Ein Job als Osterhase Bitte nie wieder Eierlikör

Sich als Hase verkleiden und irgendetwas verteilen, zu Werbezwecken: Zu Ostern werden häufig Jobs dieser Art angeboten. Hier erzählt jemand, warum er sowas nie wieder machen würde.

Mann im Hasenkostüm (Symbolbild)
Ian McDonnell / Getty Images

Mann im Hasenkostüm (Symbolbild)


"Ich war jung und brauchte das Geld. Kein Witz. Zur Abi-Zeit und zu Beginn meines Studiums ging es mir andauernd so. Deshalb suchte ich mir verschiedene Nebenjobs. Zwei bis drei Tage pro Woche arbeitete ich in einer Kneipe, zuerst in der Küche, dann als Kellner und schließlich als Zapfer hinter der Theke. Es war kein Szenelokal, sondern 'Erlebnisgastronomie'.

Die Gäste sollten nicht nur bewirtet, sondern auch unterhalten werden. Immer mal wieder gab es Motto-Tage und irgendwelche mehr oder weniger lustigen Aktionen. Mal sollten sich etwa die männlichen Kollegen Frauenkleider anziehen und die Frauen wiederum mit Krawatte und im Anzug erscheinen. Zu Ostern hatte sich der Chef auch etwas Besonderes ausgedacht, und zwar für mich: 'Du wirst unser Osterhase.'

Ich musste am Samstagabend vor dem Ostersonntag also ein Hasenkostüm anziehen: einen Strampler für Erwachsene, weiches Kunstfell, plüschige Kapuze mit langen Ohren dran. So stand ich neben einem Stehtisch am Eingang, um die Gäste zu begrüßen.

Ich hoffte noch, dass nicht irgendwelche Freunde von mir vorbeikommen würden. Vergebens. Es gab ein großes Hallo. Vielleicht hätte ich für diesen Abend mehr Lohn verlangen sollen? Eine Peinlichkeitszulage? Zu spät.

Nicht lang schnacken, Kopf in den Nacken

Ich fügte mich in die Hasenrolle und bot allen Gästen, wie vom Chef gewünscht, ein Willkommensgetränk an. Passend zu Ostern: Eierlikör. Bei den Gästen kam die Idee bestens an. Schon mein Outfit sorgte für gute Laune, der Likör noch mehr. Und viele forderten mich auf, mit ihnen anzustoßen, vielleicht aus Mitleid oder einfach so. Der Tenor lautete jedenfalls für knapp eineinhalb Stunden: Nicht lang schnacken, Kopf in den Nacken.

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Ich protestete also. Und trank. So wurde ich nach und nach immer lustiger und immer durstiger. Mein Fehler: Ich hatte unter dem Hasenkostüm Jeans und Pullover anbehalten. Unter dem Fell wurde mir deshalb ziemlich warm. Gleichzeitig strömten die Gäste nur so in die Kneipe, stauten sich vor dem Eingang. Es war eng, laut. Ich schwitzte.

Deshalb trank ich nicht nur den einen oder anderen Eierlikör, sondern auch Bier. Wie lange ich das durchhielt - ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls wechselte ich später vom Eingang hinter die Theke zum Zapfhahn. Und trank da noch mal Bier. Danach verschwimmt meine Erinnerung. Mir war ziemlich schwindelig, und ich war irgendwann nicht mehr in der Lage, die Gläser richtig zu füllen. Deutlich früher als geplant fuhr ich noch vor Dienstschluss nach Hause. Mit dem Fahrrad.

Mein Kopf brummte. Und mir war schlecht. Sehr schlecht. Auch am nächsten Tag noch. Das immerhin weiß ich noch genau. Zum Glück ist das alles jetzt rund 25 Jahre her. Aber jedes Mal, wenn jemand Eierlikör ausschenkt oder auch nur das Wort erwähnt, denke ich wieder an meinen Hasen-Job und bekomme ein ungutes Gefühl. Eierlikör habe ich nie wieder getrunken."

Der Name des Mannes ist der Redaktion bekannt.

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