Ingenieurinnen-Mangel Nur jeder fünfte Absolvent ist eine Frau

Laut einer neuen Studie schließen immer mehr Frauen ein technisches, mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium ab - doch noch immer sind weibliche Absolventen klar in der Minderheit. Besonders selten: Ingenieurinnen.

Ingenieurin in Jülich: Nur jeder dritte Mint-Absolvent ist weiblich
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Ingenieurin in Jülich: Nur jeder dritte Mint-Absolvent ist weiblich


Frauen sind in Technikfächern an den deutschen Hochschulen weiterhin klar in der Minderheit. So war 2009 in den sogenannten Mint-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, nur knapp jeder dritte Absolvent (31,4 Prozent) weiblich. Das ergibt sich aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Zwar haben 2009 rund 29.800 Frauen im Erststudium einen Abschluss in einem derartigen Fach gemacht - das entspricht einem Plus von fast neun Prozent. Der Frauenanteil unter allen Mint-Absolventen ist seit dem Vorjahr aber um 0,5 Prozentpunkte gesunken.

Besonders in technischen Studiengängen, zu denen die Ingenieurwissenschaften gehören, sind kaum Frauen zu finden. Nur etwa jeder fünfte Absolvent ist eine Frau (22,6 Prozent). In den Fächern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften liegt ihr Anteil mit 40 Prozent fast doppelt so hoch.

Das arbeitgebernahe IW sieht durch die Studie auch die These vom Fachkräftemangel bestätigt. Demnach konnten im Februar mehr als 117.000 Jobs für Mint-Spezialisten nicht besetzt werden. Einerseits habe die anhaltende Nachfrage den Arbeitsmarkt für Fachkräfte praktisch leer gefegt. Binnen Monatsfrist nahm die Mint-Lücke demnach um 21.000 Personen zu, der höchste Zuwachs seit dem Jahr 2000. Andererseits gab es im Januar noch 86.700 arbeitslose Mint-Kräfte. Sie besäßen allerdings meist wegen längerer Erwerbslosigkeit nicht die geforderte Qualifikation.

"Es ist nicht gerecht, wenn ein iranischer Arzt in Deutschland Taxi fährt"

Erst am Freitag hatte eine Studie gezeigt, dass Ingenieure und Naturwissenschaftler gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, dass aber viele Studenten dieser Fächer gar nicht so weit kommen: Sie halten nicht bis zum Abschluss durch, die Abbrecherquote ist hoch.

Technisches Know-how sei das Rückgrat des Geschäftsmodells in der exportorientierten Wirtschaft, sagte IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös bei der Vorstellung der Studie. Um mehr Frauen für die Mint-Berufe zu gewinnen, solle es familienfreundlichere Arbeitszeiten geben. "Da müssen wir noch ein bisschen nachlegen", räumte Sons ein. Auch müssten mehr ausländische Studenten nach ihrer Zeit an der Hochschule in Deutschland gehalten werden. Derzeit kehre rund ein Drittel dieser Technikexperten später in die Heimat zurück.

Zudem sprachen sich die Wirtschaftsvertreter dafür aus, dass Ausländern die Anerkennung ihrer Berufs- und Studienabschlüsse in Deutschland erleichtert wird. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte an, das Kabinett werde dazu am Mittwoch einen Gesetzentwurf verabschieden. "Es ist nicht gerecht, wenn ein iranischer Arzt in Deutschland Taxi fährt", sagte Schavan der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

otr/dpa/Reuters

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Seite 1
feuercaro1 21.03.2011
1. Der Grund
Zitat von sysopLaut einer neuen Studie schließen immer mehr Frauen ein technisches, mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium ab -*doch noch immer sind weibliche Absolventen klar in der Minderheit. Besonders selten: Ingenieurinnen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,752274,00.html
Wer sich wie ich mehrere Jahrzehnte ansehen konnte, wie in einem großen Konzern weibliche Ingenieure behandelt wurden, der wundert sich nicht mehr, warum immer weniger Studentinnen diese Fächer wählen. Wohlgemerkt: Die Geschäftsleitung, der Vorstand - die hatten den Fachkräftemangel im Auge und DIE hatten aktiv um weibliche Ingenieure geworben. Das Problem waren und sind die Teams, in denen die jungen Frauen arbeiten müssen - fast immer als einzige weibliche Ingenieurin. Was da an Mobbing (und ich gehe mit dem Begriff sehr zurückhaltend um) abläuft, ist zu lang, zu widerlich und zu traurig, als dass ich es hier aufzählen möchte. Einer der Täter hat mir gegenüber mal unverblümt gesagt, dass es seine gesamte Gruppe entwerten würde (auch gehaltlich), wenn eine Frau dabei sei.
strangequark 21.03.2011
2. Erschreckend :
Zitat von sysopLaut einer neuen Studie schließen immer mehr Frauen ein technisches, mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium ab -*doch noch immer sind weibliche Absolventen klar in der Minderheit. Besonders selten: Ingenieurinnen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,752274,00.html
Eine andere Studie hat zudem gezeigt, dass nur etwa jeder zweite Mensch eine Frau ist. Ganz besonders schlimm ist es bei Männern. Dort ist fast keiner eine Frau.
miruwa 21.03.2011
3. .
Zitat von strangequarkEine andere Studie hat zudem gezeigt, dass nur etwa jeder zweite Mensch eine Frau ist. Ganz besonders schlimm ist es bei Männern. Dort ist fast keiner eine Frau.
Dafür ist bei klassischen Frauenberufen wie "Mutter" der Frauenanteil immernoch erschreckend hoch. Wo bleibt die Männerquote ?!
AndyDaWiz 21.03.2011
4. wenn ich sehe....
Zitat von sysopLaut einer neuen Studie schließen immer mehr Frauen ein technisches, mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium ab -*doch noch immer sind weibliche Absolventen klar in der Minderheit. Besonders selten: Ingenieurinnen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,752274,00.html
[QUOTE=sysop;7452650]Laut einer neuen Studie schließen immer mehr Frauen ein technisches, mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium ab -*doch noch immer sind weibliche Absolventen klar in der Minderheit. Besonders selten: Ingenieurinnen. [url] ...wie MEINE Frau (hochgebildet !) mit FAKTEN umgeht, dann halte ich das fuer genetisch bedingt. Sorry.
glen13 21.03.2011
5. ...
Zitat von sysopLaut einer neuen Studie schließen immer mehr Frauen ein technisches, mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium ab -*doch noch immer sind weibliche Absolventen klar in der Minderheit. Besonders selten: Ingenieurinnen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,752274,00.html
Warum muss es genau so viele Ingeneurinnen wie Ingenieure geben?
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