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Integration durch Bildung und Arbeit Deutschland mit guten Noten - und Nachholbedarf

Migrationsforscher stellen Deutschland ein gutes Zeugnis bei der Integration von Zuwanderern aus - und machen gleichzeitig klar: In Schulen und auf dem Arbeitsmarkt bleibt noch viel zu tun.
Auszubildende bei BMW in Leipzig (Archivbild)

Auszubildende bei BMW in Leipzig (Archivbild)

Foto: Jens-Ulrich Koch/ Getty Images

Das Zeugnis, das die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die EU am Mittwoch für Deutschland ausgestellt haben, fällt ambivalent aus. Die Wissenschaftler haben in einer neuen Studie bewertet, wie gut Zuwanderer durch Bildung und Arbeit integriert werden.

Die Forscher bescheinigen Deutschland dabei einerseits "beachtliche Fortschritte" und stellen, entgegen mancher Tendenzen in der öffentlichen Debatte, klar, dass die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer in Deutschland gut integriert ist.

Andererseits aber weisen sie auf etliche Felder hin, in denen Integration noch nicht gelingt: in Schulen, bei der Berufsausbildung und bei der Anerkennung von Arbeitsmarktqualifikationen.

"Zusammen wachsen" - Studie zur Integration von Zuwanderern

Deutschland wird von den Autoren der Studie dabei zwar nicht als klassisches Einwanderungsland eingestuft, wohl aber zur Gruppe der "langjährigen Zielländer" gerechnet. Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler in der Studie auch zwischen der ersten und zweiten Generation unterschieden.

Die wichtigsten Ergebnisse für die erste Generation der Zuwanderer:

  • Generell sind Zuwanderer in allen untersuchten Ländern häufig an den Enden der Bildungs- und Qualifikationsskala zu finden: Oft sind sie im Vergleich zu nicht Zugewanderten entweder besonders gut oder besonders schlecht ausgebildet.
  • Die in Deutschland ansässigen Zuwanderer gehören eher zur Gruppe der Geringqualifizierten, sind aber oft schon besonders lange im Land: "Der Großteil der erwachsenen Zuwanderer, fast 70 Prozent, lebt hierzulande bereits seit über zehn Jahren", schreiben die Autoren.
  • Immer mehr Zuwanderer gehen einer Beschäftigung nach, demnach ist die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe fast zweimal stärker gesunken als unter den in Deutschland Geborenen.
  • "Zugewanderte fühlen sich Deutschland ähnlich stark verbunden wie hierzulande Geborene", heißt es im Bericht. Der Anteil der Migranten, die sich Deutschland "eng" oder "sehr eng" verbunden fühlen, liegt nur knapp drei Prozent unter dem entsprechenden Wert bei nicht Zugewanderten.

Dabei benennen die Autoren einen entscheidenden Grund dafür, wann Integration gelingen kann: "In Deutschland ist der Ursprung der Qualifikation besonders wichtig." Wer als Migrant einen deutschen Bildungsabschluss erwirbt, hat deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Weil zugleich viele ausländische Abschlüsse nicht oder nur zögerlich anerkannt werden, sind viele Zuwanderer in ihren Jobs überqualifiziert: EU-weit liegt die Zahl der hoch qualifizierten Zuwanderer, die arbeitslos oder auf einem deutlich niedrigeren Level berufstätig sind, bei 5,5 Millionen Migranten.

In Deutschland betrifft das 31 Prozent der besonders gut ausgebildeten Zuwanderer, aber nur 16 Prozent der im Inland Geborenen. Bei den zugewanderten Frauen ist die Quote mit 35 Prozent noch höher als bei den Männern (28 Prozent).

Eine große Mehrheit der Bevölkerung legt bei der Integration den Fokus gar nicht auf die formale Qualifikation, sondern viel stärker auf das Erlernen der Sprache und auf gleiche Werte. Über 55 Prozent der Deutschen halten es für "äußerst wichtig", dass Migranten die hiesigen Lebensgewohnheiten annehmen; mehr als 50 Prozent finden die Landessprache entscheidend.

Die wichtigsten Ergebnisse für in Deutschland geborene Jugendliche mit zugewanderten Eltern:

  • Die Schulleistungen der 15-jährigen Zuwanderer in zweiter Generation haben sich zwischen 2006 und 2015 erheblich verbessert. Dieser Leistungszuwachs war mehr als doppelt so groß wie bei Kindern mit im Inland geborenen Eltern.
  • Trotzdem schneiden diese Schüler etwa beim Pisa-Test besonders schlecht ab - innerhalb der EU sind nur die Werte in Frankreich noch schlechter. "Der Bildungsstand der Jugendlichen mit zugewanderten Eltern ist nach wie vor deutlich unter dem der Vergleichsgruppe", heißt es in der Auswertung.
  • Ziemlich gut steht Deutschland im internationalen Vergleich da, wenn es um die Quote der Jugendlichen geht, die sich nicht in einer Ausbildung, Beschäftigung oder Fortbildung befinden: Die liegt mit rund 10 Prozent in etwa auf dem Niveau von Kanada und der Schweiz. Negativ-Spitzenreiter ist Spanien mit einer Quote von mehr als 30 Prozent.

Ein weiterer Befund der Statistiker unterstreicht die Forderung nach einer besseren Integration: Zuwanderer der zweiten Generation nehmen seltener an Wahlen teil als die in Deutschland Geborenen ohne zugewanderte Eltern - und diese Differenz ist im internationalen Vergleich auch noch überdurchschnittlich groß.

Im Video: Wir haben es geschafft! - Gelungene Integration

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