Internationaler Frauentag R-E-S-P-E-C-T allerseits

"Internationaler Frauentag" - das war früher nur eine Notiz im Kalender. Heute gehen weitweit Frauen auf die Straße. Eine Erklärung: Der Vormarsch der Rechtspopulisten gibt der Bewegung Auftrieb.

AFP

Plötzlich spielt er wieder eine Rolle: der Weltfrauentag. Jahrzehntelang war er nicht mehr, als ein Relikt aus alten Zeiten. Ihm haftete der Geruch von DDR und Sechzigerjahre an. Doch seit dem internationalen Frauentag vor einem Jahr hat sich die Welt radikal verändert: Nationalisten bedrohen unsere Werte. Frauen sehen ihre über Generationen hart erkämpften Rechte bedroht. In den USA, in Asien, in Australien und vielen anderen Staaten der Welt gehen heute Frauen auf die Straße oder legen ihre Arbeit nieder.

In Berlin gab es in der Nacht zum Mittwoch eine Sponti-Aktion von Frauen-Aktivistinnen. Eine Aktivistinnen-Gruppe projizierte per Beamer Bilder nacheinander auf die Fassaden der AfD-Zentrale und der US-Botschaft: Eine nackte junge Frau mit gespreizten Beinen, dazu der Slogan "Keep your Agenda out of my Vagina" - "Lass deine Agenda aus meiner Vagina".

Am Vormittag rief Familienministerin Manuela Schwesig dazu auf, Frauenrechte gegen reaktionäre Kräfte zu verteidigen. "Wir fühlen in diesem Jahr, dass die Rechte und ihre Freiheit bedroht sind", sagte die SPD-Politikerin in Berlin. So sei US-Präsident Donald Trump an die Macht gekommen, der sich offen frauenfeindlich geäußert und mit sexueller Gewalt geprahlt habe. "Der Wunsch, mit Macht und Gewalt alles machen zu können, findet heute noch und immer wieder Anhänger", so die SPD-Politikerin.

"A Day Without A Woman"

Bereits im Januar, einen Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump, gingen Hunderttausende beim "Woman's March" in den USA auf die Straße. Und die Proteste sollen zum Frauentag weitergehen. Die Organisatoren des Woman's March haben zum Massenstreik aufgerufen - unter dem Motto "A Day Without A Woman" ("Ein Tag ohne Frauen").

Demnach sollen Frauen nicht zur Arbeit gehen und auch die Hausarbeit ruhen lassen. Manche amerikanische Schule kündigte gestern bereits an, dass sie heute wegen des Frauenstreiks geschlossen bleibe.

Dem Aufruf zufolge sollen die Frauen auch möglichst nicht einkaufen gehen - und wenn, dann nur in kleinen Geschäften, die von Frauen geführt werden. Als Zeichen der Solidarität sollen zudem so viele wie möglich die Farbe Rot tragen. Noch ist nicht klar, wie viele sich an den Protesten in den USA beteiligen werden, es haben allerdings schon Tausende über die sozialen Netzwerke ihre Teilnahme zugesagt.

In anderen Ländern sind die Proteste bereits gestartet. In Südkorea, den Philippinen und Australien gingen Tausende Frauen auf die Straße und setzten sich für mehr Frauenrechte ein. Erzieherinnen in Australien legten um 15.20 Uhr die Arbeit nieder. Ab dieser Uhrzeit arbeiteten Frauen quasi ohne Lohn, da sie weniger verdienen als Männer, so die Begründung der Organisatoren.

In Moskau wurden mehrere Feministinnen bei einer Protestaktion am Kreml festgenommen. Sie hatten ein Transparent mit der Aufschrift "Männer sind seit 200 Jahren an der Macht, nieder mit ihnen" und Rauchfackeln hochgehalten.

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Demonstrationen: "Ab 15.20 Uhr arbeiten Frauen kostenlos"

Auch in Deutschland sei das Erkämpfte für Frauen nicht selbstverständlich, sagte Schwesig - "weder der Respekt noch die Rechte und die Möglichkeiten". Es gebe auch in Deutschland politische Kräfte, die Frauenpolitik als "Genderwahn" diffamierten.

Die Familienministerin fordert deshalb gleichen Lohn für gleiche Arbeit, eine Aufwertung der Pflegeberufe, besseren Mutterschutz, längeren Unterhaltsvorschuss und ein Rückkehrrecht aus Teilzeit. "Fünf Gesetze müssen noch kommen, in dieser Legislaturperiode", schrieb Schwesig in der "Schweriner Volkszeitung".

Meinungskompass

Bundespräsident Joachim Gauck sprach sich für eine weltweite Gleichstellung von Frauen und Männern aus. In dem Zusammenhang kritisierte er auch US-Präsident Donald Trump. Er würdigte den "Marsch der Frauen" in Washington, bei dem im Januar mindestens 500.000 Menschen gegen Trumps Politik auf die Straße gegangen waren.

Die Farben Pink und Rosa spielen bei den Frauenprotesten eine wichtige Rolle. Beim Woman's March in den USA in den USA trugen viele Teilnehmer rosa Mützen mit Katzenohren - eine Anspielung auf "Pussy Cat". Auch die deutschen Grünen zeigten sich anlässlich des Frauentages mit der Kopfbedeckung auf Twitter.

Der Internationale Frauentag wurde erstmals 1909 in den USA gefeiert. Ab 1911 auch in Österreich, Dänemark, Deutschland und der Schweiz. Seitdem schließen sich immer mehr Länder an.

koe/ler/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
gekreuzigt 08.03.2017
1. Oh Herr,
wofür ist Trump noch verantwortlich? Es muss wirklich der Leibhaftige sein. Hoffentlich kann St. Martin uns retten, muss man mal die Küstenbarbie fragen.
mathmag 08.03.2017
2. Vielleicht ist es auch umgekehrt...
und die Verfechter von "Sex, biologisch, ist auch ein soziales Konstrukt" und "Diskrimierung per Quote ist Gleichberechtigung" treiben einzelne zu den Rechten hin. Ohweh.
Janabanana 08.03.2017
3.
Das erste Bild im Artikel, das auch in der Übersicht erscheint hat hinen im Übrigen das Trans-Feminismus-Zeichen. Auch Transfrauen sind Frauen!
UlrichLamprecht 08.03.2017
4. Gleiche Rechte der Geschlechter sind noch nicht erreicht
und darum hat dieser Tag seine Berechtigung. Auch wer gefühlt sein Handeln gleichberechtigt gestaltet kann nicht die Augen schließen bis die Verhältnisse stimmen. Wir haben es nicht nötig, irgendwen unterzuprivilegieren. Also Männer, pussyKäppchen auf und unsere Frauen unterstützen. Ulrich Lamprecht
Lykanthrop_ 08.03.2017
5.
Ich hab eine gute Idee, wir machen einfach Pause mit dem Genderkrieg und Streiken ein Tag lang alle und die Männer machen einfach mit, herrlich. :D Ansonsten an der Geschlechterkriegs- Front nichts Neues. Jedes Geschlecht hat sich eingegraben und schießt auf das andere. Wie wäre es wenn jedes Geschlecht mal auf sich selbst schaut ? Gerade da sind die Frauen besonders schlecht. Im Sinne einer wirklichen Gleichberechtigung wäre ich für einen Welt Männertag, zum Gedenken an all die Männer die von Frauen diskriminiert werden. Wenn Frauen es schaffen zu sehen, dass auch diskriminierte Männer und Frauen gibt die Täter sind, wie Männer es schaffen anzuerkennen, dass viele Frauen von Männer diskriminiert werden, sind Frauen auf dem gleichen reflektorischen Level wie viele Männer.
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