SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. Januar 2019, 14:00 Uhr

Integration durch Bildung und Arbeit

Deutschland mit guten Noten - und Nachholbedarf

Von

Migrationsforscher stellen Deutschland ein gutes Zeugnis bei der Integration von Zuwanderern aus - und machen gleichzeitig klar: In Schulen und auf dem Arbeitsmarkt bleibt noch viel zu tun.

Das Zeugnis, das die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die EU am Mittwoch für Deutschland ausgestellt haben, fällt ambivalent aus. Die Wissenschaftler haben in einer neuen Studie bewertet, wie gut Zuwanderer durch Bildung und Arbeit integriert werden.

Die Forscher bescheinigen Deutschland dabei einerseits "beachtliche Fortschritte" und stellen, entgegen mancher Tendenzen in der öffentlichen Debatte, klar, dass die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer in Deutschland gut integriert ist.

Andererseits aber weisen sie auf etliche Felder hin, in denen Integration noch nicht gelingt: in Schulen, bei der Berufsausbildung und bei der Anerkennung von Arbeitsmarktqualifikationen.

Deutschland wird von den Autoren der Studie dabei zwar nicht als klassisches Einwanderungsland eingestuft, wohl aber zur Gruppe der "langjährigen Zielländer" gerechnet. Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler in der Studie auch zwischen der ersten und zweiten Generation unterschieden.

Die wichtigsten Ergebnisse für die erste Generation der Zuwanderer:

Dabei benennen die Autoren einen entscheidenden Grund dafür, wann Integration gelingen kann: "In Deutschland ist der Ursprung der Qualifikation besonders wichtig." Wer als Migrant einen deutschen Bildungsabschluss erwirbt, hat deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Weil zugleich viele ausländische Abschlüsse nicht oder nur zögerlich anerkannt werden, sind viele Zuwanderer in ihren Jobs überqualifiziert: EU-weit liegt die Zahl der hoch qualifizierten Zuwanderer, die arbeitslos oder auf einem deutlich niedrigeren Level berufstätig sind, bei 5,5 Millionen Migranten.

In Deutschland betrifft das 31 Prozent der besonders gut ausgebildeten Zuwanderer, aber nur 16 Prozent der im Inland Geborenen. Bei den zugewanderten Frauen ist die Quote mit 35 Prozent noch höher als bei den Männern (28 Prozent).

Eine große Mehrheit der Bevölkerung legt bei der Integration den Fokus gar nicht auf die formale Qualifikation, sondern viel stärker auf das Erlernen der Sprache und auf gleiche Werte. Über 55 Prozent der Deutschen halten es für "äußerst wichtig", dass Migranten die hiesigen Lebensgewohnheiten annehmen; mehr als 50 Prozent finden die Landessprache entscheidend.

Die wichtigsten Ergebnisse für in Deutschland geborene Jugendliche mit zugewanderten Eltern:

Ein weiterer Befund der Statistiker unterstreicht die Forderung nach einer besseren Integration: Zuwanderer der zweiten Generation nehmen seltener an Wahlen teil als die in Deutschland Geborenen ohne zugewanderte Eltern - und diese Differenz ist im internationalen Vergleich auch noch überdurchschnittlich groß.

Im Video: Wir haben es geschafft! - Gelungene Integration

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung