischen Denkens". Schavan hatte zuletzt im Wintersemester 2013/14 eine Lehrveranstaltung angeboten, der Titel lautete "Grundlagen einer christlichen Ethik".

Neue Ehrendoktorwürde aus Lübeck

Erst am Dienstag hatte Schavan angekündigt, sich nach nur wenigen Monaten aus dem Hochschulrat der Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU) zurückzuziehen; damit war die Ex-Ministerin dem Wunsch der Münchner Fakultätsdekane gefolgt. Zuvor hatte Schavan den Rechtsstreit um ihren Doktortitel verloren. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte ihre Klage gegen den Doktorentzug abgewiesen.

Ihren wissenschaftlichen Doktortitel hat Schavan inzwischen endgültig abgeschrieben: Am Donnerstag hatte sie bekanntgegeben, dass sie nicht in einer weiteren Instanz gegen den Entzug des Doktortitel klagen werde. Die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck, die ihr am Freitag verliehen werden soll, will sie aber annehmen. Die Ehrung ist umstritten.

Die Affäre um Schavans Dissertation begann vor knapp zwei Jahren. Im April 2012 wurde zum ersten Mal auf einer Internetplattform der Vorwurf des Plagiats gegen die damalige Bundesbildungsministerin erhoben - von einem anonymen Plagiatsjäger mit dem Pseudonym Robert Schmidt auf der Webseite Schavanplag. Einige Monate später kamen auch Promotionsausschuss und Fakultätsrat von Schavans ehemaliger Universität zu dem Ergebnis, dass an zahlreichen Stellen plagiiert worden sei. Von einer "leitenden Täuschungsabsicht" ist in einem Gutachten die Rede.

Im Februar 2013 entzog die Universität Düsseldorf Schavan schließlich den Doktortitel. Vier Tage danach trat Schavan als Ministerin zurück und begründete diesen Schritt mit ihrer Klage. Zu diesem Zeitpunkt lag die Promotion der damaligen Bundesbildungsministerin bereits 33 Jahre zurück. Schavan hatte Flüchtigkeitsfehler eingeräumt, den Vorwurf der Täuschung aber stets zurückgewiesen.

fln/dpa

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Sokrates1939 11.04.2014
1. Affront
Zitat von sysopGetty ImagesErst verließ sie den Hochschulrat der Münchner LMU, jetzt gibt sie auch ihre Honorarprofessur der FU Berlin ab: Die Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird nicht mehr an der FU lehren, teilt die Universität mit. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/honorarprofessur-schavan-fu-berlin-schavan-bitte-um-abschied-a-964011.html
Ich finde es doch recht befremdlich, daß Frau Schavan und anscheinend auch die Bundesregierung an ihrer Berufung zur Botschafterin beim Heiligen Stuhl festhalten nach dem Motto, als Ministerin war sie nicht mehr tragbar, für den Vatikan ist sie noch gut genug. Der Papst könnte es als Affront betrachten und ihr das Agrément verweigern, was freilich nicht üblich wäre. Für Frau Schavan wäre eine gute Gelegenheit gewesen, sich in den Ruhestand zu verabschieden.
philopapos, 11.04.2014
2. Prozesslawine
Frau Schavan hat einen Weg eingeschlagen, der an der Alma Mater ehedem (ob heute auch, ist mir nicht bekannt) möglich war, nämlich eine Dissertation vorzulegen, ohne sich vorab eines Staatsexamen unterzogen zu haben. War nicht sonderlich gescheit, weil das Staatsexamen einen ziemlich zum Büffeln zwang. Aber ohne Doktortitel somit kein akademischer Abschluss. Ohne akademischen Abschluss aber ist das Einmünden in eine verbeamtete Karriere des Höheren Dienstes ausgeschlossen! Die Dame nun in Rom auf einen B9-Posten (die Dotierung möge googeln, wer will) zu hieven, müsste eigentlich einen Sturm im Auswärtigen Amt und eine Prozesslawine auslösen.
lanoia 11.04.2014
3.
Frau Schavan steht für christliche Ethik !!!!
rainer_daeschler 11.04.2014
4. Schneller, aber nicht einfacher
Zitat von philopaposFrau Schavan hat einen Weg eingeschlagen, der an der Alma Mater ehedem (ob heute auch, ist mir nicht bekannt) möglich war, nämlich eine Dissertation vorzulegen, ohne sich vorab eines Staatsexamen unterzogen zu haben. War nicht sonderlich gescheit, weil das Staatsexamen einen ziemlich zum Büffeln zwang. Aber ohne Doktortitel somit kein akademischer Abschluss. Ohne akademischen Abschluss aber ist das Einmünden in eine verbeamtete Karriere des Höheren Dienstes ausgeschlossen! Die Dame nun in Rom auf einen B9-Posten (die Dotierung möge googeln, wer will) zu hieven, müsste eigentlich einen Sturm im Auswärtigen Amt und eine Prozesslawine auslösen.
Heute selten, aber es gibt sie noch, die grundständige Promotion: http://www.kunstgeschichte.uni-freiburg.de/studieninformationen/promotion_habil Mit Magister hätte Annette Schavan ihr Studium niemals in 12 Semestern mit den Abschluss Dr. phil. abschließen können. Allerdings hat dieser Weg auch Nachteile. Während der promovierende Magister sich auf seine Dissertation und deren Verteidigung konzentrieren kann, muss der grundständig Promovierende zeitnah dazu noch alle Prüfungen für Haupt- und Nebenfächer ablegen.
Blaufrosch 11.04.2014
5. Lex Schavan
Man wird für Frau Schavan schon eine "Lösung" finden, die ihr trotz fehlender Befähigung für eine Laufbahn im höheren Dienst den Weg nach Rom ebnen wird. Die Juristen aus Merkels Umfeld arbeiten schon daran. Wetten?
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