IT-Gehälter im freien Fall Techies verkaufen sich zu billig

Das Klagelied vom Mangel in der IT-Branche ist verstummt. Folglich sinken die Gehälter für Berufseinsteiger aus der Informatik und Wirtschaftsinformatik, obwohl die Anforderungen steigen. Doch wichtig ist auch, wie gut man pokert - die Selbsteinschätzung kann das Gehalt nach oben oder unten treiben.

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Informatiker: "Billig" ist wieder wichtiges Kriterium bei der Einstellung
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Der 50.000-Euro-Mann muss schon ein Wunderknabe sein. Ein Dr. wäre schön. MBA wird auch gern genommen. Zwei Sprachen Minimum im reisebereiten Handgepäck. Berufserfahrung und Spezialkenntnisse: gern neben dem (bitte kurzen) Diplom-Studium erworben.

Unternehmen schrauben ihre Ansprüche an Informatik-Absolventen immer höher. Gleichzeitig zahlen sie geringere Einstiegsgehälter. Nur noch 38.000 Euro erzielte der durchschnittliche IT-Berufseinsteiger nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum im Jahr 2002 - rund zehn Prozent weniger als zwei Jahre zuvor (42.000 Euro).

Große Einkommensspanne selbst in einer Firma

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Institut der deutschen Wirtschaft

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Studienabbrecher haben daneben kaum noch eine Chance; 37 von 100 Informatikern schaffen nach Angaben des Bundesbildungsministeriums den Abschluss nicht. Auch für Quereinsteiger ist die Luft in der IT-Branche inzwischen dünn geworden. Das Diplom ist für "Techies" inzwischen Pflicht, weiß Jörg Maas, Geschäftsführer der Gesellschaft für Informatik (GI) in Bonn. Der Grad der Qualifikation, die Güte der Ausbildung will belegt sein.

Zudem gilt: Je besser die Qualifikation und je kleiner der Kreis der Mitbewerber, desto höher das Gehalt. Die Schere geht dabei weit auseinander, selbst innerhalb eines Unternehmens. Zwischen 35.000 und 50.000 Euro liegt etwa bei Siemens die Bandbreite für IT-Einsteiger.

Für Bewerber sei es wichtig, sich innerhalb solcher Spannen selbst richtig einzuordnen und zudem den Markt zu beobachten, so Thomas Grüske, Geschäftsführer der Personalberatung Jobexpress in Idstein: Welche Spezialkenntnisse sind aktuell gefragt und erhöhen damit das Einstiegsgehalt?

Individuelle Gehalts-Checks helfen, den Bezug zwischen eigenen Kenntnissen und dem Gehalt herzustellen (siehe zweiter Teil). Die Rechner berücksichtigen auch Branche, Unternehmensgröße und Region und sind somit aussagekräftiger als Durchschnittswerte.

Mitunter ist Vorsicht geboten, wenn ein Unternehmen mehr bietet als üblich. Dies sei, so Grüske, eine "Gefahrenzulage" wie das einstige Risikogehalt der New Economy. So legen Töchter internationaler Firmen derzeit häufig ein paar Tausend Euro auf den üblichen Tarif. Im Gegenzug schließen sie ihre Tore bei schlechter Lage oft von heute auf morgen.

Die Bewerber sind bescheiden

Vielen Bewerbern ist da ein etablierter Konzern lieber, auch wenn es weniger Gehalt gibt - oder vielmehr: die Bewerber weniger Geld fordern. "Die Vorstellungen der Absolventen sind realistischer geworden sind", formuliert Juliane Wiemerslage, Geschäftsführerin Personal bei der IBM.

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Doch was realistisch ist, ist nicht zuletzt auch eine Frage der individuellen Perspektive. Aus Angst, die Stelle nicht zu bekommen, verkaufen sich viele Bewerber zu billig. Dabei besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Selbsteinschätzung und Höhe des Lohns, ermittelte jüngst eine Gehaltsstudie der Fachzeitschrift "Computerwoche". Ein bisschen vom "Wunderknaben" steckt also in jedem Absolventen.

Lesen Sie im zweiten Teil:

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